Sie sind nicht angemeldet.

Kaya

Stadtbewohner

Beiträge: 72

Beruf: angehende Schamanin

  • Nachricht senden

241

Sonntag, 2. Oktober 2016, 23:34

>>Kaya!<< Mit einem breiten Grinsen richtet Kaya sich kerzengerade auf und stemmt die Hände in die Seiten. „Genau die!“, erwidert sie mit einem amüsierten Funkeln in den Augen als Rialinn zugibt, dass sie sich erschreckt hat. Nicht, dass sie das müsste. Ihr Quieken und nun ihre gesamt Haltung samt kräftigem Durchschnaufen verraten sie ohnehin. Kaya gluckst ein klein wenig. Sie freut sich, das sonst so wenig schreckhafte Elbenmädchen tatsächlich erschreckt zu haben. Und als dieses gar nicht lange braucht, um ebenfalls mit zu grinsen, braucht sich Kaya auch keine Sorgen darüber machen, dass Rialinn ihr böse sein könnte. Stattdessen sammelt sie ihren Beutel auf und klopft den Straßenstaub davon ab. >>Wo kommst Du denn plötzlich her?<< Mit einen Fingerzeig deutet Kaya neben sich in die Gasse. „Na, von da.“ Dann aber grübelt sie kurz, schaut an Rialinn vorbei und stellt sich dabei kurz auf die Zehenspitzen. „Naja, eigentlich von dahinten irgendwo“, kreist ihr Finger in die Richtung, aus der Rialinn gekommen ist.
Als sie ihren Blick wieder auf das Elbenkind richtet, bemerkt Kaya, dass Rialinn sie etwas skeptisch mustert. >>Uki? Ist euch das nicht zu warm bei dem Wetter?<< Kurz blinzelt Kaya ertappt, rümpft dann aber das sommersprossige Näschen und winkt ab. „Ach was… Das geht schon.“ Wie um sie Lügen zu strafen, perlt ein Schweißtropfen ihre Schläfe hinab, den das Mädchen zwischen all den anderen aber gar nicht bemerkt. Als Rialinn aber in den Schatten des Hauses verschwindet, aus dem Kaya hervorgesprungen war, folgt diese ihr umgehend und streift sich dabei das Wolfsfell wieder vom Haupt, so dass es für einen kurzen Augenblick angenehm kühl um das längst nassgeschwitzte Nackenhaar wird. Leider vergeht dieser Augenblick nur viel zu schnell. „Ich hab‘s versucht…“, kickt Kaya mit schmollend verzogener Schnute einen Stein durch die Seitengasse. Sie beide wissen, dass Uki längst fort ist, doch es macht Kaya nichts aus, dass Rialinn redet als wäre sie noch da. Der Gedanke gefällt ihr einfach zu gut und vielleicht ist es auch dieser kleine Funke Hoffnung, die Wölfin würde irgendwann zu ihr zurückkehren. „Ich… fühle mich ohne sie…“ Kaya sucht nach den richtigen Worten. Unsicher, schwach, schutzlos wären sicher alles treffende Beschreibungen für das, was sie ohne den Wolfspelz außerhalb der geschützten Mauern empfindet. Zwar ist Rialinn eine der wenigen, wenn nicht sogar die Einzige, vor der Kaya eine Schwäche offen zugeben würde, aber… wer weiß schon, wer alles mithört. So entscheidet sie sich für ein simples und leises „nicht gut“.
Kayas Blick hat sich aber schon auf Rialinns Beutel geheftet. „Was hast du da?“, will sie wissen, nicht nur, um vom Thema abzulenken, sondern aus tatsächlicher Neugierde. Und sie scheut sich nicht zu fragen. Seit der Schneeballschlacht im Winter ist das Elbenmädchen Kaya ans Herz gewachsen. Soweit, dass sie Rialinn sogar inzwischen als Freundin sieht und bezeichnet. Dabei hatte Kaya noch nie eine Freundin, zumindest nicht soweit sie sich erinnern kann. Und Rialinn ist dazu eine ganz einfühlsame Freundin. Sie findet bisher stets das richtige Maß zwischen Neugierde und bedächtiger Zurückhaltung, dass Kaya nie das Gefühl hat ausgefragt zu werden. Sie zeigt Interesse an Kayas Geschichten und (wie nannte es dieser Schreiberling Doran) „Abenteuern“, stellt sie nicht infrage und nimmt Kaya so an wie sie ist. Kurzum: Kaya fühlt sich in Rialinns Nähe wohl. Schon hockt das Wolfsmädchen vor dem Beutel und stupst ihn mit dem Finger an. Beim Herunterfallen hat er nur ein leises „Buff“ verursacht, scheint leicht und ist weich dazu. „Stoffe?“, blickt Kaya mit gerunzelter Stirn zu Rialinn auf.

242

Sonntag, 9. Oktober 2016, 14:19

>Ach was… Das geht schon.< Es braucht nicht erst den neuen Schweißtropfen, der die Gesellschaft seiner Geschwister verlässt und Kaya die Schläfe hinab rinnt um Rialinn wissen zu lassen, dass das eher Wunsch als Wirklichkeit ist. "Hmmm, klar", schmunzelt sie, "sehe ich", lässt es aber ansonsten unkommentiert. Ihr persönlich wäre das bei dem Sommerwetter viel zu warm mit einem Fell auf dem Kopf und über dem Rücken. Die Art wie sie ihr in den Schatten der Hauswand folgt und umgehend den Wolfskopf von den Haaren nach hinten schiebt, verrät dem Elbenkind ohnehin, dass hier wohl eher der Wunsch der Vater des Gedankens ist.
>Ich hab‘s versucht…< Gesteht das Mädchen es dann auch selber ein, wenn auch so leise, dass nur Rialinn es hören kann. >Ich… fühle mich ohne sie…< Es kann Rialinn gar nicht entgehen, wie ihre Freundin stockt um das richtige Wort zu finden, das ihre Gefühle angemessen beschreibt. Und alleine das genügt, das sie auch ohne Worte versteht, was das Mädchen meint. Gerade als sie mit einem ebenso verstehenden wie mitfühlenden Lächeln nickt, kommt dann doch noch ein leises >nicht gut.<

Und dann wechselt Kaya auch schon das Thema und wendet sich voller Neugier Rialinns Beutel zu. Vollkommen unbefangen hockt sie sich hin und stupst den Beutel an, den Rialinn unterdessen abgeklopft hat und locker in der Hand hält. >Stoffe?<
"Ja und nein", grinst sie das Wolfsmädchen an, um dann erklärend nachzusetzen, "Das ist eins von meinen Kleidern… Ich bin dieses Jahr so gewachsen, dass es mir zu kurz geworden ist. Eigentlich sollte ich ein neues bekommen, aber das wäre… es wäre nicht dasselbe gewesen… Das Kleid hier war ein Geschenk von meinem Großvater." Kurz erinnert sie sich an das durchaus kontroverse Gespräch mit ihren Eltern, als es darum gegangen war, ob sie nun ein neues Kleid bekommen soll beziehungsweise muss oder ob sie das alte Kleid so ändern lassen, dass Rialinn es noch ein weiteres Jahr tragen kann. Letztlich hatten sie aber Rialinns Gründe anerkannt und ihrem Wunsch entsprochen. "Jetzt kriegt das Kleid eine Verlängerung…", grinst sie zufrieden.

"Ich will grade zum Schneider, eine letzte Anprobe ob wirklich alles passt. Dann kann ich es hoffentlich gleich wieder mitnehmen… Willst Du mitkommen?"
Avatar (c) Niniane

Am Grunde des Herzens eines jeden Winters liegt ein Frühlingsahnen, und hinter dem Schleier jeder Nacht verbirgt sich ein lächelnder Morgen.
(Khalil Gibran)

Kaya

Stadtbewohner

Beiträge: 72

Beruf: angehende Schamanin

  • Nachricht senden

243

Sonntag, 6. November 2016, 00:47

Kleider… Kaya runzelt erst skeptisch die Stirn und zieht dann die Nase abschätzig kraus. Ein Kleid hat das Wolfmädchen noch nie getragen. Wozu auch. Viel zu unpraktisch diese Art von Kleidung. Und dass Kleider-Trägerinnen einander ständig einander quietschend versichern müssen, wie bezaubernd sie darin aussehen… Kaya rollt die Augen bei dem Gedanken an Elisa und Jorindel, die genau dies an einem freien Abend getan haben, ehe sie Taresnar verlassen hatte, um auszugehen. Kaya findet, dass sie genauso aussahen wie vorher. Ihre Kleider haben sie weder hübscher noch hässlicher gemacht. Nur gelächelt haben sie viel breiter. Wenigstens hat Shu’re Shalhor seit damals darauf verzichtet, dieses vermaledeite Kleid wieder hervorzuholen. Inzwischen hat es sogar seinen Platz in der Truhe auf dem Dachboden wieder eingenommen.
Da springt sie auf und rückt ganz nah an Rialinn heran. Ihre grün-braunen Augen fixieren des Elbenkinds Scheitel und Kayas flache Hand wandert von ihrem eigenen Haupt zu Rialinns. Kurz stellt sie sich auf die Zehenspitzen, lässt dann aber die Fersen wieder sinken und verzieht die Lippen von einer Seite zur anderen. Das Elbenmädchen ist tatsächlich noch ein kleines Stückchen größer als Kaya geworden, obwohl die sich alle Mühe gibt, mit dem jungen Spitzohr mitzuhalten. So lässt sie Rialinns Anmerkung zumindest mit Worten unkommentiert. >>Jetzt kriegt das Kleid eine Verlängerung…<< Das Wolfsmädchen erwidert Rialinns Grinsen. Mit Verlängerungen hat auch Kaya so ihre Erfahrungen. Ihren letzten Wintermantel hat ihre Mutter schon zweimal verlängert. Seit sie allerdings bei dem Herrn von Taresnar lebt, wurde schon eine ganze Weile kein Kleidungsstück mehr verlängert. Stattdessen bekommt sie einfach ein größeres.
>>Ich will grade zum Schneider, eine letzte Anprobe ob wirklich alles passt. Dann kann ich es hoffentlich gleich wieder mitnehmen… Willst Du mitkommen?<< Kaya nickt ohne zu zögern. „Suu. Ich komm‘ mit.“ Schließlich hat sie gerade ohnehin nichts Besseres vor. Und mit Rialinn verbringt sie sowieso gerne Zeit. Also folgt sie dem Elbenkind auf dem Fuße und geht neben ihm her durch die Straßen der Stadt. Uki zieht sie dabei nicht wieder über den Kopf, stattdessen verschränkt sie die Hände im Nacken und schüttelt dort ab und an ihre Locken, um sich wenigstens ein klein wenig abzukühlen. Shu’re Shalhor habe momentan viel zu tun und sei die letzten Tage oft länger aus dem Haus gewesen, dass sie ihn an manchem Tage nur morgens kurz zu Gesicht bekommen hat. Auch wenn Kaya versucht möglichst gleichgültig zu klingen, so ist sie es nicht. Tatsächlich bleibt sie oft so lange auf, bis sie ihn nach Hause kommen hört, nur um dann eiligst ins Bett zu hüpfen und sich schlafend zu stellen – die Tür dabei einen Spalt offen, in der Hoffnung, er würde noch nach ihr sehen. Das wiederum verrät sie Rialinn aber nicht.
„Und rate, wer vorgestern wieder versucht hat, sich als Herr der Straße aufzuspielen“, grinst das Mädchen und kann dabei die Schadenfreude nicht von ihren Zügen verbannen. Mittlerweile macht es ihr sogar Spaß, diesem Yaron und seinen Straßenkinder-Kumpanen einen Denkzettel zu verpassen. Kaya schätzt ihn zwei, vielleicht auch drei Jahre älter als sich selbst. Dazu ist er bestimmt einen Kopf größer als das Wolfsmädchen. Dass er allerdings auch stärker oder gar flinker ist als sie, bezweifelt Kaya doch stark, auch wenn sie es nicht genau weiß, da er es bisher immer vorzieht, seine Handlanger nach ihr auszuschicken, während er selbst nur zuschaut und sich rechtzeitig verdrückt.

--> Die Gasse der Webstühle

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Kaya« (7. Mai 2017, 22:18)


244

Dienstag, 28. März 2017, 17:55

27. Varmtha 517, zur Stunde des Vaters

Soviel zur hochgelobten Zwergenkonstitution! Ein wütendes Knurren entringt sich Dars Kehle und veranlasstxzwei entgegenkommende Menschen rasch die Straßenseite zu wechsel. Nur mal kurz die Augen schließen, schon klar! Die nietenbesetzten Stiefelsohlen fahren funkensprühend über das Pflaster, als Dar, auf sich selbst zornig, einen herumliegenden angebissenen und schmutzigen Apfel gegen die nächste Wand tritt. Wen soll er bitte zu dieser späten Stunde noch nach beziehbaren freien Behausungen hier in Talyra fragen? Und sich jetzt in der Harfe einzumieten, die so verlockend goldgelb hinter dicken Butzenglasscheiben am Marktplatz thront macht schließlich auch keinen Sinn, wenn der Schlaf sich sein Recht doch bereits erschlichen hat. Wütend stapft Dar darum nach Süden, gen des Hauses der Bücher und hoffend, das es dazu heute nicht auch längst schon zu spät!

Und als wäre das nicht schon unbill genug steht Dar dann irgendwann auch noch an einem hohen sich nach links wie rechts in einem weiten Bogen spannenden Hindernis. „Die Südmauer sehen und sterben.“ grollt Dar leise. Was hatte der Bettler ihm vor einigen Stunden noch gleich gesagt? "Geht nach Süden!" hatte er gesagt. "Dann seht ihr erhöht stehend die imposante Steinfaust, worin jetzt die Blauröcke hausen und fast daneben, ebenerdiger, ein nicht so großer aber ebenfalls dickmauriger Bau, das ist das Haus der Bücher. Doch so weit Dar auch nach links und rechts starrt, findet er hier nichts imposantes. Vielmehr klein und niedrig erstecken sich hier die Häuserdächer entlang der Gasse. Einfache Bauten, aber nun, da Dar erstmals bewusst seine Umgebung begutachtet, statt nach fernen klobigen Festungsbauen Ausschau zu halten, kommt er nicht umhin, diesem Teil der Stadt einen gewissen beruhigenden Charm zusprechen zu müssen. Doch da ihm auch das kaum weiter hilft, macht er eine kleine, nahe Gaststube aus, klopft an die Türe, tritt ein und erblickt: Mogbars!

Bisher hat Dar nur von ihnen gelesen und gehört, aber das hier sind unbestreitbar und von einem anderen Gast abgesehen, einem Menschen in der grünen Tracht eines Jägers gekleidet, ausnahmslos gar Mogbars. Leise schließt Dar die Türe zur Gaststube hinter sich, als die Gesichter sich wieder von ihm abwandten, leise geführte Gespräche wieder einsetzten. „Guten Abend!“ spricht Dar. „Guten Abend!“ erwidert der Wirt von hinter seinem Tresen, gar nicht mal so unfreundlich und stellte darauf gleich trocken fest: „Ihr habt euch verlaufen.“ Und mit einem Male stellt dar fest: Der brodelnde Zorn ob seiner eigenen Dummheit ist wie fortgeblasen. „Zwei Fingerbreit Apfelbrand, wenn Ihr habt und die Wegbeschreibung zum Haus der Bücher, wenn Ihr mögt.“ Jetzt wird das Gemurmel hinter Dars Rücken endgültig wieder belebter. An die Stelle verhaltenen Getuschels ob des fremden Gastes, tritt nun wieder beherztes Geschwätz, es wird gelacht und hinten an der Wand beginnt eine Gruppe mit Rahmentrommel, Flöte und Gesang eher sich selbst, denn die restlichen Gäste wieder zu unterhalten. Derweil der Wirt ihm den Weg weist, widmet Dar sich dem köstlichen Tropfen, der wahrlich zu gut ist, achtlos hinuntergekippt zu werden und verabschiedet sich mit einem knappen Nicken dann jedochvon Bán, dem Wirt, tritt erneut hinaus ins Abenddunkel und macht sich auf, zum Haus der Bücher.

Doch gerade einmal an einem halben Dutzend niedriger Eingänge der dichtstehenden geduckten Häusern vorbeigelangt, erklingt ein Schluchzen von der Seite her. Deutlich machen Dars Augen im Dunkeln einen Trauerzug aus. Linkerhand geht es von einer Wegkreuzung recht steil hinab und unten auf einem langen Handkarren liegen unbestreitbar die hübsch hergemachten sterblichen Überreste dessen, was vor wenigen Tagen wohl noch ein atmender alter Mogbar gewesen sein mochte. „Ich sagte doch, wir hätten Elsa einspannen sollen, noch kann ich sie aus dem Stall und her holen.“„Und ich sagte Nein! Elsa ist hochschwanger und das letzt was die Familie gebrauchen kann ist, das nach Bran nun auch noch die Elsa ihr Fohlen verliert, oder ihr Leben, oder beides. Wir schaffen das auch alleine. Es muß beim nächsten Mal bloß wer die Keile richtig unterzulegen, wenn wir auf halber Höhe wieder ausruhen müssen. Und außerdem...“

Was außerdem noch war, sollte wohl keiner je erfahren, bemerkt der kleine Mogbartrupp doch just in dem Moment den kurzerhand den Weg hinab stapfenden Dar. „Herr!“ Die Trauernden fühlen sich durch das Erscheinen des fremden Zwerges offenkundig gestört und entsprechend verschlossen bis ablehnend sind die Blicke, die ihn treffen. Dar aber schert es nicht. Statt dessen tritt er vor den Handkarren, besieht ihn sich und auch den Toten – sicher gehen wollend keine Anzeichen einer Seuche an jenem zu finden und wendet sich dann an die ob dieser kurzen Inspektion noch feindseligeren Gesichter. „Erlaubt mir\ bitte euch zu helfen.“ Dar wies auf die beiden Handgriffe und den Gurt vor dem Karren. – Totenstille herrscht, im wahrsten Sinne des Wortes! Selbst die bis eben ihr Schluchzen nicht unterdrückt haben könnende Mogbarfrau und ihre beiden kleinen Töchter starren nurmehr schweigend. Alle tauschen mitei ander Blicke. Schließlich sprich der Alte, der auch darauf beharrt hatte, das Pony im Stall zu belassen. „Uuuuuuund – warum solltet Ihr so etwas wohl tun?“„Weil ich so erzogen wurde, mitfühle und eben einfach helfen will.“ Dar will sich schon entschuldigend abwenden, als die die ganze Zeit an der Seite des Toten gekauert habende Mutter, wieder tränenerstickt, halt ruft und fragt ob er wirklich helfen wolle ihren Vater zum Sitechhain zu bringen, wo – wo… er… Dar nickt nur lächelnd, stellt sich zwischen die beiden Holme des Handkarrens, legt den Bauchgurt an und zerrt den Karren den Weg hinauf, die Straße nach links, dann rechts die zweite steile Gasse hinauf und von da an dann stetig abwärts, durch den Sitechhain zum Tempel, wo die Stummen Schwestern den bereits angekündigten Toten entgegen nehmen, feststellen, das sie nicht viel tun können, was die Familie des Verstorbenen nicht schon getan hat und beschließt darum die Beerdigung, wie von den Hinterbliebenen, noch in dieser Nacht zu erlauben.

Dar, der die Trauernden am Tempeleingang eigentlich schon hatte verlassen wollen, was diese aber nicht zuließen, bestanden sie doch darauf ihn zum Dank zum Totenschmaus, einem Festmahl zum Gedenken an den Verstorbenen, einzuladen, schaut irritiert zum Tempel zurück, schüttelt den Kopf und erklärt aber nur einen Becher zu Ehren des Versorbenen erheben zu können, da er noch so einiges zu erledigen hat. „Aber sicher doch, einen Krug nur, auf meinen Vater!“ strahlt die erstaunlicherweise zugleich weiter weinen könnende Tochter des Toten nach der Beerdigung durch die zwei seltsamsten Totengräber, die Dar wohl je getroffen hat.
“Siehst du einen Riesen, so prüfe den Stand der Sonne und gib acht, ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist.”

Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von »Dar« (28. März 2017, 20:43)


245

Montag, 10. September 2018, 00:42

10. Shenjatha 518 - Stunde der Geister

»Also erinnerst du dich den Schuppen betreten zu haben und dann nichts mehr? Die Mogbar erinnerten sich an dich. Sie bestätigen das du zum Schuppen hattest aufbrechen wollen. Als du nicht wiederkamst, nahmen sie an, dich hätte die Angst gepackt« Dar lächelt sardonisch. „In gewisser Weise hatten sie damit ja wohl recht, hat mich nach Ketells Beurteilung ja doch Angst in den Wahnsinn getrieben. Aber was…?“ »Aber was dich in den Wahnsinn getrieben hat fragst du? « beendet Khalkhis von Klingenfall Dars unvollendeten Satz, dem noch immer an sein Lager gefesselten Dar mit Weintrauben füttern, war man doch noch immer nichts sicher, das der Wahnsinn endgültig von dem Fro'Gar gewichen war. „Und der Kompass, was wenn…“ »Maester Kameruk hat versichert, das es einfach nur ein alter Betrug von vielen war. Er wollte nicht prüfen ob du einen Kompass schaffen kannst. Er wollte prüfen ob deine Recherchen die Ungereimtheiten in dem Ritual aufdeckten.« „Aber…“ »Ich sage dir, das Ritual ist schierer Mummenschanz.« „Ja, aber was wenn ein Dämon oder Dämonendiener, von meinem Auftrag gehört habend, das mit dem Mummenschanz nicht wüsste und das also für echt drum hielte?“ Skarmendes öffnet den Mund, schliest ihn wieder und sieht Dar nachdenklich an. »Weißt du was, das klingt gar nicht einmal so dumm.« Als sich Dar ob jenes Kompliments ein dumpfes Knurren nicht verkneifen kann blickt der in Gedanken versunken gewesen seiende Khalkhis erstaunt auf. »Wie? Oh, das sollte keine Beleidigung sein. Es ist nur so … wärst du bereit uns zu dem Schuppen zu führen? Wir waren natürlich schon da, haben aber nichts Auffälliges gefunden und jede Gefahr, die dir dort begegnet sein mag ist fort. Es ist nur …vielleicht kommen direkt am Ort des Geschehens Erinnerungen zurück, die sich dir jetzt noch verweigern.« Dar atmet tief ein, zögert…»Selbst wenn der Dämon oder Dämonendiener noch da sein sollte, dieses mal wird eine Schar zu allem entschlossener Priester an deiner Seite stehen.« Zögerlich, sehr zögerlich, ringt sich Dar schließlich zu einem Nicken durch.

[…]

»Waylon hat sich fast die Zunge abgebissen, als du darauf bestandest den Harnisch für Dar auszuborgen.« lachte der Dar die zwergengroße Plattenrüstung umschnallende Novize gluckernd um aber ob des Blickes von Khalkhis von Klingenfall. »Der Fro'gar hat Sil aufs schändlichste gelästert und ob das noch Nachwirkungen seines durchlittenen Wahns oder einem tiefer sitzender Groll nun entsprang; Waylon hatte alles Recht der Welt zornig und mit geweihten Leihgaben zurückhaltend drum zu reagieren.« Der Novize begegnet des Archivars Blick mit echter Betroffenheit. Dar begegnet ihm indes mit störrischem Trotz. »Harnisch und Schild sollten euch vor körperlichen Attacken durch Dämonen bewahren, bis wie eingreifen. Die Schleuder? Ich weiß immer noch nicht, was Ihr damit wollt. Die Kugeln sind auf jeden Fall geweiht.« „“Von wem? fragt Dar scharf. Khalkhis seufzt. »Wenn das hier vorbei ist, solltest klären was auch immer zwischen dir und deinem« Dar zieht scharf die Luft ein, als wenn ein plötzlicher Schmerz ihn durchfährt. »… Gott steht, Dar. Nein, die Geschosse wurden in diesem Tempel und von uns gesegnet, wie von dir, äh… verlangt.« Der Novize, den Sitz des Harnisches geprüft habend, nickt abschließend: »Sitzt!«

[…]

»Du bist noch schwach, Dar! Ich bin erstaunt, das du nach diesen anderthalb Jahren überhaupt laufen, geschweige denn eine solch schwere Rüstung tragen kannst. Andererseits, bist du ein Steingeborener, da sollte mich das vielleicht wiederum auch nicht wundern. Bleib auf jedenfalls hinter uns und wenn es Ärger gibt, dann überlasse das uns, verstanden.« „Zum Schuppen geht es dort entlang.“ In Begleitung von fünf ledergeharnischten und bewaffneten Klerikern Brans bewegen sich Dar und und der ihm zur Seite gestellte Sitech-Priester zum Schuppen, eine Abteilung Blaumäntel angespannt an der Gartenmauer des Grundstücks zurück lassend. »Ich weiß nicht was wir hier noch machen.« murrt der Priester an Dars Seite, als sie den Schuppen betreten. »Wir haben hier jeden Stein schon mindestens ein halbes Dutzend mal umgedr-« Doch alle weiteren Worte bleiben dem Kleriker, dessen Namen Dar nicht behalten hatte, regelrecht im Halse stecken, als Dar wie schlafwandlerisch zur Rückwand des Schuppen schreitest, einen Schrank beiseite rückt, eine Holzplanke der Rückwand zur Seite schiebt und einen Teil des hinter der Schuppenrückwand die Stadtmauer stützenden natürlichen Felsens mit einem lauten Klicken um eine Handbreit versenkt.

[…]

„Ich erinnere mich ein hinter den Schrank gerollten Alembik nachgeforscht zu haben und dann – na ja, vielleicht brauchte Zwergenaugen, den Mechanismus zu entdecken, vielleicht war es beim ersten mal auch einfach nur Zufall. Ich weiß es nicht mehr..“ Mit den Worten rückte ein kreisrundes Stück des Mauerwerks einen halben Fuß nach hinten. „Seht her, man kann es nun ganz leicht zur Seite rollen.“ Doch noch ehe Dar dies vorführen kann, treten die Cromm-Priester auch schon vor und übernehmen es den Verschlusstein zur Seite zur rollen, bis er mit einem weiteren vernehmlichen Klick zum Stillstand kommt. »Eine abwärts führende Treppe. Was ist unten?« Dar zuckt ratlos mit den Schultern. „Wahnsinn?“ Die Kleriker grinsen gezwungen und beginnen die Treppe hinabzusteigen, gefolgt Dar und mit dem Sithech-Priester den Abschluss bildend.

[…]

Lautes Schreien, ein Poltern, dann Stille veranlassen die Blaumäntel sich von der Mauer abzustoßen, ihren Posten zu verlassen und zum Schuppen zu stürmen, doch von den Priestern und dem Zwergen fehlt jede Spur. Der Schuppen zeigt sich ihnen, wie sie ihn schon mehrfach bei ihren wiederholten Durchsuchungen gesehen hatten. Keine Spur deutet daraufhin, das sich hier gerade quasi vor den Augen der Blaumäntel eine Schar von sechs Priestern und einem Fro'gar spurlos in Luft aufgelöst hatten. »Du, im Eilschritt zum Sitech-Tempel, zu Khalkhis von Klingenfall. Berichte alles was hier geschehen ist!« Der Anführer des kleinen Trupps drängt zum Rückzug, nervös. »Und du eile zur Steinfeste und informiere den Hauptmann, schnell!« Um den Schuppen bildet sich mit gehörigem Abstand ein Halbkreis aus den verbliebenen Blaumänteln, die beiden Erfahrensten an den die Stadtmauern stützenden unbehauenen Felsen lehnend, den Schuppen zwischen sich, die Schwerter gezogen. Doch was vermochten Schwerter schon wider unsichtbare Gegner auszurichten? »Beeilt euch, beeilt euch, beeilt euch…« murmelt der Truppenführer nervös, nicht merkend das er sich gerade die Unterlippe blutig beißt.
“Siehst du einen Riesen, so prüfe den Stand der Sonne und gib acht, ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist.”

246

Freitag, 14. September 2018, 00:00

In dem Moment, da Dar, mit beiden Beinen auf der ins Dunkel hinab führenden Treppe stehend, das leise Knirschen von Stein auf Stein in seinem Rücken vernimmt, branden Teile seiner verschütteten Erinnerungen mit brachialer Gewalt über ihn hinweg und schreiend ob der Erinnerungen unzähliger Stunden der Verzweiflung, der Angst und schließlich des Wahns, die ihn mit einem Augenblick übermannen, rollt Dar sich wie ein geschlagener Hund zusammen, das der Priester in seinem Rücken erschrocken sich zum Zwergen hinab beugt – ein spontaner Akt des Mitgefühls, der im den Kopf retten soll. Denn mit dem, wie von Geisterhand sich vor den Eingang schiebenden Verschluss-Stein zusammen sirrt ein dünner, aber ölig schimmernder Draht auf Bauchhöhe und damit nur knapp über den zu Dar hinabgebeugt knienden Sitech-Priester. Und während noch außerhalb der Höhle, von niemandem bemerkt, der Schrank zurück vor den nun geschlossenen Eingang gerückt wird, wandelt sich das Kreischen Daris in ein leises gepeinigtes Wimmern, das den Sitech-Priester einmal mehr an einen geprügelten Hund denken lässt.

[…] »Und?« »Nichts, keine dämonische Präsenz zu spüren.« »Seid ihr sicher?« Ein leises hohl klingendes Klopfen lässt Dar wie vom Blitz getroffen zusammenfahren. Ein Funkeln in der Dunkelheit, dann wieder Schwärze. »Ach verdammt!« Ein erneutes Klopfen, wie von Stein auf Stein und wieder ein blendendes Funkeln im Nichts der Dunkelheit. Doch dieses Mal verlischt es nicht, schwebt glimmend vor Dars Augen. Ein leichter Luftzug trifft Dars Augen und wieder fährt der Zwerg einem hilflosen Säugling gleich panisch zusammen. Das Glimmen nimmt zu, teilt sich auf, flackert… »Ah, endlich, schnell das Licht, Pistor!« Das Gesicht des Priesters des Totengottes erstrahlt im Schein des leise verglimmenden Zunders, die dieser vorsichtig auf das schwarz in der Glut schimmernde Erdpech einer Fackel legt. Wieder bläst der Priester sanft, wieder trifft ein Lufthauch Dars Augen, dann schließlich, mit einem vernehmlichen Knistern, fängt der Zunder endgültig an brennen, dann die Fackel, dann eine Weitere und noch eine bis schließlich, außer Dar, alle mit einer Fackel bewehrt sind.

„Ich, ich … fand den Eingang durch Zufall. Hätte ich mich damals nicht nach dem die Stufen halb herunter gerollten Alembik hinab gebeugt, wie Ihr euch gerade zu mir…“ Des Sitech Priesters Blick folgt schaudernd jenem Dars, hin zu kaum merklichen Vertiefungen, zweier sich exakt gegenüber liegender tiefer Rillen in den Wänden links und rechts der obersten Stufen, die von der Decke in einem halbkreisförmigen Bogen bis auf Bauchhöhe des Priesters hinab und dann wieder hinauf und zu einem sie über die Decke verbindendem Spalt im Felsen führend noch immer unschuldig von der Bahn des gespannten Drahtes künden, der beinahe für einen ersten Toten hier, in dieser Nacht, gesorgt hatte. »Ein Dämon,, der sich einer mechanischen Falle bedient?« Zweifel klingen in des Sitech-Priesters Stimme mit. »Keine Präsenz, wir sagten es doch schon.« bemerkt der Pistor geheißene Bran-Priester lapidar. »Und auch sonst keine Menschenseele hier, außer uns.« Der Sitech-Priester zerrt Dar harsch an der Rüstung. Dar, der Bewegung folgend erhebt sich. „Wir, wir — sind — hier — nicht — alleine, — nicht — sicher!“ Dar hält dem Blick des Anderen stand. »Wir sind nicht hierher gekommen, um ohne Antworten wieder zu gehen.«

»Dar!« „Gut, aber was auch immer ihr hier nicht zu spüren vermeint.“ Diese Worte gelten Pistor und seinen Glaubensbrüdern. „Wir — sind — hier — nicht — alleine!“ Dars Stimme ist wieder ruhig, tief und fest, sein Blick so kalt und furchtlos, wie der eines Fro'gars, der nichts anderes kennt,als die ewige Bedrohung durch die Kinder des Dreizehnten. Die Priester Brans vergewissern sich mit kurzen Blicken in die im Widerschein der Fackeln unheimlich rötlich schimmernden Iriden Dars, seiner Ernsthaftigkeit, und aber auch der gewichenen Hysterie des Fro'gars, ehe sie Waffen und Fackeln fester packend die Stufen weiter hinab steigen. Ein leises Wispern, gerade jenseits der Schwelle zum Hörbaren, streift Dars Ohren. “Willkommen, willkommen zurück in der Hölle, Zwerg!” Aber da außer ihm keiner darauf reagiert, ignoriert Dar diese …Einbildung, ebenso wie den Umstand, dass das Licht der Fackeln mit jedem Schritt hinab in die Tiefe eine kälteres, ein blaueres Licht abzugeben scheint. “Euer Platz in der Hölle wurde Euch warm gehalten, Zwerg!”
“Siehst du einen Riesen, so prüfe den Stand der Sonne und gib acht, ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist.”

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Dar« (14. September 2018, 00:09)


Ähnliche Themen