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466

Sunday, April 22nd 2018, 5:03pm

Backfischgeschwader

Sturmwind 518

"Nein, nein," versichert Bræn dem hinter ihm her trippelnden Braiden gerade, als er im Obergeschoss des Harfenanbaus um die Ecke ins Kaminzimmer biegt. "Du kriegst bestimmt keine Schimpfe, weil du das Baby geweckt hast, und jetzt komm endlich." Der zweieinhalbjährige Braiden ist der einzige seiner kleinen Brüder, der hin und wieder schlecht träumt, und Bræn ist der felsenfesten Überzeugung, dass das daher kommt, weil er in Brioca geboren wurde und nicht hier in der Harfe. Dabei vergisst er zwar, dass auch Brevær genaugenommen nicht unter diesem Dach das Licht der Welt erblickt hat, sondern irgendwo im Larisgrün, aber das ist ja praktisch ihr Vorgarten und gehört zu seinem Zuhause wie der Marktplatz und die Straßen, die Stadtmauern und der Strand und überhaupt alles in Talyra. Ausnahmsweise ist Heledd gerade einmal nicht in seinem Kielwasser unterwegs, weil sie nämlich den dreieinhalbjährigen Brevær längst angezogen und nach unten gebracht hat, wo auch Braiden schon sein sollte. Sein Da will mit den Kleinen irgendwo hin und hatte ihnen aufgetragen, die Jungs fertig zu machen, damit ihre Mama und das Baby – er kann immer noch nicht ganz fassen, dass er wirklich und wahrhaftig eine kleine Schwester hat, also eine solche Babyschwester, denn kleine Schwestern hat er ja schon reichlich... Heledd, die er aber lieber nicht als solche ansieht, sonst kann er sie nicht heiraten, wenn er groß ist, Missa und Reisig und das Baby von Kalam und Kara...halt, das ist seine Nichte, hat sein Da gesagt. Also ist Bræn nicht nur ein großer Bruder, sondern auch noch Onkel und das erst mit zehn – selbst er findet, dass das gar keine so schlechte Leistung ist und vergisst auch darüber völlig, dass er damit weniger zu tun hatte, eher der Fleiß seiner Eltern, Kalams und Karamanehs im Kinderzeugen und Adoptieren. Einerlei, der Tag ist viel zu schön, um ihn hier in der Harfe zu verbringen, außerdem muss Heledd einfach wissen, wie es um die Fohlen steht und er wird hingehen, wo sie hingeht, also ist es ausgemachte Sache. Er will allerdings vorher unbedingt noch zu Tiuri, der irgendwann von seinem Ausritt zurückkommen muss – seinen größten Ziehbruder so lange zu Hause zu haben, ist für Bræn etwas ganz Besonderes, schließlich hat der Loaritter die letzten Jahre mehr in Sûrmera und in irgendwelchen Kämpfen entlang der Weihrauchstraße verbracht, als hier in Talyra. Und da Bræn wie alle Jungen seines Alters Geschichten von Kriegen, Schlachten und Kämpfen in sich aufsaugt wie ein Schwamm, will er keine Gelegenheit auslassen, Tiuri über dies und das und jenes auszuquetschen. Er staunt allerdings nicht schlecht, als er plötzlich Rialinn vor der Nase stehen hat, die artig an Tiuris Zimmertür anklopft und das, obwohl der Loaritter doch gar nicht zu Hause ist. "Oh... hey, was machst du denn hier? Suchst du Tiuri? Der ist nicht da, ist ausgeritten. Hat ein neues Pferd und das ist richtig nett, endlich mal eines, das einen nicht ständig fressen will. Kann ich dir vielleicht helfen?" er streckt die Hand aus, um Braiden am Kragen seines Kittelchens festzuhalten, damit der nicht allein vorauseilt und sein kleiner Bruder lässt sich mit einem vernehmlichen Plumps auf den (noch) windelbepackten Hintern fallen. Rialinn ist ihm von dem "Backfischgeschwader", wie sein Da die ganzen halbwüchsigen Mädels in ihrer näheren Bekanntschaft neuerdings nennt, noch die liebste, weil sie längst nicht so zickig und langweilig geworden ist, wie Shaerela und Fianryn. Dauernd tuscheln die beiden miteinander, ständig stecken sie ihre Köpfe zusammen und flüstern und spielen wollen sie auch nicht mehr alles, vor allem nicht die wirklich lustigen Sachen. Bei diesem Gedanken fällt ihm ein, dass er ja Tiuri bei Gelegenheit einmal fragen könnte, ob der wohl weiß, woran das liegen mag, dass Mädchen irgendwann blöd werden und ob er glaubt, dass Heledd auch irgendwann so wird. Davor fürchtet Bræn sich tatsächlich und zwar sehr. Nicht auszudenken, was er tun soll, wenn er seine Heledd irgendwann einmal einfach nicht mehr leiden kann. Sie ist acht und er liebt sie heiß und innig, Shaerela und Fianryn sind vierzehn oder so, und er mag sie eigentlich immer noch ganz gern, aber meistens sind sie einfach nur doof. Er will Heledd nicht doof finden. Und er will auch nicht, dass sie damit anfängt, ihn anzusehen, als wäre er ein Baby und hätte von nichts eine Ahnung. Gerade in dem Moment hört er sie unten nach ihm rufen. Heledd will wissen, ob er jetzt nicht bald runterkäme und Bræn grinst. Sie klingt genauso wie seine Mama, wenn sein Da herumtrödelt: Ein bisschen ungeduldig, aber irgendwie lieb. "Rialinn ist hier, ich komm gleich," brüllt er zurück und sieht das Elbenmädchen erwartungsvoll an. Zu seiner unendlichen Bestürzung überragt sie ihn immer noch um einen ganzen Kopf, obwohl er in letzter Zeit wie verrückt gewachsen ist. Allerdings ist sie dabei so schmal wie ein Weidenzweig und er hat jetzt schon einen Stiernacken, eine Brust wie ein Jungbulle und Arme, die jedem verraten, wie stark er ist. 'Da kommt der Zwerg durch', sagt seine Mama immer. Allerdings ist er jetzt schon fast so groß wie seine Mutter und ihm fehlt auch nur noch ein Spann, dann hat er seinen Da eingeholt. Dann fällt ihm ein, dass Tante Arúen ja riesig ist, bestimmt wird auch Rialinn mal so turmhoch. "He, wenn du nicht auf Tiuri warten willst, magst du dann mit uns in die Feenwasserbucht kommen? Wir wollen Kalam und Kara besuchen und schauen, ob die Fohlen schon da sind. Sie kriegen jede Menge!"
"Bræn! Musst du wirklich in jede Schlammpfütze treten?"
"Ach Mama, die sind immer ganz genau vor meinen Füßen!"

Rialinn

Stadtbewohner

Posts: 45

Location: Vinyamar

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467

Sunday, April 22nd 2018, 10:04pm

Die Gunst der Stunde




Ein wenig ertappt schaut Rialinn den um einen Kopf kürzeren Bræn an, als der zweitgeborene Blutaxtspross samt eines seiner jüngeren Brüder plötzlich vor ihr steht.

> Oh... hey, was machst du denn hier? Suchst du Tiuri? Der ist nicht da, ist ausgeritten. Hat ein neues Pferd und das ist richtig nett, endlich mal eines, das einen nicht ständig fressen will. Kann ich dir vielleicht helfen?<

"Hallo Bræn… Tiuri?... Wieso Tiuri? Ich wollte eigentlich zu…" Irritiert wandert ihr Blick den Gang einmal rauf und wieder runter, dann wird ihr bewusst, dass sie tatsächlich vor der falschen Zimmertür steht. "Khôl…", schimpft die junge Elbin vor sich hin, um dem Jungen dann einzugestehen, "Da steh ich wohl vor dem falschen Zimmer. Tiuris Schwert Fahl habe ich schließlich schon gesehen. Eigentlich wollte ich zu Shu're Kalam." Sie ist sich zwar nicht wirklich sicher, ob Borgils Schwiegersohn ein Shu're oder vielmehr ein Sire ist, aber Höflichkeit kann schließlich nie falsch sein. "Ich wollte ihn fragen, ob… naja… ich habe gehört, dass er der Träger von Ridil ist." Kurz fasst sie Bræn fester in den Blick und dann bricht es regelrecht aus Rialinn heraus. "Du kennst ihn doch. Stimmt das? Ist sein Schwert wirklich Ridil?" Um im nächsten Moment zu realisieren, was der Junge noch gesagt hat. "Tiuri hat ein neues Pferd und ist noch nicht wieder weg?" Die Beschreibung des neuen Pferdes des Loaritters lässt Rialinn von einem spitzen Ohr bis zum anderen grinsen. Immerhin kennt sie Njördyr, das frühere Pferd Tiuris. Der Hengst war alles andere als einfach gewesen, sogar noch unleidiger als Noro, der schon einen ziemlich schlechten Ruf gehabt hatte ehe er wieder nach Vinyamar gekommen war. Und Rialinn ist sich ziemlich sicher, dass sie nicht mit Stubenarrest davon gekommen wäre, wenn irgendwer jemals erfahren hätte, dass sie sich damals nach dem Sommerturnier tatsächlich zu dem blauäugigen Hengst in den Stall geschlichen hatte, nachdem Shu're Elthevir ihr im Scherz von Tiuris Überlegungen zu Rialinns Pferdeflüsterfähigkeiten bezüglich des Rotfuchses erzählt hatte. Sie würde niemandem davon erzählen, dass der schwarze Hengst ihr nicht nur nichts getan sondern sie fast einen Viertelglockenschlag in seiner Box geduldet hatte, während sie leise das gleiche Lied gesummt hatte, mit dem auch ihre Mutter alle Pferde des Ulmenanwesens beruhigt und mit dem sie den roten Hengst seinerzeit auf dem Pferdemarkt besänftigt hatte. "So schlimm war Njördyr gar nicht", verteidigt sie den Rappen also - wenn auch eher halbherzig, denn in Gedanken ist sie längst wieder bei dem Grund, der sie heute eigentlich hierher geführt hat und die Stimme Heledds, die unerwartet aus dem Erdgeschoss zu ihnen herauf klingt, bringt sie obendrein für einen Moment aus dem Konzept.

>He, wenn du nicht auf Tiuri warten willst, magst du dann mit uns in die Feenwasserbucht kommen? Wir wollen Kalam und Kara besuchen und schauen, ob die Fohlen schon da sind. Sie kriegen jede Menge!<

Bræn weiß es vermutlich nicht, aber er bietet Rialinn gerade die Möglichkeit, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Wenn er und Heledd sie mit in die Feenwasserbucht nehmen und sie dort vorstellen, dann ist das Argument ihrer Mutter bezüglich der Schwerter fremder Leute hinfällig. Und sie kann vielleicht nicht nur Karamanehs Baby sehen, sondern wenn Soris ihr hold ist, hat sie womöglich auch die Gelegenheit Kalam nach dem Schwert zu fragen.
Und bei dem Wort 'Fohlen' werden ihre Ohren gleich noch ein wenig spitzer. Noch ist Shur das Reitpferd ihrer Mutter. Aber Rialinn hat sehr wohl mitbekommen, wie Arúen und Tyalfen bei den Reiseplanungen darüber gesprochen haben, dass der Grauschimmel langsam zu alt würde um eine Reise wie die in die Elbenlande auf dem Landweg zu bewältigen. Sie hatten auch darüber gesprochen, dass sie sich über Kurz oder Lang nach einem neuen, jüngeren Pferd würde umsehen müssen.

"Ich würde gerne mitkommen", erklärt sie also, fragt aber im selben Atemzug nach, "Meinst Du denn, Karamaneh und ihr Mann haben nichts dagegen, wenn ich einfach so mit euch bei ihnen auftauche?... Warte, ich helfe Dir mit-" ein kurzer Blick um sich zu vergewissern, welcher von Borgils Sprösslingen da zwischen ihnen auf dem Boden sitzt, "mit Braiden." Und hält dem Knaben ihre Hand hin, die der auch prompt ergreift und sich zurück auf die Beine zieht und auffordernd die andere nach Bræn ausstreckt.
Avatar (c) Niniane

Am Grunde des Herzens eines jeden Winters liegt ein Frühlingsahnen, und hinter dem Schleier jeder Nacht verbirgt sich ein lächelnder Morgen.
(Khalil Gibran)

468

Sunday, April 22nd 2018, 11:33pm

Newsflash

Sturmwind 518

Rialinn stellt so viele Fragen auf einmal... also zumindest so kommt ihm das vor... dass Bræn gar nicht dazu kommt, ihr zwischendrin mal zu antworten und dann am Ende nicht mehr so recht weiß, wo er am besten damit anfangen soll. Oder mit welcher Frage. Der Reihe nach? Nach ihrer gefühlten Dringlichkeit? Oder was ganz anderem. Herrje, Mädchen sind wirklich nicht so einfach zu handhaben. "Also... Moment," beginnt er und realisiert, dass Rialinn wohl einfach noch nicht auf dem neuesten Stand ist. In letzter Zeit hat er sie oder ihre Mutter ja auch kaum zu Gesicht bekommen, weil sie auf Vinyamar wohl alle mit irgendwelchen Reiseplanungen oder so beschäftigt gewesen waren. Sein Da hatte irgendetwas in der Richtung mal erwähnt. "Du warst gar nicht vor dem falschen Zimmer, aber irgendwie doch. Da wohnt Tiuri, aber bevor sie ausgezogen sind, hatten Kalam und Tante Kara das Zimmer, weil es das größte im Anbau ist," klärt er sie auf. "Jetzt gehört es wieder Tiuri, der solange in Brenainns Zimmer geschlafen hat. Seit er wieder da ist, mein ich und ja, er is' immer noch da. Vielleicht bleibt er ja für länger. Klar kenn' ich Kalam, er ist schließlich mein... mein...äh... der Mann von Karamaneh. Ein Shu're ist der aber bestimmt nicht, er hat ja keine spitzen Ohren. Ein Sire ist er, glaub ich, auch nicht, aber da bin ich mir nicht so ganz sicher. Er ist jedenfalls irgendein Ritter, hab ich mal gehört." Genau genommen hat er schon einmal einen ganzen Sermon von irgendwelchen Titeln und Ehrenbezeichnungen gehört, die alle irgendwie dem ehemaligen Sithechjünger zugeschrieben werden, aber er bringt sie beim besten Willen nicht mehr zusammen. "Irgendwas mit Schwertern und Kelchen und Orden. Frag mich nicht. Er ist aber der Träger von Ridil, das stimmt. Wirklich Ridil, dem echten." Sogar sein Da war deswegen ganz aus dem Häuschen, auch wenn er versucht hatte, sich nicht so viel davon anmerken zu lassen, weswegen Bræn - als bis ins Mark seiner Knochen loyaler Sohn - jetzt auch kein Wort darüber verliert. "Und ja, Tiuri hat ein neues Pferd. Ich weiß gar nicht wie's heißt, ich glaub, es hat noch keinen Namen." Über die Aussage, dass Njördyr gar nicht so schlimm gewesen sei, kann Bræn nur leise schnauben – zu ihr ja vielleicht nicht, die Pferdeknechte in der Harfe und viele andere, die diesen Dämonenbraten erlebt hatten, würden da ein ganz anderes Lied singen. Einen Moment scheint das Elbenmädchen über etwas nachzudenken, denn es ist tatsächlich für eine Weile still, was ihm Gelegenheit gibt, ihr zu antworten und als er das getan hat und sie mit ihren Überlegungen fertig ist, erklärt sie, dass sie gern mitkommen würde.
>Meinst Du denn, Karamaneh und ihr Mann haben nichts dagegen, wenn ich einfach so mit euch bei ihnen auftauche?<

"Bestimmt nicht", versichert er. "Kalam kann ein bisschen unheimlich sein, wenn man ihn nicht kennt, aber er mag Kinder gern – ich hab jedenfalls noch nie gesehen, dass er eines nicht hätte leiden können. Und Kara mag alle Kinder, sie mag dich bestimmt auch." Damit scheint auch das ausgemachte Sache zu sein. Rialinn hilft ihm mit Braiden und sie machen mit dem Kleinen das Hopse-Spiel die Treppe hinunter, und bringen ihn in die Harfe hinüber, wo sie Heledd treffen. Währenddessen erzählt Bræn von allem, was ihm irgendwie wichtig erscheint, wenn sie Rialinn mit hoch in die Feenwasserbucht nehmen. "Dann ist da noch Tante Zaleh, Karamanehs Schwester, die sie in Azurien gerettet haben, und Missandei kennst du ja eh. Oh, und Reisig. Reisig ist Kalams und Karas zweite Ziehtochter, die haben sie aus Ildala mitgebracht. Sie hatte keinen Da und überhaupt keine Mama mehr und niemanden, also haben sie sie an... Kindesdings... Kindes art... an Kindes statt angenommen. Reisig ist aber noch klein. Wir wissen nicht genau, wie alt sie ist. Sie hat am Anfang kein Wort gesprochen. Und dann haben sie natürlich noch Amarya gekriegt, ihr Baby. Kalam war mal ein Vampir, weißt du. Doch wirklich, schau mich nicht so an, ich sag die Wahrheit. Einer von den Sithechvampiren, du weißt schon, nicht von den anderen, den wirklich bösen. Aber Kara hat ihn wieder lebendig gemacht, glaub ich, und jetzt ist er ein Mensch, so wie früher. Nur steinalt. Also so sieht er gar nicht aus, aber er war ja fünfhundert Jahre lang einer von denen. Hey Da," ruft er ins Kontor, wo er seinen Vater rumoren hört. "Wir gehen zu Kalam und Kara, ja? Heledd, Rialinn und ich. Die Zwillinge und die Kleinen sind bei Jojeen und sie sind fertig. Rimeon ist in der Schmiede und Mama und das Baby schlafen wieder." Als sie die Harfe zu dritt verlassen, sich durch das untere Ende des Marktgetümmels rund um den Harfengarten wuseln und zum Ildorel hinunter gehen - über die Uferpromenade geht es am schnellsten hoch zum Smaragdstrand und weiter in die Feenwasserbucht, fällt Bræn ein, dass es da ja noch was gibt, das Rialinn noch gar nicht weiß. "Unser Baby ist auch da, vor zwei Tagen zur Welt gekommen und es ist ein Mädchen! Da hat sie Azaira genannt."
"Bræn! Musst du wirklich in jede Schlammpfütze treten?"
"Ach Mama, die sind immer ganz genau vor meinen Füßen!"

Tiuri

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Posts: 38

Occupation: Stadtgardist

Location: Goldene Harfe, Talyra

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469

Monday, April 23rd 2018, 6:09pm

Die Siebentage in der Harfe vergehen so schnell, dass Tiuri es gar nicht glauben kann. Weit weg ist der Alltagstrott in Surmera, das Training, die anderen Soldaten. Er hilft Kalam und Kara bei ihrem Umzug, genauso aber hütet bei jeder freien Gelegenheit das Baby, selbst wenn es nur für ein paar Minuten ist. Ganz uneigennützig natürlich und nicht, weil er bei dem Anblick kleiner Babys irgendwie immer schmilzt wie eine Sahnetorte in der größten Sommerhitze. Eine Tatsache die er versucht wenigstens ein kleines bisschen zu verheimlichen, aber langsam ist er nicht sicher ob ihm das noch irgendwer auch nur im Geringsten abnimmt. Kaum sind Kalam, Kara und ihre Kinderschar aus dem Haus und Tiuri wieder zurück in seinem eigenen Zimmer in der Harfe, bekommt der Blutaxtclan erneut Zuwachs in Form von Azaira, die erste kleine halbzwerginnen Schwester.
Sie ist natürlich entzückend mit ihren dunkelblauen Augen und dem roten Haarflaum, denn abgesehen davon, dass sie ein Mädchen ist und ihre Augen so aussehen als würden sie ihre blaue Farbe behalten, sieht sie genauso aus wie ihre Brüder. Bei all dem Kindersegen rund um ihn herum und besonders jetzt wo sein Kumpel Kalam Vater geworden ist, kann Tiuri nicht anders als sich insgeheim fragen ob er jemals Vater werden würde. Dazu müsstest du wohl mal länger als fünf Minuten an einem Ort bleiben, eine Frau kennen lernen und dich nicht nach zwei Sätzen schwer gelangweilt von ihr fühlen… Dabei kann er sich seit er wieder daheim ist nicht beschweren genügend Frauen zu treffen, sogar die Bäckerstochter die schon vor vielen Jahresläufen etwas verliebt in ihn war, macht ihm immer noch jedes Mal wenn er über den Marktplatz geht schöne Augen. Nicht mal ihr Ehemann und ihre vier Kinder scheinen sie davon wirklich abzuhalten.
Er macht also auch an diesem Tag einen Bogen um ihr Geschäft als er vom Waldhof zur Harfe zurück reitet wo er seine Schwester und auch Njördyr, den er vor seiner letzten Reise dort gelassen hat besucht hat. Der Rappe hat ihm zur Begrüßung gleich mal ordentlich in den Arm gebissen, ganz so als wollte er ihm erst mal klar machen was er davon hält hier alleine zurück gelassen zu werden während Tiuri in die Schlacht zieht. Gleichzeitig beteuert Kea aber, dass es dem Hengst gut ginge und er völlig problemlos wäre. Was die Stallburschen des Waldhofes nur mit einem Augenrollen und einem genervten Grunzen quittieren. Es hätte Tiuri auch wirklich gewundert, wenn der Hengst sich plötzlich zum Lämmchen entwickeln würde. Trotzdem spielt er mit dem Gedanken ihn zurück zur Harfe zu holen, denn nur weil er etwas zu alt und zu langsam für den Dienst als Schlachtpferd geworden ist, heißt das noch lange nicht, dass er deswegen nur mehr auf der Wiese stehen muss.
Mit diesem und ähnlichen Gedanken, bringt er den Roten – der zu seiner Schande immer noch keinen Namen hat – in den Stall zurück, steckt ihm einen halben Apfel zu den der Hengst freudig annimmt und ihm auch gleich begeistert ins Gesicht sabbert. „Danke!“ sagt Tiuri resignierend, wischt sich den Apfelschleim aus dem Auge und macht sich auf den Weg zur Harfe. Gerade als er die Tür öffnen will, schlägt sie ihm auch schon entgegen und Bræn und Rialinn, Arúens Tochter, hüpfen ihm im Eilschritt beinahe in ihn hinein.
„Whoa, immer langsam, wo solls denn hingehen?“

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470

Monday, April 23rd 2018, 11:35pm

Kulleraugen und Grübchen

>Whoa, immer langsam, wo soll's denn hingehen?<
Bei diesen Worten und noch mehr bei diesem Tonfall zieht Bræn im allerersten Moment schuldbewusst ein wenig den Kopf ein – eine ganz instinktive Reaktion seinerseits gegenüber jedem Erwachsenen, der ihm grundsätzlich etwas zu sagen hat. Aber schon im nächsten Moment grinst er breit, schließlich war er ganz brav und hat überhaupt nichts angestellt, und strahlt zu Tiuri hoch, der gerade noch rechtzeitig von seinem Ausritt wieder nach Hause gekommen ist, um sie – theoretisch – ja auch begleiten zu können. "Heledd, Rialinn und ich, wir wollen zu Kalam und Kara in die Feenwasserbucht hoch, nachschauen, ob die Fohlen schon da sind. Kommst du mit? Ich hab Da Bescheid gesagt. Er will irgendwas mit den Kleinen machen." Die "Kleinen" sind im allgemeinen Sprachgebrauch des Blutaxtclans der Harfe im Moment zumindest noch Branon und Brion, die beiden Zwillinge, sowie Brevær und Braiden (ihres Zeichens fünf, dreieinhalb und zweieinhalb Jahre alt). Inwieweit sich das mit Azaira jetzt vielleicht ändern würde, außerdem werden die Zwillinge am Ende dieses Jahres ja schon sechs und müssen dann nach dem Winter auch in die Schule, kann Bræn noch nicht sagen. Tiuri weiß jedenfalls wer mit "die Kleinen" gemeint ist. "Rimeon ist in der Schmiede, Jojeen hängt über seinen Büchern, und Mama und das Baby schlafen. Bitte komm mit, Tiuri, bitte!" Manchmal verlegt sich Braen noch aufs betteln, auch wenn er damit längst nicht mehr so viel Erfolg hat, wie irgendeiner von den "Kleinen". Kulleraugen und Grübchen wirken wohl einfach besser, wenn man winzig und niedlich ist – oder ein Mädchen. Er ist weder das eine, noch das andere und letzteres schon gar nicht, aber normalerweise muss man Tiuri nicht lang bitten, wenn es darum geht, Kalam und Karamaneh zu besuchen. Erstens hat er ihnen ganz viel mit dem Umzug geholfen, zweitens kennt er den Sithechjünger... also den ehemaligen Sithechjünger ja schon ewig (nach Braens Meinung jedenfalls) und dann ist da ja auch noch Amarya. Amarya ist aber auch ein furchtbar niedliches Ding, das muss selbst er zugeben und er hat als zweitältester leiblicher Borgilsohn wirklich schon ganz viele Babies gesehen. Außerdem ist da ja noch die Sache mit den Mädchen, die er Tiuri unbedingt fragen wollte. Er weiß zwar nicht genau, wie er das am besten anstellen soll, wenn Heledd und Rialinn dabei sind, die das natürlich besser nicht hören sollen, aber wenn sie erst einmal in der Feenwasserbucht wären, würde sich schon eine Gelegenheit ergeben, in der er Tiuri allein erwischt. Dann fällt ihm noch etwas ein, das er fragen will - eigentlich eine ganze Menge sogar, aber das wird warten müssen. Der Frühling war nach dem ewig langen Winter und dem vielen Schnee mit so viel Wärme und Sonne ins talyrische Land gezogen, dass schon alles grün ist und sogar die Buchen schon voll ausgeschlagen haben. Die Zwetschgen und die Kirschbäume blühen miteinander, überall summt und kreucht und krabbelt es, die Vögel sind ganz trunken vor lauter Wärme und haben bestimmt schon alle Küken in den Nestern und an manchen Tagen ist es so warm wie im Sommer. Heute ist einer davon und die Sonne rinnt ihm wie warme Butter über die Haut. Er kann es kaum noch erwarten, ans Seeufer hinunterzukommen, wo der Wind wehen würde und die Luft so stark nach Frühjahr riecht, dass man ganz schummrig im Kopf wird. "Gehst du mit?"
"Bræn! Musst du wirklich in jede Schlammpfütze treten?"
"Ach Mama, die sind immer ganz genau vor meinen Füßen!"

Tiuri

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Occupation: Stadtgardist

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471

Tuesday, April 24th 2018, 8:46pm

>Heledd, Rialinn und ich, wir wollen zu Kalam und Kara in die Feenwasserbucht hoch, nachschauen, ob die Fohlen schon da sind. Kommst du mit? Ich hab Da Bescheid gesagt. Er will irgendwas mit den Kleinen machen. Rimeon ist in der Schmiede, Jojeen hängt über seinen Büchern, und Mama und das Baby schlafen. Bitte komm mit, Tiuri, bitte!<
Bræn erklärt im Eiltempo was sie denn so geplant haben und versucht dann sein niedlichstes Gesicht aufzusetzen, das Tiuri innerlich ein wenig schmunzeln lässt. Er kann seinen kleinen Ziehbrüdern doch sowieso kaum etwas abschlagen, egal ob sie jetzt zwölf oder zwei Jahresläufe alt sind. Es ist aber ganz gut, wenn sie sich dessen nicht ganz so bewusst sind und deswegen tut Tiuri erst mal so als würde er noch über Bræns Vorschlag nachdenken. Insgeheim hat er sofort entschieden mitzugehen, schließlich hat er auch Kalam und Kara schon einige Tage nicht gesehen und vielleicht kann er mit dem ehemaligen Siethechjünger auch noch ein nachmittags Bier trinken, das Baby schaukeln oder noch etwas am Haus helfen falls noch Arbeiten anfallen. Außerdem war er so lange fort, dass er die Zeit die er nicht mit seinen Brüdern verbracht hat sowieso kaum aufholen kann, gerade jetzt wo sie langsam groß werden und immer mehr Zeit außer Haus verbringen.
>Gehst du mit?< Tiuri rauft sich noch einmal zur Schau die Haare und nickt dann. „Gut, ich komm mit. Hab gerade sowieso nichts anderes zu tun.“

Azra

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472

Thursday, October 11th 2018, 7:15am

Just girly things

11. Blätterfall 518 FZ - Privatgemächer der Harfe

Wife: We need milk, eggs and bread. Write it down.
Man: No need. I'll remember.
(an hour later)
Wife: What did you buy?
Man: A panda.


"Es tut mir leid?", murmelts und gibt sich redliche Mühe ganz und gar schuldbewusst zu klingen, aber Azra durchschaut die mitfühlend klimpernden (und nicht vorhandenen) Wimpern und die in zerknirschte Fältchen (und unter dem Schnauzer nicht sichtbaren) Mundwinkel sofort. Ganz davon abgesehen poltert Borgils Herz in seiner Brust vor Stolz so laut vor sich hin, dass sie es sogar durch Azayras ohrenbetäubendes Gebrüll hören kann. Die hat Borgil nämlich gerade noch rechtzeitig am frischgewickelten Hinterteil erwischt, bevor sie sich an dem mit Leinöl eingeschmierten Wetzstein oder dem dreckigen Lederlappen vergreifen konnte. Jetzt hängt sie kreischend über seiner breiten Schulter und strampelt sich die nackten Beinchen an seiner Schmiedeschürze wund, das Gesichtchen vor Ärger und Empörung so rot wie der vorwitzige Puschelirokese auf ihrem Köpfchen. Ein Mädchen. Ich wollte ein Mädchen. War das denn schon zu viel verlangt?, wendet sich Azra in einem stummen Zwiegespräch an Carsai und wünscht der Göttin heimlich und leise ein paar Knoten in die Haare und abgebrochene Zinken an die Bürste. Natürlich hat sie ein Mädchen. Heledd ist alles, was man sich als Mutter von einer Tochter wünschen kann und Missandei ist auch nie weit weg, wenn es darum geht neue Flechtfrisuren auszuprobieren, die neuesten Stoffe des alten Dornenbeutels zu bewundern, sich über eine gepflegte Runde imaginären Tee hinweg im weiblichen Kreise über die wichtigsten Fragen im Hause Blutaxt zu unterhalten oder für die Armee von Puppen, welche Heledds Schlafzimmer inzwischen bevölkert, eine saisonal angepasste Garderobe aus feinsten Strümpfen, zarten Kleidchen und gehäkelten Häubchen zu kreieren.

Das einzige Spielzeug, an dem Klein-Borgil Nummer Sieben interessiert ist, ist die winzige, mit bunten Lederbändern und fröhlich klackernden Perlen verzierte Holzaxt, die Tiuri ihr geschnitzt hat, kaum hatte sich ihnen ihre Vorliebe für alles Scharfe, Spitze und Gefährliche offenbart. Die von Azra in liebevoller Handarbeit gebastelten Strumpfpuppen mit Augen aus bemalten Holzknöpfen, Haaren aus gefärbter und in stundenlanger Kleinstarbeit zu kunstvollen Türmchen geflochtenen und gezwirbelten Schafswollflechten und einer ganz und gar hinreißenden Vielfalt an Schürzchen, Röckchen und Kittelchen werden von ihrem Töchterlein entweder vollständig ignoriert oder (bevorzugt) zernagt, geköpft oder ausgeweidet und das mit einer Leichtigkeit, die mehr als alles andere beweist, dass Azayra eine Tochter ihres Vaters ist und ihren Brüdern kräftemäßig in nichts nachsteht… vielleicht sogar überlegen ist.

"Jetzt gib ihr schon die Axt", verabschiedet sich Azra mit einem geräuschvollen Schnauben von ihrem langjährigen Tochterwunsch und schlagartig kehrt Stille ein, als Borgil seinem Töchterlein die kleine Spielzeugaxt in die dicken, runden Händchen drückt. "Wir versuchen es einfach noch einmal, hm Schatz?", schlägt Borgil gönnerisch vor, nur um samt Azayra und Axt einen Schritt zurückzuweichen, als Azra auf der Stelle herumschwenkt und ihm mit einem spitzenbesetzten Leibchen aus feinstem laiginischen Linnen energisch unter der Nase herumwedelt: "Oh nein! Das werden wir nicht."
"Aber Schneemädel…"
"Spar dir dein Geschneemädele mein Schatz und sieh es ein: Du bist ganz und gar unfähig etwas zu zeugen, was nicht stark wie ein Ochse und waffenverliebt ist. In diesem Haus gibt es ab sofort nur noch Söhne." Die Frage, ob sie noch mehr Kinder haben werden, stellt sich Azra gar nicht. Sie nutzt keine Kräuter zur Verhütung und hat bislang noch jeden Kiesel im wahrsten Sinne des Wortes kinderleicht auf die Welt gebracht. Es dürfen sich also ruhig noch eine Handvoll oder mehr dazugesellen. "Söhne", hmpfts und vergräbt das gerümpfte Näschen wieder in der frischen Wäsche: "Es gibt nur noch Söhne."
Avatar (c) by Niniane

An Irish taxi driver: "We Irish don't tell lies. We just try hard not to tell the truth."


nyanyanyanyanyanyanyanya.... BAT-CAT! :yell:

You walk me animally on the cookie! - Du gehst mir tierisch auf den Keks! ;D

Borgil

Stadtbewohner

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Occupation: Wirt der Goldenen Harfe

Location: Talyra

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473

Thursday, November 8th 2018, 3:33pm

Girlpower

11. Blätterfall 518 FZ - Privatgemächer der Harfe

My most brilliant achievement was my ability to be able to persuade my wife to marry me. (Winston Churchill)

I hope it's a girl
Why?
Girls take care of their papas when their papas grow old. Boys just go off to fight in someone else's wars. (A Game of Thrones)


Borgil blickt ins herzzerreißend liebliche Gesichtchen seiner Tochter, deren große blaue Augen noch in Krokodilstränchen schwimmen und die hingebungsvoll auf ihrer Axt herumkaut – sie bekommt die ersten Zähne – und tätschelt ihren seidenweichen Rücken, immer ein wenig besorgt, er könne mit seinen eisenharten, schwieligen Händen Spuren auf der zarten Haut hinterlassen. "Nur-noch-Söhne," äfft er lautlos Azairas Mutter nach, die wieder mit der frisch gewaschenen Wäsche zugange ist. Allmählich fragt sich Borgil erheitert, was sein Schneemädel... pardon, Eheweib... nur für eine Obsession mit Wäsche hat. Bei all den hausfraulichen Tätigkeiten – er ist ja kein Narr und kein Ignorant, Hausfrauen, zumal die Mütter von Sieben und noch ein paar mehr, können mitunter haarsträubend arbeitsreiche Tage haben und sind wahre Organisationstalente, er fragt sich immer wieder wie Azra das nur (und trotz des Gesindes) alles immer wieder unter einen Hut bringt – über die sie während solcher und ähnlicher Konversationen in ihrer Ehe stolpern, immer und unfehlbar finden sie zwischen Wäschebergen statt, es ist wie ein Naturgesetz. Nie reden sie beim Staubwischen, Klöppeln, Aufräumen, Putzen oder während er ausschenkt, die Bücher führt, schmiedet, die Jungs trainiert, auf dem Hof oder in den Ställen arbeitet oder irgendwelche Abenteurertruppen sich bei ihm mit diesen oder jenen Seltenheiten eindenken. Nein, es sind immer Spitze, Linnen, Musselin, pelzverbrämte Wolle... oder in diesem Fall, Azras herrlich verruchte Leibchen, so dünn, dass sie kaum aus mehr als einem Hauch von Nichts bestehen. Allein der Gedanke an das zarte Stück Stoff, mit dem sie gerade vor seiner Nase herumgefuchtelt hat, an ihrem Körper sorgt dafür, dass er auf der Stelle bereit wäre, ihr den nächsten Sohn zu zeugen, den sie sich offenbar so sehr wünscht. Allein Azaira auf seinem Arm hält ihn davon ab, mit glitzernden schwarzen Augen zur Tat zu schreiten – oder seinem Schneemädel wenigstens ein entsprechendes Angebot zu machen. Stattdessen tätschelt er weiter den kleinen Windelhintern, der gerade mehr oder weniger erfolgreich versucht, die Holzaxt aufzuessen und dabei über seine Schulter zu krabbeln. "Tzzz, du bist ein Prachtmädel, glaub deiner Mutter einfach kein Wort," flüstert er, immer noch entzückt bis über beide Ohren und auf den Grund seines alten, schwarzen Zwergenherzens über eine solche Tochter. "Sieh mal, Schneemädel... es hat doch auch seine Vorteile," versucht er es noch einmal, diesmal in aller Logik. "Ich meine, wenn sie groß wird werden wir uns nie Sorgen darum machen müssen, dass irgendjemand unserem kleinen Mädchen nachstellen könnte, weil sie jedem, der ihr frech kommt, einfach die Nase brechen oder den Schädel einschlagen kann und..."
"Nur noch Söhne!" Tönt es energisch aus einem Stapel blütenweißer Tischdecken, hinter denen seine Frau fast völlig verschwindet.
"Aber..."
"Nichts aber! Nur noch..." schnauft's und wuchtet den Stapel in einen leeren Weidenkorb.
"Nur-noch-Söhne," grummelt Borgil noch einmal, so leise, dass ihn nur Azaira hört. Er mag Mädchen. Er hat sich so auf eine Tochter gefreut, nicht, dass er nicht schon welche und Enkelinnen dazu hätte – Karamaneh, Heledd, sein Fröschelein, Reisig, Amarya – aber Azaira ist sein erstes eigenes Mädchen, sein Schneemädel und er hatten sie im wahrsten Sinne des Wortes im Schweiße ihres Angesichts und in aller himmlischen Herrlichkeit, die das Kinderzeugen so mit sich bringt, gemacht. Dann geht ihm plötzlich ein Gedanke durch den Kopf, der ihn schlagartig ernst werden lässt. "Azra, mein Herz," beginnt er in völlig verändertem Tonfall und sie hört es und lässt die Wäsche Wäsche sein. "Was... wenn unserer Söhne... wenn sie alle... oder noch mehr von ihnen... Ritter werden? So wie Brenainn?"
"Oh!" Macht sie kläglich und ihre Augen weiten sich, weil sie daran noch genauso wenig gedacht hat, wie er. Dann sind wir aber sowas von an Sils gelecktem A...mboss. Er hat ein Baby auf dem Arm, er wird nicht an Worte denken, für die sein Schneemädel den Jungs ihre vorlauten Mundwerke mit Seife auswäscht. "Was machen wir denn dann bloß?" Und mit Schaudern und Stolz und einer Menge sehr verworrener und ganz und gar paradoxer Gefühle erinnert er sich an den Tag, als Brenainn im Grünglanz nach Hause gekommen war. Das ist jetzt beinahe einen halben Zwölfmond her, doch Borgil weiß es noch, als wäre es gestern gewesen...

Brenainn: Hast du Mama gefragt?
Borgil: Jungchen, ich bin über vierhundert Jahre alt, ich war Himmelswächter, Abenteurer, Söldner und Kriegsherr, ich führe dieses Gasthaus seit mehr als zweihundert Jahren und ich bin Veteran zahlloser Schlachten... natürlich habe ich deine Mutter gefragt!


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Shalhor

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Tuesday, November 27th 2018, 10:42pm

- an einem vertrackten Nachmittag im Nebelmond -

Wenn ihm heute morgen jemand beschieden hätte, er würde noch am selben Tag in der Goldene Harfe landen, Shalhor hätte diesen Witzbold ohne mit der Wimper zu zucken für verrückt erklärt und jede noch so hohe Wette dagegen gehalten. Und nun steht er hier vor der Harfe Tür und wird genau das tun ... weil ihm nichts anderes mehr übrig bleibt.

Die gute, alte Laz hatte lang hin und her überlegt und das Rätsel schlussendlich doch nicht lösen können, dafür alles versucht, ihm zu entlocken, welches Interesse ihn mit Madame Grappe, Herrin der Schwarzen Orchidee, an dieser Flammenblüte verband, ob er jetzt schon Geschäfte mit der Unterstadt mache, neuerdings an Bordellen im Allgemeinen interessiert sei oder gar in Schwierigkeiten stecke und letztlich nur erfahren sollen, dass er die Information nicht für sich benötigte, nicht aber für wen, geschweige denn aus welchem Grund. Außer ähnlicher Mutmaßungen wie er sie selbst angestellt und Madame Sigourny eröffnet hat, wollte ihr aber auch nichts einfallen und auf ihr Angebot, die Karten zu befragen oder den Kaffeesatz zu lesen, hat er dankend verzichtet. Natürlich musste er ihr schwören, ja an sie zu denken, wenn sich einer Flammenblüte habhaft zu werden auch für sie lohnen würde, schließlich sind sie doch so lange schon befreundet und es wäre furchtbar schade, wenn sich dies ändern sollte und wenn möglich solle er bitte auch herausfinden, wie sich so eine Flammenblüte beschaffen ließe, wenn es wie gesagt von Bedeutung wäre. Kurzum er hatte bei Madame Lasairiona mehr Geduld und Zeit benötigt, als er dafür eigentlich verwenden wollte und durfte wieder von einem Ende der Stadt, nämlich der Kapitänsmesse im Hafenviertel, ans Andere zur Steinfaust, dieses Mal jedoch vorzugsweise in einer Kutsche und nicht ohne einen Botenjungen mit der Nachricht nach Taresnar zu schicken, dass er noch nicht absehen könne, wann er heute nach Hause käme und sie mit nichts auf ihn warten sollen.

Auch der Besuch in der Steinfaust hat ihn unnötig viel Zeit gekostet, nicht etwa weil der Lord Commander so geschwätzig gewesen wäre wie die Mutter der Hetären und Dockschwalben, sondern weil er auf ihn warten musste, was er einem Mann seines Amtes mit all den damit verbunden Pflichten gewiss nicht vorwerfen kann und will - unnötige Zeitverschwendung war es also nur insofern, als dass ihm auch Olyvar nicht hatte weiterhelfen können. Im letzten Siebentag hatten seine Männer nichts sichergestellt, dass sich in irgendeiner Weise als Flammenblüte bezeichnen ließ, noch habe er dergleichen je gehört. Natürlich hatte auch Olyvar wissen wollen, ob es hierbei um etwas ginge, dass er besser erfahren sollte und Shalhor musste ihm versichern, ihm unverzüglich zu melden, sollte sich diese Angelegenheit als Gesetzlosigkeit entpuppen.

Inzwischen ist der Nachmittag soweit fortgeschritten, dass das Tageslicht bereits zu schwinden beginnt und all jene in absehbar kurzer Zeit das Tagewerk niederlegen würden, die im Dunklen nicht arbeiten konnten. Der Feierabend füllt bekanntlicher Weise die Schankstuben der Wirthäuser und Shalhor will wenigstens vermeiden mitten im Hochbetrieb vor Borgil treten zu müssen und hatte das arkane Netz benutzt, um schnell in ein stilles Seitengässchen hinter dem Gasthaus zu gelangen. Und nun zögert er doch. Der Grund liegt fast 15 Sonnenläufe zurück und ist doch noch so gegenwärtig wie seinerzeit. Er hat dem Schicksalfüger heute schon alle erdenklichen Krankheiten an den Hals gewünscht, so bleibt ihm nur noch ein Stoßgebet, dass Llaeron wenigstens ein Einsehen mit ihm habe, ihn nicht auf die so verhasste Kreatur treffen zu lassen und öffnet die Tür zum Schankraum keineswegs sorglos und unbefangen.

Shalhor entdeckt ihn sofort, dort hinter dem Tresen - Borgil, unverändert als hätten sie einander gestern erst gesehen. Und auch er sieht auf. Vorsorglich hebt Shalhor die offenen Handflächen zu bedeuten, dass er nicht beabsichtigt die Klinge zu ziehen, noch sonst irgendwelchen Ärger zu machen, senkt ein wenig das Haupt zum stummen Gruß und wagt sich schließlich langsamen Schrittes tiefer in die Höhle des Löwen, genau auf eben jenen zu.
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Thursday, November 29th 2018, 10:52am

What is it? What happened? Who died?

- an einem vertrackten Nachmittag im Nebelmond -

"Ich hab ein Problem."
"So ein 'wir trinken ein Bier und reden drüber' Problem, oder soll ich gleich die Axt und 'ne Schaufel mitbringen?"


Es ist kalt geworden, ziemlich schlagartig sogar, denn der lange, heiße, knochentrockene Sommer, den sie gehabt hatten, war mehr oder weniger nahtlos in einen frühen Winterbeginn übergegangen, doch Borgil ist das nur Recht. Er hat Kälte schon immer lieber gemocht, als Hitze (auch wenn ihm die wenig ausmacht, so als Eisenzwerg). Außerdem hält die Harfe heißen, gewürzten Wein und allerlei andere angenehme Getränke, die innerlich schön wärmen, bereit, dazu dank Kalam frisches Büffelfleisch und Wild (zu Sigruns und Azras nicht enden wollender Freude) und die Kälte treibt die Leute nach drinnen, sie ist also nur gut fürs Geschäft. Die Harfe brummt, sie brummt immer, aber es ist gerade eben so viel los, dass es noch gut für die normale Schicht an Schankmaiden und Küchenjungen zu bewerkstelligen ist, denn alle Tische sind besetzt, aber es ist (noch) nicht überfüllt und der Schwung an Gästen, der gerade ein spätes Mittagsmahl oder frühes Abendessen zu sich nimmt, dürfte sich bald wieder verlaufen, bevor die trinkfestere Feierabendkundschaft hereinschneit. Allerdings sind schon einige Gäste von auswärts eingetrudelt, welche den großen Mittwintermarkt auf dem Marktplatz oder die festlich geschmückten Tausendwinkelgassen mit ihren zahllosen Wundern besuchen wollen, die bald eröffnen würden, und mehr als zwei Dutzend Kaufleute aus allen Himmelsrichtungen der Immerlande haben sich bereits für den Winter einquartiert, um die kalten Monde in den Annehmlichkeiten seines Hauses auszusitzen. So weit war es ein hervorragendes Jahr für ihn und die Seinen. Der Blutaxtclan wächst und gedeiht, hier in der Harfe und in der Feenwasserbucht und seinen beiden Jungs in der Steinfaust, pardon, den 'Herren Rittern', geht es auch gut. Talyra hat den Dürresommer bisher recht gut verkraftet, um Olyvar muss sich niemand mehr Sorgen machen, so wie es aussieht - und Sil-an-seiner-Esse-gnädig kann das Mädel kochen! - und die Geschäfte laufen bestens. Glänzend um genau zu sein. Die Harfe hat sich außerdem bereits ihr festliches Julgewand angezogen, denn dank Azras kundiger Hand winden sich Girlanden aus glänzend dunklem Tannengrün, Stechpalm- und Thujenzweigen um jedes Fenster und jeden Türsturz, dicke Kränze aus Tannenzapfen oder Nüssen schmücken die Wände, alle Kerzen sind rot und stehen in einem Bett aus Moos und Zweigen, geflochtene Julböcke stehen in allen, bekränzt mit Kronen aus roten Beeren und es duftet frisch und würzig nach Wintergrün, Mandeln, Nüssen, kostbaren Orangen von den fernen Sommerinseln und Gewürznelken.

Kurz und gut, das Leben ist schön – Borgil hat allerdings noch keine Ahnung, was sich da gerade im horizontalen Steinfrucht und exotisch-floralen Milieu der Stadt anbahnt, und selbst wenn er es hätte, würde er sich und seinem Schneemädel vermutlich grinsend zwei Liegestühle und gerösteten Mais besorgen... oder vielleicht heiße Maroni, die passen besser zur Jahreszeit. Sein Frieden soll allerdings nicht länger währen und dessen Ende naht in Form einer Gestalt, die Borgil von allen lebenden Seelen der Stadt und des Umlandes (nicht gleich ganz Rohas, soweit würde er dann doch nicht gehen) am Wenigsten unter seinem Dach und in seinem Haus erwartet hätte. Die Tür geht auf und niemand anderes als Shalhor tritt hindurch. "Cobrin, Troilus und Cassandra!" Flucht Borgil leise in seinen Bart und zieht eine Augenbraue hoch, im gleichen Moment, in dem der Windelb beide Hände hebt, die leeren Handflächen nach außen, ein universelles Angebot des Friedens. Sein Nicken ist kaum angedeutet, aber immerhin, es ist eines. Borgil dankt im Stillen der Vorsehung, dass sein Schneemädel den heutigen Nachmittag mit Heledd und der Kleinen und irgendwelchen Weiber-Einkäufen verbringt und nicht zu Hause ist. Das hätte Ärger bedeutet und je nachdem wie hässlich dieser Ärger ausgefallen wäre... nun ja, wie enttäuscht Borgil auch von seinem einstigen Freund sein mag, er hätte doch nur ungern Shalhors Gedärme in der Harfe verteilt. Nur einen Herzschlag später schnappen Borgils dichte Brauen allerdings beinahe über seiner durchbohrten Nasenwurzel, in der heute ein fingerlanges Stück polierten Elfenbeins prangt, zusammen. Shalhor ist hier, trotz seines Versprechens, nie wieder einen Fuß in die Harfe zu setzen, so lange er mit Azra vermählt wäre – also für immer. Dabei kennt der Windelb seine Frau überhaupt nicht und hat keine Ahnung, was für ein liebenswertes, außergewöhnliches, warmherziges Wesen sie ist, aber das spielt auch keine Rolle, nicht für Shalhor, der so stur sein kann, wie Borgil selbst. Sie ist ein Shebaruc-Mischling (als ob sie sich das ausgesucht hätte!), und damit der Feind. Dass er also dennoch hier ist, kann somit nur eines bedeuten. "Was ist es? Was ist passiert? Wer ist gestorben?"

Brenainn: Hast du Mama gefragt?
Borgil: Jungchen, ich bin über vierhundert Jahre alt, ich war Himmelswächter, Abenteurer, Söldner und Kriegsherr, ich führe dieses Gasthaus seit mehr als zweihundert Jahren und ich bin Veteran zahlloser Schlachten... natürlich habe ich deine Mutter gefragt!


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Thursday, November 29th 2018, 10:04pm

- an einem vertrackten Nachmittag im Nebelmond -

Das Gute ist, er muss sich mit keinem Hechtsprung zur Begrüßung herbeieilender Zwergenäxte erwehren, noch kommt der Herr des Hauses auf ihn zugestürmt, um ihm postwendend vor die Tür zu schleifen, weil er sich gefälligst an die Kontaktsperre zu halten habe, die er sich seinerzeit schließlich höchstpersönlich ausbedungen hatte. Und wenn ihn seine Sinne nicht täuschen (und das tun sie höchst selten), lauert diese verfluchte Shebaruc-Schlange nicht hier irgendwo im Schankraum auf die viel zu günstige Gelegenheit, auch seine Seele zu umzüngeln. Dafür ist die Harfe weit besser besucht, als er gehofft hatte - ob zu seinem Vorteil, weil es Borgil von "Dummheiten" abhalten könnte, die ihm diese tückische Ausgeburt vermutlich schon längst eingesäuselt hatte, oder zu seinem Nachteil weil es einen Zwergen einen Scheiß kümmert, ob seine Gäste Elbengeschnetzeltes bestellt hatten, um nicht doch jedem eine schlachtfrische Kostprobe davon zu servieren, wird sich wohl oder übel gleich zeigen. Es fühlt sich so verdammt befremdlich an, hier alles so vertraut wie früher vorzufinden, so unverändert und gemütlich, so einladend und im festlichen Julgewand, als hätte er eben nicht nur die Tür zur Harfe sondern in die guten, alten Tage dieser Stadt geöffnet - in eine Zeit, in der seine Tochter noch unter ihnen wandelte, unter den Gästen zu finden wäre, als hätten sie sich hier verabredet und lange bevor sie durch das Ablenkungsmanöver der Shebaruc (und nichts anderes war die Nargenhorde in seinen Augen) zu Tode kam. Dabei könnte er gar nicht sagen, was er erwarte hatte, irgendeinen vagen Hauch Dror Elymhs vielleicht statt dieser Behaglichkeit, eine kalte Ahnung ihres wahren Wirkens, nicht diese Scheinheiligkeit, mit der sie alle narrte, alle außer ihn, Er weiß um ihre wahre Natur, er war da, von wo sie kommt, hat alle Grausamkeit dieser abscheulichen Brut geatmet und geschmeckt und wird sie nie vergessen. Auch jetzt nicht!

Doch nicht Borgil ist sein Feind, ein liebesblinder Narr, der alle Warnungen leichthin in den Wind schlug ... oh ja ... aber hassen kann er ihn nicht, nur beten und hoffen, denn sie waren einmal Freunde, gute Freunde. Und nun steht dieses alte Rauhbein vor ihm und zieht ein Gesicht, als ... Wundert dich das?
<"Was ist es? Was ist passiert? Wer ist gestorben?">
Borgil hat gut eingeheizt, dass Shalhor die obersten Verschlüsse seines Mantels öffnen muss, soweit es der Waffengurt eben zulässt, um nicht an Ort und Stelle zu verglühen und hätte nichts gegen einen Eiswein. Aber deswegen ist er nicht hier.
"Noch hat niemand das Zeitliche gesegnet und es wäre mir nur Recht, es bliebe dabei. Hier kommst Du ins Spiel." Unauffällig späht seine Lordschaft nach links und rechts ob allzu neugieriger Ohren, aber niemand sonst schert sich um ihn, also beugt er sich ein Stück weit über den Tresen zum Harfenwirt und senkt die Stimme.
"Da ist eine junge Frau ... in der Unterstadt aufgewachsen und dieser entronnen ... so sah es wenigstens aus. Nun aber ist sie ins Visier der alten Bekannten geraten und sieht sich eines Rückgabeverlangens samt Ultimatum und Bedrohungen ausgesetzt, die an dem Ernst ihrer Lage keinen Zweifel lassen. Die Krux an der Sache ist, sie hat nicht den blassesten Schimmer, was sie haben wollen. Ich für meinen Teil war in dieser Sache nur zur falschen Zeit am falschen Ort, kann sie aber keinen Fuß mehr vor die Tür setzen lassen, da ihren Leuten schon von zwielichtigen Gestalten aufgelauert wurde und wer, wenn nicht Du, könnte wissen, was in aller Häuser Namen diese vermaledeite Flammenblüte ist, die eine gewisse Madam Grappe so begehrt. Deshalb verschlägt es mich hierher."
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Saturday, December 1st 2018, 4:28pm

Wait... what?!

I don't know where all this crap about me being a dangerous person is coming from, I'm a constant fucking delight.

- an einem vertrackten Nachmittag im Nebelmond -


Borgil registriert mit einiger Erheiterung, wie misstrauisch Shalhor sich umblickt, während er zielstrebig auf ihn zukommt, als erwarte der Raskeda'ya halb, anstelle des ganz und gar traditionellen Julschmucks in irgendeiner Ecke der Schankstube einen Sauuraschrein, schwarze Kerzen und das obligatorische Blutopfer vorzufinden. Stattdessen gibt es nur Wintergrün, Pinienzapfen, Sterne aus Birkenrinde und Girlanden aus Nüssen, Tannenzapfen und Zimtstangen – neben all den anderen, anwesenden Gästen, von denen aber auch keiner einen Dämonenhuf oder einen geschuppten Schwanz trägt, noch nicht einmal ein kleines Horn irgendwo. Muss glatt eine Enttäuschung für ihn sein. So ein Pech aber auch.
>Noch hat niemand das Zeitliche gesegnet und es wäre mir nur Recht, es bliebe dabei. Hier kommst Du ins Spiel.<
"Ach ja?"

Dann erfährt er, warum der Elb hier ist und diesmal schnappen Borgils dichte, dunkelrote Brauen wirklich über seiner Nasenwurzel zusammen. Er hätte Stein und Bein geschworen, dass das einzige, das den elitären Zinken von Shalhor aus dem Haus Danjafaên jemals wieder in die Goldene Harfe bringen würde, mindestens so etwas wie ein Erzdämon in seinem Vorgarten, der Tod der alten Laz, das spurlose Verschwinden seiner Ziehtochter oder der Untergang aller seiner Schiffe oder der halben Welt oder sonst irgendetwas wirklich Übles wäre. Ein schlimmer Grund, welcher Art auch immer. Einer von der Sorte, die dazu geneigt ist, einen himmelschreiend bescheuerte - und obendrein absolut unnötige – Fehden vergessen und über den eigenen Schatten springen zu lassen. Doch was Borgil nun zu hören bekommt, klingt im Vergleich zu all den Szenarien, die er sich hätte ausmalen können irgendwie... ziemlich... ja, also... um genau zu sein... doch. Genau so: banal.

"Nur damit ich das richtig verstehe," summiert er. "Du tauchst hier nach all der Zeit auf, weil Sig – schau mich nicht so an, die kleine Al Mere vom Pfirsich ist die einzige, die in der Unterstadt aufgewachsen und dem Scheißloch je entkommen ist, das war wirklich nicht schwer zu erraten – mit Grappe von der Orchidee aneinandergeraten ist und weil du glaubst, ich wüsste etwas von einer Flammenblüte?" Borgils schwarze Augen glitzern unverhohlen ungläubig, dann schüttelt er den Kopf. "Du bist hier wegen Hurengerangel? Oder vielmehr Hurenmüttergerangel? Sag mir einen Grund, warum ich dir helfen sollte."

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Sunday, December 2nd 2018, 2:59pm

- an einem vertrackten Nachmittag im Nebelmond -

Schau mich nicht so an? Es ist ja wohl sein gutes Recht, SO zu schauen, wenn seine Bemühungen, die Anonymität einer in Gefahr schwebenden Frau zu wahren, derart schei... torpediert werden! Und doch befleißigt sich Shalhor auffällig schnell einer unbewegten Mimik, schon allein um sich nicht anmerken zu lassen, wie sehr es ihn fuchst, dass seine Vorsicht nicht mal eine klitzekleine Herausforderung für diesen neunmalklugen Zwergen ist. Und so wie Borgil frei von der Leber weiter spricht, richtet sich Shalhor zu voller, überragender Größe auf. Sich auf den Tresen zu lehnen und sich extra zu ihm vorzubeugen, um diese Angelegenheit einigermaßen vertraulich zu besprechen, macht keinen Sinn, wenn der Zwerg alles, was er soeben erfahren hat, gänzlich unbekümmert herauskräht wie ein Hahn auf dem Mist - nur eben nicht auf dem Mist sondern im vollbesetzten Schankraum.
Außerdem missfällt seiner Lordschaft, wie abfällig der einste Freund über Madam Sigourny spricht. Er sollte sich zurückhalten, aber Shalhor ist nun beileibe kein Mann, der die Dinge nicht ausspricht, so sie gesagt werden müssen.

"Nein, ich bin hier, weil einer Frau das gesetzlose Pack der Unterstadt zu Leibe rückt und früher wäre das auch für Dich ein triftiger Grund gewesen ... vor allem wenn es Dich so wenig Mühe kostet. Heute geilst Du Dich lieber daran auf, wie sie Damarsian dient. Schon vergessen, dass Du die Gelüste Deiner Gäste auch nicht an Warachdans Schrein befriedigst? Und wir fangen besser gar nicht erst an, darüber zu reden, mit wem Du Dich ins Bett legst!" Angespannt beginnen Shalhors Kiefer zu mahlen und zeugen davon, dass er dazu nicht weniger deutliche Worte zu sagen hätte. Aber deswegen einen Streit vom Zaun zu brechen, würde den eigentlichen Zweck seines Besuchs ziemlich sicher zunichte machen, also schluckt er sie herunter.
"Sieh mich eben nicht als Bittsteller sondern als Kunde und nenn mir einfach den Preis, den Du für diese Auskunft willst." Daran soll es gewiss nicht scheitern. Die Umsätze aus den Ordern von Meister Dornenbeutel, der Stadthalle und des Pfirsichs trägt er unter seinem Mantel wohlverwahrt bei sich und Gold und Silber bedeuten einem Elben nichts im Vergleich zur zwergischen Begeisterung an jedweder Art von Metallen.
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Borgil

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Sunday, December 2nd 2018, 4:19pm

Thin Ice

- an einem vertrackten Nachmittag im Nebelmond -

"I'm bitter and complicated. It's one of my charms."
"I don't think you know what that word means. Or how to count." (TFR)


So wenig Shalhor ein Mann sein mag, der Dinge ungesagt lässt, die seiner Meinung nach ausgesprochen gehören, so wenig ist Borgil einer – im Gegenteil, der Zwerg hat in seinem ganzen Leben noch kein Blatt vor den Mund genommen. Es ist deutlich zu sehen, dass es dem Rhaskeda'ya nicht passt, dass Borgil nicht vertraulich und mit Verschwörermiene mit ihm flüstert, doch wozu? Der Schankraum ist voll besetzt, es herrscht die übliche Geräuschkulisse von Geschirrklappern, Krügeklingeln, Stimmengewirr, Besteckrasseln, Stühlerücken und Gelächter, doch am Tresen ist außer ihm und Shalhor niemand – er hätte also schon schreien müssen, um irgendjemanden außer dem Windelben an ihrer Unterhaltung teilhaben zu lassen und das tut er nicht.

>Nein, ich bin hier, weil einer Frau das gesetzlose Pack der Unterstadt zu Leibe rückt und früher wäre das auch für Dich ein triftiger Grund gewesen ... vor allem wenn es Dich so wenig Mühe kostet. Heute geilst Du Dich lieber daran auf, wie sie Damarias dient. Schon vergessen, dass Du die Gelüste Deiner Gäste auch nicht an Warachdans Schrein befriedigst? Und wir fangen besser gar nicht erst an, darüber zu reden, mit wem Du Dich ins Bett legst!<

"Mit meiner Ehefrau," kontert Borgil vollkommen unbeeindruckt, während der Elb ihn aus illustrer Höhe herab anfunkelt. Vielleicht ist die Luft da oben ja so dünn, dass es ihm das Hirn vernebelt hat, erst hier hereinzuspazieren, als wären die letzten fünfzehn Jahre nicht gewesen und dann auch noch beleidigend zu werden. "Ich geile mich an gar nichts auf. Und ich beleidige die kleine Al Mere ganz sicher nicht, in dem ich das Kind schlicht beim Namen nenne. Sie ist eine Hurenmutter – sie wär' die erste, die dir das selbst bestätigt, würdest du sie fragen. Ich kannte einige Hurenmütter und Huren in meiner Zeit, allesamt feine Frauen. Mir wäre neu, dass es beleidigend ist, sie so zu nennen. Meine eigene Frau lässt du allerdings aus dem Spiel. Dünnes Eis, Shalhor. Ganz dünnes Eis. Ich sage dir das nur einmal im Guten."

Shalhor scheint nicht darauf aus, die Sache noch weiter eskalieren zu lassen, und Borgil fragt sich allmählich doch, ob Sigourney Al Mere dem Windelben nicht vielleicht ein klein wenig den Kopf verdreht hat. Wäre nicht das erste Mal, dass es irgendeinem Kerl mit der Herrin der Pfirsiche so ergeht und schließlich – auch wenn der Elb einen Stock von der Größe eines Besenstiels im Arsch haben und sturer als ein Gododdinesel sein mag – unter all dem gönnerhaften Wüstenscheichgetue ist auch er nur ein Mann. Soweit Borgil bekannt, sind die beiden nur gelegentliche Geschäftspartner was exotischere Waren angeht. Der Rhaskeda'ya mag von sich selbst als Ehrenmann reden, der einer Frau in Nöten beisteht, aber Borgil traut sich doch wetten, dass Shalhor für seine schmerbäuchigen, bärtigen und längst nicht so hübschen anderen guten Kunden keine solche Schwierigkeiten auf sich nehmen würde. Schon gar nicht in die Höhle des Löwen, pardon, Shebaruc zu spazieren und mit dem Feind zu kollaborieren. Oder mit seinem Ehemann.

>Sieh mich eben nicht als Bittsteller sondern als Kunde und nenn mir einfach den Preis, den Du für diese Auskunft willst.<

"Ich nehme für derlei Auskünfte kein Geld von Freunden... da du aber ganz offensichtlich keiner mehr bist, hier ist mein Preis." Er kann sehen, wie der Elb sich stählt für das, was kommen mag und natürlich kommt genau das. "Du wirst meine Frau kennenlernen und dann, wenn du das getan und erkannt hast, was sie wirklich ist, wirst du dich lange und ausführlich dafür entschuldigen, dass du dich Jahre lang wie der blödeste Arsch überhaupt aufgeführt hast."

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Shalhor

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Sunday, December 2nd 2018, 10:51pm

- an einem vertrackten Nachmittag im Nebelmond -

Shalhor lässt sich nicht länger in die Irre führen, als der Eisenzwerg erklärt, für derlei Auskünfte kein Geld von einem Freund zu nehmen und schiebt die Rechte trotzdem unter seinen Mantel, um nach seinem Geldbeutel zu langen. Denn es war schon ziemlich offensichtlich, dass Borgil ihn inzwischen nicht mehr zu seinen Freunden zählt, als er ihn aufforderte, einen Grund zu nennen, warum er ihm überhaupt helfen solle. Dabei ignoriert dieser Dickschädel immer noch eisern, dass er nicht ihm, sondern Madam Sigourny helfen könnte, so er denn endlich gewillt wäre, sich dazu herab zu lassen. Bislang war Borgil nämlich wichtiger, seiner Lordschaft erklären zu wollen, dass er sie nicht beleidigt, sondern das Kind lediglich beim Namen genannt habe, um sich stattdessen selbst lieber beleidigt zu fühlen. Shalhor bedurfte nicht sonderlich viel Vorstellungskraft sich auszumalen, wie es enden würde, hätte er sich der Shebaruc gegenüber gleiche Freiheit heraus genommen, das Kind beim Namen zu nennen. Er hätte gar keiner Phantasie bedurft, denn auch das wollte der Zwerg letztlich nicht unangedeutet lassen.

Doch nun, da Borgil endlich einen Preis nennt, verschlägt es Shalhor für einen gescheiten Moment die Sprache und seine Hand schließt sich eisern um den Geldbeutel in Ermangelung des verhassten Schlangenhalses. "Bist Du jetzt vollkommen übergeschnappt", ist das Erste, dass ihm in den Sinn kommen will und er beginnt sich langsam zu fragen, ob der Zwerg nicht nur groteske Spielchen mit ihm treibt. Ihm will ansonsten nichts einfallen, womit ihn Borgil so vollkommen in der Hand haben könnte, das einzig Undenkbare zu fordern. "Sag doch gleich, dass Du auch keinen blassen Schimmer hast, was das sein soll", lässt er den Geldbeutel fahren, weil er trotz allem lieber glauben mag, er ist irgendeiner Art schwarzen Zwergenhumors aufgesessen, als dass Borgil inzwischen so verdorben wäre, auf Kosten Madam Sigournys Schindluder mit ihm zu treiben. "Sei dennoch bedankt und gesegnete Jultage Dir", wandern seine Hände bereits an die Verschlüsse seines Mantels.
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