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Azra

Stadtbewohner

  • "Azra" started this thread

Posts: 1,058

Occupation: Wirtin der Goldenen Harfe

Location: Talyra

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1

Wednesday, March 5th 2014, 3:13pm

Der Sithechtempel

Dort, wo die Begräbnisstätten mit der Südmauer abschließen, erhebt sich aus dem Silbergras ein wuchtiger, nachtschwarzer Kubus von seltsam mattem Glanz - der Sithech Tempel Talyras. Er erscheint auf den ersten Blick kleiner und weniger imposant als die gewaltigen Bauten des Tempelviertels, auf den zweiten Blick jedoch offenbart sich dem aufmerksamen Betrachter seine ungewöhnliche Einzigartigkeit: die Mauern sind spiegelglatt, doch ihre Schwärze reflektiert kein Licht, scheint es aufzunehmen und zu trinken. Aufwendige, vollkommen symmetrisch veschlungene Muster laufen um den gesamten Tempel, deren Geometrie dem Betrachter fremd erscheint, so daß es schwer ist, ihnen wirklich zu folgen. In sie eingelassen sind hohe, schmale Fenster aus rauchgrauem, bleigefaßtem Glas. Rabenstatuen aus schwarzem Onyx und Achat breiten ihre Flügel um die spitzen Fensterbögen, so unglaublich kunstfertig gearbeitet, daß sie auf den ersten Blick lebendig wirken, im Flug erstarrt.
Breite, mitternachtsdunkle Stufen führen hinauf zu zwei hohen Torflügeln aus anthrazitgrauem Eisenholz. Ihre Beschläge sind aus Bronze und Eisen, den Metallen des Winters, und ihre Schnitzereien zeigen kleine, zarte Totenfalter und mächtige, klauenbewehrte Greife. Über dem Tor spreizt ein riesenhafter Rabe seine Flügel, gleichsam das halbe Mauerwerk überspannend, aus dem selben glatten und lichtschluckenden Stein wie der gesamte Tempel - nur seine Augen schimmern rot, als erfülle sie ein geheimnisvolles, inneres Feuer.
Im Inneren des Tempels herrscht immer Düsternis, denn die schmalen Fenster aus grauem Rauchglas lassen nur wenig Dämmerlicht herein - aber es ist eine warme Dunkelheit, die jeden willkommen zu heißen scheint, der die heiligen Hallen Sithechs betritt.

Zwei Säulenreihen aus Obsidian, Achat und schwarzem Marmor tragen das hohe Dachgewölbe, das sich völlig in der Finsternis verliert. Schwarze Seidenschleier mit zarten, silbrigen Fäden darin verhüllen die Wände hinter den Säulen und teilen die Schreine der Archonen vom Hauptraum des Tempels ab. Dutzend hohe, weiße Kerzen umkränzen in verschlungen geformten Bronzehaltern die Säulen, winden sich in spiralen an ihnen empor und werfen matten, warmen Schein in die Dunkelheit ringsum. Gegenüber des Eingangs erhebt sich hinter einem schlichten Altar, einem einzigen, schwarzen Basaltblock, die hohe Statue Sithechs selbst. Sie zeigt einen asketisch wirkenden Silberelben in rauchgrauem Umhang, das düstere und doch schöne Gesicht von einer Kapuze überschattet. Auf der linken Schulter des Götterbildes sitzt ein Rabe, dessen Augen den Besucher mit eigenartigem Glanz zu mustern scheinen und zu seinen Füßen sammelt sich stets feiner, grauer Nebel.
Hinter den Säulenreihen befinden sich die Schreine von Sithechs Archonen - Kenen, Gebieterin über Eis und Schnee, thront als alabasterweißes Marmorbildnis mit einem Kranz aus Eiskristallen im Haar schneeweiß und leuchtend inmitten der Dunkelheit, zu ihren Füßen ein liegender Irbis.

Das Bildnis Nurms wirkt fast unscheinbar, grau und gütig, doch auf dem kleinen Altar vor der Statue der Archonin liegen stets zahllose Blüten und brennen Dutzende von Lichtern - kleine Opfergaben der Trauernden, die auf ihren Beistand hoffen.
Kyroms Schrein hingegen ist der schwärzeste Ort des Tempels und obwohl nichts an der Dunkelheit hier beängstigend oder kalt wirkt - von der Statue des Purpurtods geht etwas Unheimliches aus. Purpurnes Feuer leckt in den leeren Augenhöhlen des geschnitzten Skeletts aus Ebenholz und hunderte von Totenfaltern flattern in seinem Schrein, das Wispern ihrer Flügel ein unablässiges Flüstern von unabwendbar Kommendem.
Das Bildnis Llaerons ist aus kostbarem Glas und zeigt einen androgynen Elben, dessen linke Hälfte hell und klar erscheint, dessen rechte aber dunkel, rauchig und undurchsichtig wirkt. Flankiert wird er von zwei sitzenden Greifen, die Räucherschalen in ihren Krallen halten. Zu ihm kommen vor allem Seher und Gelehrte, Sterndeuter, die die Zukunft zu ergründen suchen und andere, die etwas über ihr Schicksal erfahren wollen.
Der abgeschiedenste Schrein des Sithechtempels gehört Sarurnir, Herr über Wahnsinn und Krankheit und vor der Statue des Archonen, einem Kobold mit ungleichen Augen und einer goldenen Pestmaske über dem Gesicht quillt der Altar über vor Opfergaben - denn viele versuchen ihn milde zu stimmen oder sind mitleidig mit jenen, die er in seinem Griff hält.




Im Sithechtempel

Ygerne Silberlied
Für eine Menschenfrau ist die Hohepriesterin des Sithech außergewöhnlich groß gewachsen und überragt mit ihren knapp sechs Fuß Körperhöhe so manchen Mann. Sie mag weit über fünfzig Jahresläufe zählen, doch sie wirkt seltsam alterslos und ihre scharf geschnittenen Züge sind von jener reinen, strengen Hoheit, die ein edel geformtes Gesicht im Lauf der Zeit annimmt. Ihr glattes, meist streng nach hinten frisiertes Haar ist von hellem Braun, durchsetzt von silberschimmernden Strähnen, und ihre Augen sind von einem klaren, sehr dunklen Blau. Oft wirkt sie kühl und frostig, wie der Gott, dem sie dient, doch der Eindruck täuscht, und hinter der unergründlichen Fassade verbirgt sich eine zwar stille und besonnene, zugleich aber auch warmherzige und gütige Priesterin.

Khalkhis von Klingenfall
Der Scriptor und Archivar im Tempel des Sithech ist ein äußerst gebildeter Mann und ein Schriftgelehrter mit schier unermesslichem Wissensschatz. Der Immerfroster ist ein Mann des Wortes und beherrscht fließend die meisten Immerländischen Sprachen und unzählige Dialekte, ist bewandert in vielen Wissenschaften und der Historie des Landes. Sein Äußeres ist schlicht und bescheiden und lässt kaum vermuten, welch brillanter Geist sich in dieser unauffälligen Hülle verbirgt. Khalkis, der das sechzigste Lebensjahr schon längst vollendet hat, ist mittelgroß, von eher blasser Gesichtsfarbe, trägt stets schlichte Roben und sein eisgraues Haar recht kurzgeschnitten. Das ungewöhnlichste in seinem ansonsten gewöhnlichen Gesicht sind die Augen, die klar und rein in einem silbrigen Grau erstrahlen.

Skarmendes
Der Novizenmeister und hochgestellte Priester gilt bei seinen Schülern als strenger Lehrherr und wird von vielen wegen seiner oft herrischen Art gefürchtet. Ein gewisser Hochmut liegt in seinen aristokratischen Zügen mit den durchdringend blickenden stahlblauen Augen und der schmalen Nase, die entfernt an einen hakigen Vogelschnabel erinnert. Sein nachtschwarzes Haar, das er zu einem langen Zopf gebunden trägt, zeigt trotz seines fortrgeschrittenen Alters noch keinen Anflug von Grau, und nur die tiefen Furchen in seinem Gesicht und der bittere Zug um seinen schmallippigen Mund lassen auf die wahre Zahl seiner Jahre schließen.

Nechta Graulicht
Nechta, eine Priesterin des Sithech, ist die Oberste der Schweigenden Schwestern und zugleich die Herrin des Gräber. Ihr obliegt es zusammen mit den Grauen Frauen, wie sie auch genannt werden, sich um die Toten zu kümmern, Bestattungen vorzunehmen und die Heiligen Haine des Sithech zu hüten. Nechta Graulicht ist angesichts der schweren Aufgabe, die sie übernommen hat, mit ihren gut dreißig Lenzen noch recht jung an Jahren, und so mancher fragt sich, was eine hübsche, blühende Frau, wie sie eine ist, mehr zu den Toten als zu den Lebenden zieht. Sie ist eine stille Person, mittelgroß und von schlanker Gestalt, das schmale, schöne Gesicht mit den vollen Lippen und den haselnussbraunen Augen wird von einer glänzenden Flut dunklen Haares eingefasst, die sie jedoch stets in einem schmucklosen Zopf versteckt.

Krötenaug und Klageweh
Die beiden Totengräber und Friedhofsdiener sind so unterschiedlich, wie zwei Personen nur sein können. Krötenaug trägt seinen Namen zu recht, denn er hat tatsächlich Glubschaugen, die ihm ständig aus den Höhlen zu quellen drohen. Zudem ist er mit einem Aussehen und einem Gesicht gestraft, das wirklich nur eine Mutter lieben kann. Sein Gesicht ist eine Mischung aus Pfannkuchen und pockennarbiger Kraterlandschaft, eingerahmt von zottigem mausbraunem Haar, das mehr gehäckselt als geschnitten wirkt, und seine Ahnenreihe scheint ein wildes Sammelsurium aller möglichen Rassen zu sein. Groß und plump wie er ist, muss wohl auch ein Oger oder ein Narg eine Rolle gespielt haben, doch als Ausgleich für seine Hässlichkeit wurden ihm ein herzensgutes Wesen und vor allem Bärenkräfte in die Wiege gelegt. Klageweh, sein totengrabender Kollege, reicht ihm gerade mal bis zur Brust und ist auch sonst alles andere als athletisch gebaut. Er ist ein buckliges, kleines Männlein, mit fedrigem weißen Haar, das ständig in alle Richtungen absteht und ihm das Aussehen einer elektrisierten Pusteblume gibt. Mit Krötenaug verbindet ihn ein immerwährender Streit - der Friedhofsriese hält ihn für einen weinerlichen Jammerlappen, während Klageweh seinen überdimensionierten Kollegen einen hirnlosen, tumben Plumpsack schimpft. Doch beide sind sich trotz ihrer Dauerfehde in herzlicher Freundschaft zugetan und einer ist so gut wie nie ohne den anderen anzutreffen.

Brecca, Cruth, Fenora, Eisfalk, Nessel und Kupferkopf - einige Novizen des Tempels
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An Irish taxi driver: "We Irish don't tell lies. We just try hard not to tell the truth."


nyanyanyanyanyanyanyanya.... BAT-CAT! :yell:

You walk me animally on the cookie! - Du gehst mir tierisch auf den Keks! ;D

Bregond

Herr Bergland

Posts: 301

Occupation: Silberschmied

Location: Der Turm des Verrückten

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2

Monday, April 7th 2014, 10:24pm

Eine Woche nach dem Treffen im Turm des Verrückten


Heute am frühen morgen hatte Bregond den Turm nach dem Frühstück verlassen. Lyona und Skor hatten sich bereit erklärt ihn zu begleiten, doch diesen Weg konnte und wollte der Elb alleine gehen, schon zu lange hatte er es hinausgezögert und vor sich hingeschoben. Er hatte ihnen versprochen bis spätestens zum Anbruch der Dunkelheit zurück zu kommen und so gekleidet in seiner besten Kleidung und nur mit seinem Silberdolch stand er nun wenig später vor dem mächtigen und imposanten Sithechtempel. Das erste Gefühl an das er sich später noch Erinnern wird ist die Tatsache das auch er so wie alles sterblich ist und sich vor Sithech zu verantworten hat. Die wundervollen Weiden werden vom morgendlichen Nebel umwoben und tauchen das ganze in ein unwirkliches Licht. Der Tempel selber ist nicht so groß und prunkvoll wie die restlichen Gotteshäuser im Tempelviertel, aber seine matte schwärze fasziniert Bregond sobald er ihn erblickt. Ehrfürchtig geht er auf die Treppen zu und kann sich gar nicht satt sehen an den Mustern und Reliefs an den spiegelglatten Mauern. Zwei Junge Novizen eilen mit Schriftrollen schweigend an ihm vorbei und verschwinden wenig später in den tiefen des Tempels.
Im inneren regiert eine warme Finsternis und die Geräusche der Außenwelt bleiben dumpf und schwach eine Erinnerung seiner Ohren. Bregond verharrt einen Augenblick mit gesenktem Haupt vor dem schwarzen Basaltblock der die Statue von Sithech trägt. So lange nun bete ich schon zu dir und dies ist mein erster Besuch in deinem Haus. Und warum bin ich hier? Nicht um dir zu danken für deinen Bestand in den letzten Jahren den du mir hast zukommen lassen in deiner ewigen Milde. Nein, ich bin hier um wieder etwas von dir zu erbitten. Dein Diener braucht deine Hilfe und deinen Rat.
All dies spricht Bregond nicht aus, den er ist sicher das dies nicht notwendig ist. Er würde ihn schon verstehen, einzig der brennende Blick des Raben auf der Schulter von Sithech macht Bregond nervös. Als er dumpfe leise Schritte hinter sich hört dreht er sich um um auf einen älteren Menschen in Roben zu blicken der ihn milde anlächelt. Sein Haar ist grau und kurz geschnitten und er ist ebenso blass wie Bregond dunkel ist. Aufmerksam und sichtlich überrascht mustert er den dunklen Elben wobei dieser das Gefühl hat von seinen silbrig glänzenden Augen ausgezogen zu werden, dann lächelt er wieder. „ Es ist schön das ihr euch endlich im Haus eures Herrn sehen lasst. Ihr seit doch Bregond Finsterschimmer, oder?“ Bregond hatte seinen Nachnamen seit unzähligen Jahren nicht mehr vernommen und war sichtlich überrascht und kann nur stumm nicken auf die Frage des Alten. „ Nun ich bin einer der Archivare hier im Tempel, also ist es meine Aufgabe Dinge zu wissen und bitte seit nicht so überrascht, glaubt ihr euer Handeln und Tun in Talyra bleibt ungesehen? Ihr seit nicht ohne Grund hier, den um zu eurem Herrn zu beten habt ihr nie sein Haus bedurft, also was führt euch hierher?“
Bregond ist sich nicht sicher warum er mit einem wildfremden, wenn auch mit einem wildfremden Sithechpriester über seine Probleme reden sollte. Und so beginnt er mit brüchiger Stimme seine Selbstsicherheit wieder zu finden. „ Ihr seit mir im Vorteil guter Mann, so wie es scheint seit ihr gut über mich Informiert und ich kenne noch nicht einmal euren Namen.“ Der Alte lächelt wieder dieses milde lächeln, dann deutet er dem Dunkelelben ihm zu folgen dreht sich um und geht zurück zum Ausgang des Tempels. „ Wisst ihr, auch wenn ihr es vielleicht nicht für möglich haltet aber auch ich mag den Frühling und den Geruch von taugetränktem Silbergras, lasst uns draußen weiterreden.“ Bregond folgt ihm langsam und kurze Zeit später sitzen beide auf einer steinernen Bank und beobachten einige Raben in den Weidenbäumen. Der Archivar hat das große Buch neben sich gelegt und seine faltigen blasen Hände liegen ruhig auf seinen Knien. „ Nun ihr habt recht ich bin euch Gegenüber im Vorteil und es ist nicht höflich sich nicht vor zu stellen, aber bitte verzeiht einem alten Mann der es gewohnt ist das ihn alle kennen, das er seinen Namen nicht nennt. Und um diesen Vorteil aus zu gleichen. Ich bin Khalkhis von Klingenfall und nun Finsterschimmer sagt mir mit welchen Fragen kommt ihr in den Tempel die ihr nicht selber beantworten könnt?“ Natürlich hatte selbst Bregond schon Khalkhis von Klingenfall gehört. Ein Schriftgelehrter und Weiser dessen Wissen unermesslich schien, zumindest wenn man den Erzählungen glauben schenken durfte, dies musste Bregonds Glückstag sein und im Stillen dankt er Soris dem Wundermädchen. Wenn einer etwas über Schattentod wußte, dann dieser Mann. Langsam beginnt er seine Erzählung vom Fund der Elbenklinge in den Feuerhöhlen. Er beschreibt sie in allen Einzelheiten und auch warum er sie zur Zeit nicht trägt. Khalkhis unterbricht ihn nicht ein einziges mal. Bregond glaubt sogar einmal er wäre eingeschlafen, doch dann blitzen seine grauen Augen hellwach unter seinen Augenbraue auf und Bregond erzählt weiter von seinen Abenteuern mit der wundersamen Klinge.
Scharfe Schwerter schneiden sehr, scharfe Zungen noch viel mehr.

Bregond

Herr Bergland

Posts: 301

Occupation: Silberschmied

Location: Der Turm des Verrückten

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3

Thursday, April 10th 2014, 9:08pm

Es ist schon später Mittag als Bregond mit seiner Geschichte endet, sein Mund und Kehle sind staubtrocken und das nicht nur davon das er so viel geredet hat. Auf der einen Seite tut es ihm gut über seine Vergangenheit offen zu reden ohne das irgendwer Fragen stellt oder ihn gar verurteilt, sei es mit Worten oder mit Blicken. Auf der anderen Seite kommen alle schrecklichen Erlebnisse wieder, besonders schwer fällt es ihm über die Feuermagierin zu sprechen die ihm einst sein Herz gestohlen hat. Khalkhis schweigt während der ganzen Zeit und nur kurz runzelt er die Stirn als Bregond von der Übergabe des Schwertes an den Elben spricht. Er selber scheint sich nur noch wage an die Geschehnisse zu erinnern. Nach seinem Kampf in den Feuerhöhlen mit dem wahnsinnigen Magier war er mehr Tot als lebendig und hatte schweres Fieber, so das sein Bericht mehr als Lückenhaft ist. Nun zur Mittagszeit wärmt die Sonne die beiden der Frühnebel hat sich verzogen und auch die Raben hocken eher träge in den Weidenbäumen. Khalkhis ruft einen Novizen herbei, der junge Mann ist schnell herbei geeilt und bringt kurze Zeit später einen schweren Tonkrug mit kühlem Wasser, dazu zwei Becher. „ All dies!“ Der Alte spricht langsam und leise „ All dies, ist schwerlich zu glauben. Versteht mich nicht falsch, ich möchte euch glauben, den wenn es war ist was ihr Erzählt wäre dies ein großes Wunder, ein Wunder das euch auf einen Schlag in die Geschichtsbücher bringen würde. Shunjamôr galt lange Zeit als verloren und ich könnte glücklich in die Hallen unseres Herrn gehen wenn ich es mit eigenen Augen gesehen hätte. Diese Waffe ist seit hunderten Jahren nicht mehr gesehen worden, keine Geschichte berichtet wie sie verloren ging. Lange Zeit war sie eine Waffe gegen das Böse in der Welt und wahrlich viele Geschichten ranken sich um seine Herstellung und seine Träger. Jaja schau nicht so verwundert, glaubst du etwa das du der erste bist der auserwählt wurde Shunjamôr zu tragen? Es liegt eine große Ehre darin, eine große Ehre bringt aber auch eine große Verantwortung gegenüber denjenigen die deinen Schutz brauchen werden. Und nun Bregond aus dem Haus Finsterschimmer, wird ein alter Mann an seine Arbeit gehen und beten das du eines Tages mit deiner Klinge in den Tempel kommst. Und wenn du dies tust werde ich dir die Legende seiner Erschaffung offenbaren.“ Mit diesen Worten steht der Archivar auf, neigt höflich den Kopf und geht davon um einen sehr nachdenklichen Elben auf der Bank zurück zu lassen.
Was sollte er nur tun? Lorwen hatte ihm davon abgeraten die Klinge zu tragen bevor er nicht Gewissheit hatte was ihn in den Kanälen unter der Stadt in seinen Bann gehalten hatte, doch was konnte ihm schon passieren. Hier! Unter dem Schutz von Sithech. Doch konnte er eine vielleicht gefährliche verfluchte Waffe ohne bedenken in dieses Heiligtum bringen, wie konnte er sich sicher sein das Shunjamôr sein Schwert war ohne das er nicht mehr darüber wußte. Natürlich stimmt die Beschreibung und auch der elbische Name für Schattentod, doch konnte dies ebenso Zufall sein oder gar ein schlechter Witz der Götter! Der Alte sagte das Shunjamôr eine geweihte Waffe wäre. Der Herrin über Kälte und Frost Kenen, das konnte nicht stimmen, er war sich sicher das er selber ein stummer Diener Sithechs ist und das Schattentod als Zeichen zu ihm kam. Seine Gedanken überschlagen sich als er wieder an den Tag zurück denkt an dem er Schattentod bekommen hatte. Es war Kalt, so fürchterlich kalt gewesen. Und auch später, als er in der Zelle der Steinfaust darauf wartete hingerichtet zu werden hatte er Nacht für Nacht den selben Traum von einem verschneiten Wald aus dem er nicht herausgefunden hatte. Konnte es wahr sein was der Archivar ihm erzählt hatte. Trug er wirklich Shunjamôr, das elbische Taqât seit zehn Jahren ohne das irgendwer es bemerkt hätte. Mit mehr Fragen, als Antworten verlässt Bregond noch vor Sonnenuntergang das Tempelgelände und wie zum Hohn krächzen ein ganzer Schwarm Raben hinter ihm her.
Scharfe Schwerter schneiden sehr, scharfe Zungen noch viel mehr.

Rayyan

Hänfling

Posts: 129

Occupation: Hexerjäger

Location: Talyra

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4

Monday, February 16th 2015, 7:16pm

Eisfrost


Die große, graue Halle liegt leer und verlassen vor ihm, trist und nicht wirklich einladend in ihrer schattenverhangenen Unendlichkeit. Rayyan unterhält kein sonderlich gutes Verhältnis zum Gott der Toten und des Winters, bindet ihn nur ganz nebenbei in stumme Gebete ein und meidet ihn und seine Archonen (ausgenommen Sarurnir, dessen schimmliger Arsch sich ungemein für derbe Flüche eignet) darüber hinaus weitestgehend. Wer mag schon einen humorlosen Wintersack. Leider hat ausgerechnet besagter humorloser Wintersack seinen besten Freund in seine Dienste befohlen. Einspruchsrecht war Colevar nicht vergönnt gewesen, aber in diesem Punkt nehmen sich die Erhabenen nichts. Wenn sie jemanden unter ihren Namen rufen, dann gibt es kein Entkommen, ob man sich mit dem Wesen eben dieser Entität nun anfreunden kann oder nicht. Das wusste auch Colevar. Dass aber nicht etwa Shenrah, sondern der kalte Windhund sich bei ihm vorstellen würde, das hat Colevar nicht kommen sehen, Rayyan erinnert sich genau. Und jetzt ist Colevar verschwunden, hoch in den Norden in die Kälte und seit über einem Zwölfmond kam kein Brief mehr an. Mit ausdrucksloser Miene tritt Rayyan aus der klirrenden Kälte der Eisfrostnacht in den Schein einer der wenigen Fackeln, die den Tempel des Grauen noch erleuchten. Die Mitternachtsmesse ist gerade beendet und die Kerzen, die sich auf eisernen Ranken um die Säulen winden, sind gelöscht worden, die schwarze Stunde ist vor wenigen Augenblicken angebrochen und sämtliche Priester, Akolythen, Novizen und sonstigen Tempeldiener haben sich in ihre Kammern zurückgezogen. Es ist also niemand zugegen, als er die graue Stille mit großen Schritten durchquert. Die halbdurchsichtigen, schwarzen Schleier, die wie flüssige Schatten zwischen den Säulen wabern und die einzelnen Archonenschreine voneinander trennen, heben sich ganz leicht unter dem Luftzug, der sein Eintreten begleitet und ihn bis vor den Altar zu Füßen von Sithechs gewaltigem Antlitz trägt.

Das Gesicht des Gottes liegt in den unergründlichen Tiefen seiner Kapuze verborgen und lässt keine Rückschlüsse auf seine Gedanken und seine Intentionen zu, doch Rayyan kennt den Tod, kennt den kalten, harten Verlust der ebenso Teil von ihm ist, wie er das Mitgefühl und die Gnade kennt, die er bringen kann. Er ist bestens vertraut mit dem Grau der Zweifel und das ebenso fürchterliche, wie auch tröstliche Schwarz der Gewissheit hat ihn sein Leben lang begleitet. Wer auf den Straßen von Mar'Varis aufwächst lernt schnell sich mit dem Herren der Endgültigkeit zu arrangieren, denn dort gehört ihm nicht nur der Tod, sondern auch das alltägliche Leben wird durch ihn überschattet. Ihm zu dienen erfordert eine Hingabe, die keinerlei Bedenken erlaubt, denn er steht nun einmal für das unabwendbar Kommende, für das Letzte und das Unvergessliche. Wie oft war ich jetzt hier? Fünfmal in meinem ganzen Leben? Viermal davon in den letzten zwei Monden, auf der Suche nach irgendeinem Hinweis, irgendeiner Erklärung, aber so viele Briefe wie er von Colevar über den letzten Zwölfmond erhalten hat, so oft hat ihm Sithech auf seine Fragen geantwortet: Kein einziges Mal.

Langsam schlägt Rayyan die Kapuze von seinem Umhang zurück, stützt sich mit gespreizten Fingern auf dem kalten Marmor des Altars ab und sieht fordernd zu der Gottstatue hoch. "Wo ist er?" Kein Bitte, keine schmeichelnde Lobpreisung, kein Gebet zur Einleitung. Einfach nur eine simple Frage, schnörkellos gestellt. "Wo ist Colevar?" Sein bester Freund ist vor beinahe zwei Sternenläufen in den Norden aufgebrochen, das letzte Schreiben aber stammt aus dem Blätterfall des Jahres 513 des Fünften Zeitalters. Da hatten er und Calait eben erst den Ostwall erreicht und Colevar hatte von seltsamen Sitten, verschworenen Gemeinschaften und einer aussichtslosen Reise berichtet und versprochen sich spätestens im Frühjahr, wenn die erste Schneeschmelze einsetzte und sie die Rückreise nach Talyra antreten würden, wieder zu melden. Seither wartet man in der Stadt vergeblich auf eine Nachricht aus dem Norden. Rayyan weiß, dass Olyvar längst seine Beziehungen hat spielen lassen, in der Hoffnung auf Gerüchte oder Geschichten, in denen eine kunterbunte Singdrossel und ein großer, blonder Ritter (und ein ohrloser Wolfshundmischling) irgendeine Rolle spielen und auch Rayyan hat einige Magiergesellen aus Serathie kontaktiert und um Unterstützung gebeten, allerdings ohne Erfolg. Seit dem letzten Brief sind inzwischen fast eineinhalb Jahre vergangen und sie wissen beide, was es bedeuten kann. Nicht muss, aber kann. Die Ungewissheit ist es, die Rayyan beinahe in den Wahnsinn treibt und wütend schlägt er mit der geballten Faust auf den Altar: "Beim Arsch deines Archonen, sag mir verdammt nochmals wo er ist?"

-Lass ihn schlafen.- Die Antwort kommt derart unvermittelt und ist so klar gesprochen, dass Rayyan für den Bruchteil eines Herzschlags glaubt, er hätte es sich nur eingebildet. Doch der Nachhall der Worte, der ihn wie geschmolzene, warme Seide einhüllt und nichts außer Trost bietet, belehrt ihn eines Besseren und mit einem wütenden Grollen schüttelt er das Gefühl von sich ab. "Schlafen? Was hat das zu bedeuten? Wo ist Colevar? Antworte gefälligst auf die Frage, du verdammter Hu…" Mit einem Keuchen sackt Rayyan halb in sich zusammen und krallt sich an den Rand des Altars, als Reifen aus Raureif sich um seine Brust legen und ihm den Atem abdrücken. -Ich lasse mich in meinem Haus nicht beleidigen, nicht einmal von dir Leyal.- Drei Herzschläge später ist die Eiseskälte gewichen und zurück bleibt nur das warnende, scharfe Prickeln, das jeder kurzzeitigen Taubheit nachfolgt. Um Luft ringend verharrt Rayyan an Ort und Stelle, darauf wartend, dass das unangenehme Gefühl von tausend Nadeln in seinen Lungen verschwindet, als sich eine Präsenz aus den Schatten der Seitengänge schält. In Erwartung von Ygerne Silberlied oder Skarmendes (beides keine Freunde von ihm) zwingt er ein sardonisches Grinsen auf seine Züge, ehe er sich aufrichtet und sich umdreht – und völlig vergisst, dass er eigentlich noch immer erbost ist über die Behandlung, die ihm der Herr des Ewigen Schlafes soeben hat zuteilwerden lassen, als er die schlanke, hochgewachsene Gestalt erkennt. "Har'adelah."

Arwen

Stadtbewohner

Posts: 1,148

Occupation: Hohepriesterin der Anukis

Location: Vinyamar

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5

Tuesday, February 17th 2015, 10:55am

Es ist schon spät, deutlich nach Mitternacht, als Arúen sich ihren Mantel nimmt und zusammen mit der Hohepriesterin des Herrn von Tod und Winter deren Räumlichkeiten verlässt. Seit dem späten Mittag ist sie hier, doch sind die Pflichten der beiden Frauen erfreulicherweise nicht der einzige Grund für die späte Stunde. Einmal in jedem Mondlauf treffen sich die Vorsteher der talyrischen Tempel um sich auszutauschen und jene Dinge zu besprechen, die nicht nur einen einzelnen Tempel betreffen, sondern mehrere oder auch alle gleichermaßen, um sicherzustellen, dass jeder von ihnen die Hilfe und Unterstützung bekommt, die er braucht. Und, nicht zu vergessen, um sich von Arúen auf den aktuellen Stand der Dinge aus den Versammlungen des Stadtrates bringen zu lassen und ihr jene Themen, Wünsche oder Nöte aufzugeben, bei denen der Rat der Stadt eingebunden werden oder zumindest davon in Kenntnis gesetzt werden soll. Anders als noch unter Vater Thrandar, die Götter haben ihn selig, hat es sich seit Arúens Berufung zur Vertreterin des Klerus im Stadtrat eingebürgert, dass das Treffen nicht immer im Anukistempel stattfindet und die anderen Tempelvorsteher zu ihr kommen, sondern sie sich in jedem Mond in einem anderen Tempel zusammensetzen. Und im Eisfrost ist es das Haus Sithechs, in dem sie sich treffen.
Vieles ist an diesem Tag besprochen worden. Die Sorgen und Nöte jener, die in den Tempel Hilfe und Beistand suchen unterscheiden sich kaum, ganz gleich, welchen Tempel man fragt. Die letzten Jahre sind gute Jahre gewesen, die Vorratsspeicher der Tempel und der Stadt sind gut gefüllt. Und auch wenn sie in diesem Jahr mehr Winterkinder als früheren Zwölfmonden betreuen, die Zahl der bedürftigen bei den Armenspeisungen gestiegen ist und in diesem Winter mehr Findelkinder als sonst auf den Stufen der Tempel gefunden werden, wird es bei umsichtigem Wirtschaften niemanden an die Grenze des machbaren bringen. Weder würden sie darben noch Bedürftige abweisen müssen. Als sie schließlich auch das letzte Thema abgeschlossen haben, sind die anderen nach der Abendandacht und einem gemeinsamen Abendessen alle in die Häuser jener der Zwölf Mächte zurückgekehrt, in deren Dienst sie stehen.

Arúen hingegen ist noch geblieben. Sie mag die stille und besonnene Art von Ygerne Silberlied. Die Menschenfrau ist ihrem eigenen Wesen so ähnlich, dass die beiden Frauen sich beinahe intuitiv verstehen und sich zwischen ihnen im Laufe der vergangenen Zwölfmonde eine Art Freundschaft entwickelt hat. Sie können gemeinsam über die Götter und die Welt reden, ernste Dinge diskutieren und sich über die neuesten Gerüchte in den Reihen der Götterdiener amüsieren oder einfach beieinander sitzen und miteinander schweigen. Was andere an der Sithechpriesterin als kühl oder gar frostig empfinden, ist für die Elbin eine angenehm gefasste Unaufgeregtheit, die keinerlei Ansprüche an ihre empathischen Sinne stellt.
Und so haben die beiden Frauen nach der Abendandacht noch in den Privaträumen Ygernes zusammengesessen, Tee getrunken und sich über das vergangene Jahr unterhalten, über Wichtiges und Nichtiges, über Schönes und Unschönes, über die Überfälle entlang des Frostweges und ob diese den Herzländern wohl in diesem Zwölfmond erspart blieben. Die Zeit ist unbemerkt und scheinbar im Flug vergangen, denn ehe die Frauen es sich versehen ist die Stunde der Mitternachtsmesse gekommen. Arúen ist noch geblieben und hat die Messe zusammen mit den Priestern Sithechs gefeiert, ehe sie ihren Mantel holt und sich auf den Weg macht, um nach Vinyamar zurückzukehren. In Anbetracht der späten Stunde und der Tatsache, dass Elthevir seinen freien Tag hat, wird sie nicht alleine durch die Straßen Talyras laufen, sondern den Weg nachhause durch das Gewirr der Zwölf nehmen. Auch wenn sie die Erlaubnis Ygernes dafür hat, will sie das Portal in das Gewirr trotzdem nicht hier in den heiligen Hallen des Totengottes öffnen. Erst vor den Toren des Tempels will sie die Macht Anukis' zu sich rufen. Für die Elbin ist das eine Frage des Respekts gegenüber dem Herrn über Tod und Winter und sie sind schließlich in keiner Notsituation, die einen eiligen Aufbruch rechtfertigen würde. Außerdem will sie vor dem Verlassen des Tempels noch Kyrom den Respekt erweisen. So wie sie es stets tut, wenn sie diesen Tempel aufsucht.

Die beiden Hohepriesterinnen haben gerade die Seitengänge verlassen und stehen zwischen den Obsidiansäulen, zwischen denen der Zugang zur Kapelle des Fährmanns liegt, als jemand den Tempel betritt und mit sich den kalten Luftzug einer Winternacht in die Stille der Halle trägt und die schwarzen Schleier zwischen den Säulen in Bewegung versetzt. Wer auch immer zu dieser nächtlichen Stunde hier Rat oder Zuflucht sucht, er kennt kein Zögern. Rasche, energische Schritte durchmessen die Halle bis direkt vor den Altar und das Bildnis Sithechs. Reglos und aufmerksam verharren die beiden Frauen, nicht um zu lauschen, sondern um den Besucher nicht in seinem Zwiegespräch mit dem Herrn des Totenreiches zu stören. Die Art und Weise, in der dann allerdings das Wort an Sithech gerichtet wird, Ton und Wortwahl, sorgen dann allerdings binnen Herzschlägen dafür, die stets gefasst und unergründliche Fassade Ygerne Silberlieds deutliche Risse bekommt. Arúen kann spüren, wie Zorn und Empörung in der Menschenfrau aufsteigen. Und sie kann es nur zu gut verstehen. Einen Gott in seinem eigenen Tempel derart zu beleidigen ist schon mehr als dreist. Aber noch ehe die Hohepriesterin aus den Schatten treten kann um dem Besucher einige Takte über angemessenes Benehmen in einem Tempel zu sagen, weiß sich der Herr des Hauses kurz und bündig und höchst wirkungsvoll selber Respekt zu verschaffen. Sie hören den Mann vor dem Altarblock aufkeuchen und können sehen, wie er halb in sich zusammensackt, während seine Hände sich haltsuchend in den Rand des Altars krallen. Beide Priesterinnen können die Veränderung um sich herum regelrecht körperlich spüren, die die geistige Präsenz Sithechs mit sich bringt und neigen respektvoll die Köpfe.
Die Sithechpriesterin will gerade aus den Schatten der Säulen treten um den Mann zumindest für diese Nacht des Tempels zu verweisen, bis er sich über das Benehmen an diesem geweihten Ort klar geworden ist, als Arúen sie mit einer Berührung am Arm zurückhält. Für einen Moment konnte sie das Gesicht des Mannes im Licht des Mondes sehen, das durch eines der Fenster hereinfällt und den Altar und die Statue des Gottes in fahles Licht hüllt. "Ich kenne den Mann. Lasst mich mit ihm reden, Ygerne. Ja, ich weiß", hebt sie beschwichtigend die Hände, "er hat sich im Ton vergriffen… Aber ich denke, Sithech hat ihm bereist klar gemacht, dass er solches in seinem Tempel nicht duldet… Er klang, als suche er nach der Antwort auf eine Frage. Und er hofft, dass der Herr von Tod und Winter diese Antwort für ihn hat. Und im selben Moment fürchtet er sich genau vor dieser Antwort." Die Hohepriesterin Sithechs sieht Arúen für einen Moment schweigend an, nickt dann aber widerstrebend. "Also gut, Arúen, redet mit ihm. Und sagt ihm, wenn er wiederkommt, soll er sich benehmen und seine Zunge im Zaum halten." "Das tue ich. Versprochen. Die Götter zum Gruße, Ygerne."

Während die Menschenfrau in einem der Seitengänge verschwindet, tritt Arúen aus den Schatten der Säulen und zwischen den Schleiern heraus und nähert sich dem Mann, in dem sie Rayyan zu erkennen glaubt. Der scheint sich unterdessen wieder gefangen zu haben und hebt auch zu keinen neuen Beleidigungen des Hausherrn an. Dafür scheint er ihre Anwesenheit bemerkt zu haben, denn er löst sich vom kalten Stein des Altars und wendet sich zu ihr um. Das sardonische Grinsen in seinem Gesicht entgleitet ihm dann allerdings binnen Herzschlägen, als er sie ansieht und offensichtlich trotz des fahlen Lichtes erkennt. >Har'adelah.< Es ist definitiv der Azurianer, auch wenn noch immer wandernde Schatten sein Gesicht wandeln. Niemand sonst würde sie so nennen. "Rayyan. T'Ayares ano Ljar." Ein Lächeln begleitet ihre grüßende Geste, während sie die letzten Schritte bis zu dem Azurianer zurücklegt. "Verrätst Du mir etwas? Ist es Leichtsinn oder Verzweiflung, die Dich dazu treibt, den Herrn von Tod und Winter in seinem eigenen Tempel zu beleidigen?"
Avatar (c) by Niniane

Die, die grundlegende Freiheiten aufgeben, um vorübergehend ein wenig Sicherheit zu bekommen, verdienen weder Freiheit noch Sicherheit.
[Benjamin Franklin, (1706 - 1790)]

Rayyan

Hänfling

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6

Tuesday, February 17th 2015, 9:00pm

Eisfrost 515

Verzweiflung oder Leichtsinn. Leicht wiegt er den Kopf hin und her, als müsse er ernsthaft über die Antwort nachdenken, ehe ein unfrohes Grinsen seine Lippen teilt und die Ehrlichkeit ihm beinahe in die Zunge schneidet, als er tonlos gesteht: "Verzweiflung." Die Bitterkeit hat sich wie Rost in seiner Kehle festgesetzt und nicht einmal ein kräftiger Schluck Feenfeuer kann das Gefühl, dass irgendetwas Schlimmes passiert ist, noch aus seinen Gedanken wegätzen. Lass ihn schlafen… Die Aussage ist derart beschissen nichtssagend, selbst Táhirihs kryptische Plaudereien mit Lystrato über Puder, Salben und Kohlestifte ergeben für Rayyan mehr Sinn. "Egal." Mit einer wegwerfenden Handbewegung wendet Rayyan sich vollständig von der Sithechstatue ab und überbrückt die wenigen Schritte, die ihn von Arúen trennen. Seit dem Sommerfest sind fast acht Monde vergangen, in denen sie einander nicht ein einziges Mal begegnet sind und trotzdem scheint die lange Zeit keine Distanz zwischen ihnen geschaffen zu haben. Sie trägt ihre schlichte, dunkelgrüne Hohepriesterrobe und hat das lange Haar am Hinterkopf mit Lederbändern zu einem kunstvollen Dutt zusammengefasst. Zwischen einzelnen, schwarzen Strähnen funkeln feine gearbeitete Schnüre aus Smaragd- und Heliodorsplitter, deren Ende die elegante Linie zwischen ihrem Hals und ihrer Schulter streifen und lichtgrüne Schatten auf ihre Haut werfen, die im winterlichen Zwielicht zwischen den Säulen wie poliertes Perlmutt schimmert. Sie ist so schön, wie er sie in Erinnerung hat und ehe sie protestieren kann, hat er auch schon einen Arm um ihre Hüfte gelegt, sie an sich gezogen und ihr einen Kuss auf den anmutigen Bogen ihres Wangenknochens gehaucht: "Es tut gut, dich wiederzusehen, Har'adelah."

Arwen

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7

Thursday, February 19th 2015, 10:42am

Eisfrost 515



So ganz mag Arúen ihm nicht glauben, dass er erst darüber nachdenken muss, ob es nun Leichtsinn oder Verzweiflung gewesen sind, die ihn zu diesen Beleidigungen getrieben haben. Bei einem Mann von seinem Selbstbewusstsein würde es sie auch nicht wirklich wundern, wenn die Antwort nun 'Leichtsinn' lauten würde. Das Eingeständnis, dass Verzweiflung sein Antrieb war kommt tonlos und mit einer Stimme, die so rau klingt wie eine rostige Feile, die über sprödes Holz raspelt. Das Grinsen, das so typisch für ihn zu sein scheint, verlässt sein Gesicht nicht gänzlich, aber es verliert jegliche Selbstgefälligkeit und ist bar jeden Spottes. Die wegwerfende Geste und das 'Egal' mit dem er sich von der Statue Sithechs abwendet können sowohl seiner Verzweiflung, als auch dem Grund dafür oder gar dem Herrn dieses Tempels selbst und seinem Eingreifen von eben gelten. Die Elbin würde auf keine der Möglichkeiten eine Wette eingehen, sondern vermutet eher, dass es alles zugleich ist. Ehe sie diesen Gedanken allerdings noch recht beenden kann, findet sie sich in einer Umarmung Rayyans wieder und wird von ihm geküsst. Auf die Wange. Rein freundschaftlich. Und doch ist Arúen froh, dass niemand außer ihnen da ist, der sie jetzt so sehen kann. Menschen neigen in solchen Dingen nur zu gerne zu Missverständnissen.

Als er sie wieder aus seinem Arm entlässt, bedeutet das nicht zwingend, dass er auch den Abstand zwischen ihnen vergrößern würde. Aber Rayyan gehört zu den wenigen Personen (und einer noch viel kleineren Anzahl Männer), bei denen ihr das nicht unangenehm ist oder es sie sich gar bedrängt fühlen lässt. "Ich freue mich auch, Dich wiederzusehen, Rayyan. Nur hätte ich mir vermutlich einen anderen Ort und einen schöneren Anlass ausgesucht." Die Götter werden wissen, wozu es gut ist. "Den Hohen Herrn Sithech zu beleidigen ist fürchte ich nur keine gute Idee, schon gar nicht in seinem eigenen Haus. Beim nächsten Mal wird es nicht nur der Hausherr selber sein, der Dich maßregelt, sondern Ygerne wird Dich höchstpersönlich und höchst weltlich hinaus befördern… Ja, wir waren beide hier und konnten die Präsenz Sithechs spüren", setzt sie erklärend nach.
Er steht so dicht vor ihr, dass sie den Kopf ein wenig in den Nacken legen muss um ihm ins Gesicht sehen zu können. Aufmerksam, fast besorgt wandert ihr Blick zwischen seinen Augen hin und her, ehe sie mit einem sachten Lächeln die Hand an seine Wange legt. "Verzweiflung ist nie egal." Als sie ihre Hand wieder fortnimmt, spürt sie die rauen Bartstoppeln an der Handfläche. Sie spricht es nicht aus, aber in ihrem Blick und in der sachten Geste, die den ganzen Tempelraum mit den Kapellen der Archonen, den Altar und die Statue des Gottes zu umfassen scheint, liegt das Angebot, dass er mit ihr darüber reden kann oder sie zusammen mit ihm schweigen wird, falls es das ist, was er will. Dass sie auch helfen oder raten würde, so es denn in ihrer Macht liegt und er das überhaupt will.
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Rayyan

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8

Sunday, March 8th 2015, 6:22pm

Eisfrost 515

"Die Flasche Hamadat ist schnell besorgt", bietet Rayyan an, als Arúen sich schönere Umstände für ihr Wiedersehen herbei wünscht. "Ich bin mir sicher Sithech hat nichts dagegen, wenn wir es uns vor seinem Altar gemütlich machen, singen und Inari ehren." Über Klatsch und Tratsch macht sich Rayyan so viele Gedanken wie immer: Gar keine. Sein schlechter Ruf ist in Stein gemeißelt und er wird den Dunklen tun, irgendetwas daran zu ändern. Wer ihn kennt, weiß um seinen Wert, wer nicht, dem kann es egal sein. "Den Hohen Herrn Sithech zu beleidigen ist fürchte ich nur keine gute Idee, schon gar nicht in seinem eigenen Haus. Beim nächsten Mal wird es nicht nur der Hausherr selber sein, der Dich maßregelt, sondern Ygerne wird Dich höchstpersönlich und höchst weltlich hinaus befördern… Ja, wir waren beide hier und konnten die Präsenz Sithechs spüren." Die Erwähnung der grauen Schachtel entlockt ihm ein trockenes Schnauben: "Ygerne." Erst vor zwei Siebentagen ist er mit der ehrwürdigen Hohepriesterin der Grauen Hallen zusammengestoßen und sie hatte ihn nach einem kurzen, aber heftigen Disput ihres Tempels verwiesen. Auch in jener Nacht war er gegenüber dem Herren von Winter und Tod ausfällig geworden, hatte für seine Lästerungen aber nur göttliches Schweigen geerntet – und sich einen priesterlichen Rüffel eingefangen. "Sithech braucht niemanden, der zu seiner Verteidigung eilt, allen voran nicht eine Frau die ganz ohne Maske an Allerseelen als Schreckgespenst durchgehen würde. Wenn ich ihm etwas nicht absprechen kann, dann sind es ein Paar gewaltige Eier." Er ist bestimmt nicht der demütigste Mensch auf Rohas weitem Rund, er bringt den Göttern auf seine ganz eigene Art und Weise den Respekt entgegen, den sie sich in seinen Augen verdient haben. Dieser kann in unkundigen Ohren allerdings fälschlicherweise auch als Häresie und Ketzerei missinterpretiert werden. Es ist auch nicht die Bestrafung, die Rayyan erzürnt (denn er weiß ganz genau, wann er etwas verdient hat und wann nicht), sondern die anhaltende Ungewissheit, in welcher Sithech ihn schweben lässt.

Ihre Geste, mitfühlend, tröstend, aber ganz und gar unschuldig, vertreibt für einen Herzschlag lang die Dunkelheit, die direkt hinter dem nagenden Gefühl lauert, wenn ihre Worte ihn auch nicht unbedingt berühren. "Verzweiflung ist nie egal." "Ajwa, und die Götter erhören jedes Gebet", schnalzt er sarkastisch und fängt ihre Finger ein, ehe sie diese zurückziehen kann, denn die Kühle ihrer Haut ist eine willkommene Abwechslung zu der Hitze seiner Rastlosigkeit, die ihn überhaupt erst hierher getrieben hat. Überhaupt freut er sich sie zu sehen, dabei ist das Einzige, was sie verbindet eine halbe Flasche Hamadat und eine Handvoll vertrauter Worte zwischen zwei Bissen (und eine denkwürdige Gesangseinlage, die mit einem Kuss belohnt worden war). "Ich habe darüber nachgedacht dich in deinem Tempel zu besuchen", gesteht er, drückt einen Kuss auf ihren weichen Handballen und lässt ihre Finger los: "aber ich fürchte mein Gesang hätte selbst die götterfürchtigsten Betenden vertrieben." Obwohl es immerhin als Versuch gewertet werden könnte, die Stimmung zu heben, gibt sich Rayyan keine sonderliche Mühe zu verbergen, dass er eigentlich überhaupt nicht zum Spaßen aufgelegt ist und als er ihrer vorsichtigen Geste gewahr wird, holt er innerlich tief Luft.

Blind für sein eigenes Temperament ist es letztendlich die Anzahl der Streitigkeiten zwischen ihm und Táhirih, zwischen ihm und Olyvar und generell zwischen ihm und irgendwem anders, die ihm vor Augen führt wie unleidlich er ist und es wird Tag für Tag schlimmer. Allein ist er damit nicht. Die halbe Steinfaust müht sich um Haltung, während man eigentlich nur jeden einzelnen verdammten Raben aus dem Norden in die Mangel nehmen möchte. Trotzdem erschwert es ihm das Leben und nur weil Rhordri Verständnis für seine aufgestauten Aggressionen hat, heißt das noch lange nicht, dass der alte Kastellan ihm alles durchgehen lässt, weshalb er nun schon seit einem Siebentag in die tiefsten Gewölbe der Steinfaust verbannt wurde, wo er seinen gefährlichen Frust an dem Stein und der Stille auslassen kann. Geredet hat er mit niemandem, vor allem deshalb nicht, weil er eigentlich gar nicht wahrhaben will, dass Colevar etwas passiert sein könnte. Eine trockene Stimme in seinem Hinterkopf gibt zu Bedenken Worte könnten keine blauen Augen schlagen, vielleicht solle er es einfach mal versuchen, bevor die nächste Prügelei einen sofortigen Rauswurf nach sich zieht (denn dummerweise gibt es keine Tunnel, die noch tiefer und abgeschiedener liegen, als die, in denen er derzeit alleine vor sich hinarbeitet).

Er spricht, bevor er sich wirklich entschieden hat, wendet sich dabei allerdings in Richtung Ausgang, denn er will gar nicht länger als nötig in den Hallen des Grauen verweilen, und wie immer entbehren seine Worte jeder Zurückhaltung: "Sag mir was es bedeutet, wenn der Gott der Ewigen Schlafes sagt: Lass ihn schlafen, und das über einen Mann, der seit über einem Jahr verschollen ist." Die Frage verlangt nach einer Antwort und zwar nach einer eindeutigen, lässt keinen Spielraum für das übliche klerikale Geschwafel und die, nach Rayyans Meinung unter Gottesdienern viel zu beliebten, hypothetischen Interpretationen.

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Arwen

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9

Tuesday, March 10th 2015, 8:26pm

Eisfrost 515

Sein Vorschlag, wie sie die Nacht mit Hamadat fortsetzen könnten, entlockt Arúen nur ein Zucken der Mundwinkel, das man selbst mit bestem Willen nicht als Schmunzeln oder gar Lächeln bezeichnen könnte. "So, wie mir Inari im letzten Sommer mitgespielt hat, wohl kaum… Ihre Feuer sind nicht für mich bestimmt." Die Worte sind heraus, ehe die Elbin sie einfangen und wegsperren kann. Und ein ferner Hauch von Bitterkeit klingt kurz in ihrer Stimme mit, ehe sie mit einem tiefen Luftholen das für sie unerfreuliche Thema rigoros zur Seite schiebt.
Rayyans höchst unverblümte (und unkonventionelle) Art, seinen Respekt für den Herrn von Tod und Winter in Worte zu fassen, schafft es dann aber doch, die Elbin zum Lächeln zu bringen. Sie selber hätte es mit Sicherheit nicht so formuliert, aber sie versteht, was er meint.

"Doch, die Götter erhören jedes Gebet", widerspricht sie dem Sarkasmus seiner Worte. "Nur erfüllen sie nicht jede Bitte, die an sie herangetragen wird… Und manchmal sind wir auch einfach nur nicht in der Lage, zu erkennen oder zu verstehen, auf welche Art und Weise sie unsere Bitte erfüllt haben." Als er ihre Hand einfängt und ihr einen Kuss auf den Handballen drückt, lässt sie ihn mit einem Lächeln gewähren. Der Azurianer schafft es mit seiner Art innerhalb von Minuten, dass sie sich entspannt und einfach sie selber sein kann (und darf) - etwas, das er auch schon im Sommer getan hatte. "Du bist jederzeit im Tempel willkommen, Rayyan… Und sooo schlecht ist Dein Gesang aber nicht, dass er die Gläubigen aus der Andacht vertreiben würde. Zumindest, wenn ich mich richtig erinnere. Aber es steht Dir wie jedem anderen auch frei, eine Andacht aufzusuchen und die Gesänge stumm zu begleiten…", der Humor seiner Worte ist so offensichtlich vorgetäuscht, dass Arúen nur zum Teil darauf eingeht, "Oder Du suchst die Hallen Anukis' auf, wenn sonst niemand dort ist. Manchmal hilft es der Seele zur Ruhe zu kommen, wenn man sich erlaubt der Stille des Tempels zu lauschen." Als er ihre Hand an seiner Wange festgehalten hat, ist sie ob der späten Stunde und ihrer Müdigkeit für einen Moment nachlässig in der Abschottung ihrer Sinne gewesen und das Echo seiner Rastlosigkeit, die verzweifelte Suche nach einer Antwort hat sie gestreift.

Rayyan antwortet nicht sofort, sondern wendet sich dem Ausgang des Tempels zu. Er scheint nicht vorzuhaben, noch länger in den Hallen Sithechs zu verweilen. Auf halbem Weg zum Türportal platzt dann der Grund seiner Frustration aus ihm heraus - oder zumindest der Auslöser für seine ausfallenden Worten gegenüber dem Herrn über Tod und Winter.

>"Sag mir was es bedeutet, wenn der Gott der Ewigen Schlafes sagt: Lass ihn schlafen, und das über einen Mann, der seit über einem Jahr verschollen ist."<

Bitterkeit. Hoffen. Verzweiflung. In den Worten des Azurianers klingt so viel mit, in ihnen liegt ebensowenig Zurückhaltung wie in dem Sturm der Emotionen, der von ihm ausgeht und der Arúen trifft wie ein schmerzhafter Hagel aus feinen Eisdornen auf bloßer Haut. Er scheint die Frustration schier aus jeder Pore zu atmen. Götter, er braucht keine Antworten, er braucht einen Sandsack, an dem er seinen Frust abreagieren kann. Oder jemanden, der ihm körperlich gewachsen ist und mit dem er sich eine Prügelei liefern kann. Für einen Moment verharrt sie im Schritt und muss sich gegen die Heftigkeit seiner Empfindungen wappnen, während sie gleichzeitig nach einer Antwort sucht. "Ich weiß es nicht, Rayyan." So einfach, so ehrlich - und doch so unzureichend. Aber sie weiß es wirklich nicht. "Wir Elben können weder schlafen noch träumen. Ich weiß nicht, was Schlaf oder was zu schlafen für Menschen bedeutet, Rayyan. Unser Wort für 'Schlaf' ist 'Lormor, es bedeutet wörtlich übersetzt 'Kleiner Tod'… Es geht um Sire Colevar, oder?" Arúen pflegt Freundschaften mit Familie Blutaxt ebenso wie mit Diantha und deren Familie, die allgemeine Sorge und die Vielzahl an Bemühungen um an Informationen über den Verbleib des Mannes und seiner Begleiterin zu gelangen kann ihr unmöglich entgangen sein. "Sithech ist nicht Llaeron, er ergeht sich gemeinhin nicht in kryptischen Andeutungen. Ich denke… hoffe,… dass es bedeutet, dass Sire Colevar nicht tot ist und Hoffnung für eine Rückkehr besteht. Aber wissen tue ich es nicht. Ich kann Dir keine Gewissheit geben, weder die, auf die Du hoffst, noch die, die Du fürchtest." Sie sind nicht stehen geblieben, und als Arúen dem Mann nun direkt in die Augen sieht, stehen sie am Portal des Tempels. "Sollen wir irgendwo etwas trinken gehen." Willst Du reden? ist das unterschwellige Angebot hinter den Worten. Und ganz gleich wie dreist und oberflächlich er auch tun mag, während des Sommerfestes hat Arúen eine Ahnung davon bekommen, dass er hinter dieser Fassade durchaus feinfühlig ist.
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Rayyan

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10

Wednesday, April 22nd 2015, 8:51pm

Eisfrost 515

"Ich weiß es nicht, Rayyan." Ihre sturmgrünen Augen verheimlichen nichts, ihr offener Blick gibt, was er zu geben hat. Trost, Mitgefühl und die Einladung, dass er sich ihr anvertrauen kann. Nur keine Antwort auf seine Frage. "Natürlich nicht." Mit einem herablassenden Schnauben wendet er sich von ihr und der Wahrheit ab. Das hat sie nicht verdient und er weiß es, aber für Vernunft ist er schon viele Tage nicht mehr zugänglich und ganz bewusst schließt er die Hände zu Fäusten, um dem Drang, irgendwelche Marmorhälse umzudrehen, nicht doch noch nachzugeben. In seinem Rücken hört er Arúen tief einatmen und nach Worten suchen, wo keine sind: "Wir Elben können weder schlafen noch träumen. Ich weiß nicht, was Schlaf oder was zu schlafen für Menschen bedeutet, Rayyan. Unser Wort für 'Schlaf' ist 'Lormor, es bedeutet wörtlich übersetzt 'Kleiner Tod'… Es geht um Sire Colevar, oder?" Seine Eingeweide verkrampfen sich zu einem formlosen Klumpen, als er die Definition des elbischen Wortes für Schlaf hört und er kann spüren, wie die Sorge um Colevar Stück für Stück seine Fassung abträgt. Nicht die dünne Haut, die sich direkt über seine Nerven spannt und die nicht mehr ist als etwas Selbstachtung und ein Hauch von Arroganz. Die eherne, fast schon herrische Ruhe darunter, aus Stolz geboren und in Selbstdisziplin über viele Jahre zu genaue der unberechenbaren Zurückhaltung geformt, die seinen Jähzorn umso gefährlicher macht. Unfähig etwas zu sagen, nickt er nur, dabei fällt sein Blick auf die Statue Llaerons, eine geisterhafte Gestalt, halb Schatten, halb Schnee, erhellt von dem flackernden Schein von zwei Dutzend Kerzen, deren Licht in seiner Gegenwart kühl und irgendwie fahl wirkt. Genauso wie sein Bildnis.

Als ob Arúen seinem Blick gefolgt wäre, spricht sie weiter und er hört ihr zu, klammert sich an ihre Stimme wie ein Ertrinkender an einen Rettungsring. "Sithech ist nicht Llaeron, er ergeht sich gemeinhin nicht in kryptischen Andeutungen. Ich denke… hoffe,… dass es bedeutet, dass Sire Colevar nicht tot ist und Hoffnung für eine Rückkehr besteht. Aber wissen tue ich es nicht. Ich kann Dir keine Gewissheit geben, weder die, auf die Du hoffst, noch die, die Du fürchtest." "Ich fürchte sie nicht", korrigiert er und fühlt sich plötzlich unsäglich müde, wie nach einem tagelangen Kampf gegen einen übermächtigen Feind, unter dem sowohl seine Kraft als auch seine Moral gelitten hätten. In einer nichtssagenden Geste hebt er die Schultern leicht an, fast so als wolle er Luft holen, dann verschränkt er die Arme vor der Brust und sieht sie wieder an. "Ich fürchte die Wahrheit nicht, Har'adelah. Ich kann mit seinem Tod leben. Was ich nicht kann, ist in der Ungewissheit dahinsiechen. Nicht noch einmal." Das erste Mal hat die Ungewissheit ihm einen langen Aufenthalt im götterverlassenen Eis von Nirmonar eingebracht. Eine Rückkehr dorthin gibt es für ihn nicht mehr. Er ist gezeichnet und wenn er sich noch einmal derart vergisst, wie damals, vor mehr als zwanzig Jahren, dann wird er dafür mit seinem Leben bezahlen. Und trotzdem wirst du es tun. Du wirst in den Norden marschieren und keinen Stein auf dem anderen lassen, bis du Colevar gefunden hast. Du warst schon immer ein Narr. Eine leise Stimme in seinem Hinterkopf (die erschreckend nach Táhirih klingt) frotzelt eine Bestätigung.

"Sithech hat gesagt: Lass ihn schlafen", greift er zurück, um etwas Abstand zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit (und ihrer erschreckende Ähnlichkeit) zu schaffen. " Das waren seine exakten Worte." Die Hoffnung liegt zwischen den Zeilen, obwohl Rayyan sie dort gar nicht haben will, doch egal wie er es dreht und wendet, es ergibt einfach keinen Sinn. Gar nicht. Nicht einmal wenn Colevar ein Langschläfer wäre (was er nicht ist). Arúen reißt ihn aus dem Strudel seiner Gedanken, der ihn immer tiefer in düstere Gewissheiten, nagende Zweifel und halbdurchdachte Möglichkeiten zieht, wo irgendwo ganz tief unten der Wahnsinn schlummert, dem so mancher Mann schon anheimgefallen ist. "Sollen wir irgendwo etwas trinken gehen." Das Angebot ist aufrichtig, obwohl es schon weit nach Mitternacht ist und sie wahrscheinlich tausend andere Dinge zu tun hätte, als seinen Ballast zu stützen. Doch seine Aufmerksamkeit in dieser Hinsicht hält nicht lange an und weicht dem Egoismus, der ihn schon dazu gebracht hat sie mit einer Flasche Hamadat abzufüllen. Wieder nickt er nur, wartet dann, bis ein junger Novize, der bislang unsichtbar im Schatten der Tempelgänge gewartet hat, ihr ihren Mantel gereicht hat, zieht sich die eigene Kapuze tief ins Gesicht und bedeutet ihr ihm zu folgen.


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Bregond

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11

Saturday, February 20th 2016, 9:50pm

Wie jeden morgen seit Monaten geht er auch heute wieder den Weg zum Tempel durch die Stadt, er wählt immer den selben Weg immer zur selben Stunde, kennt inzwischen jeden der an diesem Weg wohnt oder Arbeitet. Ab und an hält er für einen kurzen Schwatz an einem der zahlreichen Stände, selten kauft er etwas und wenn sind es Besorgungen für Lyona die mehr und mehr zur guten Seele des Fliegengrundes wird und von vielen der ärmsten dafür verehrt wird das sie sich so aufopfert. Bregond selber geht seiner Arbeit auch wenn nur selten ein Kunde kommt der seine Silberarbeiten zu würdigen wissen, die meisten kommen mit zerbrochenen oder beschädigten Eisenwaren zu ihm. Natürlich würde er er lieber filigraner Arbeiten, doch diese Leute bezahlten mit harter Münze, nicht immer bekam man das was man wollte und musste sich mit dem begnügen was die Götter ihm anboten.
Die Götter sind ein seltsamer Haufen, wie Kinder scheinen sie ihm. Kinder die spielen,streiten um sich dann wieder zu versöhnen. Rachsüchtig waren sie alle, nachtragend die meisten und wehe man nahm ihnen eines ihrer Spielzeuge weg. Der Elb schmunzelt als er das große schwarze Gebäude vor sich sieht, er war auch nicht besser oder schlechter als die anderen, nur ihm konnte auf kurz oder lang niemand entkommen, er war war und ist endgültig. Freundlich grüßt er den Gärtner der unter den Weiden das Laub zu einem Haufen recht.
Als er das erste mal mit Schattentod in den Tempel kam, wurde viel mit ihm geredet, es wurden ihm Geschichten erzählt und Geheimnisse offenbart, aber es wurde ihm auch eine große Verantwortung auferlegt. Es sei eine große Ehre die Klinge zu tragen und keine Schande sie offen zu zeigen hatte man ihm gesagt, seit diesem Tage trägt der Elb die Klinge bei jedem seiner Besuche im Tempel. Nie ist ihm der Gedanke gekommen als Dämonenjäger in die Welt zu ziehen, er möchte ein ruhiges Leben führen, seinem Handwerk nachgehen und die Beschützen die ihm nahe sind, dennoch hat er sich bereit erklärt an den Waffenübungen der Tempelritter teil zu nehmen, ihre Lehren und Regeln zu erlernen. Mit der Klinge an seiner Seite konnte er schon immer recht gut umgehen, doch was die Lehrmeister ihm an Wissen und Fertigkeiten vermittelten war von unschätzbare Wert, noch nie traf die Redensart – Übung macht den Meister – so treffend wie bei dem dunklen Elben.
Doch heute würde er nicht die Klingen mit einem seiner Mitschüler kreuzen, heute ist der Tag des Gebets, bis zur Mittagsstunde würden sie die Zeit in Meditation verbringen, nach einem Mahl ist es Zeit für die Schriftrollen und der Arbeit und Pflege der Gräber. Die Toten zu Ehren und sie in Gedenken zu halten ist das eine, ihre letzte Ruhestätte in Ordnung zu halten das andere, eine einfache Arbeit die den Geist frei macht, so hatten ihm die Priester es ihm gelehrt. Eine Ehre und Pflicht die er inzwischen gerne und nach bestem Gewissen nachgeht.
Müde von der Arbeit geht er an diesem Abend wieder nach Hause, er nimmt den selben Weg wie immer, nimmt sich die Zeit für ein kurzes Gespräch mit einem Gerber aus der Nachbarschaft, kauft noch ein Laib Brot bei einem Bäcker und freut sich auf ein wärmendes Kaminfeuer und einen guten Kräuterlikör.
Scharfe Schwerter schneiden sehr, scharfe Zungen noch viel mehr.

Bregond

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12

Sunday, February 21st 2016, 11:27am

Khalkhis von Klingenfall steht mit gebeugten Schultern hinter ihm, ein leises verächtliches schnauben ist der einzige Kommentar auf Bregonds Frage. Der Elb weiß das der Priester ihm keine Antwort geben wird auf eine Frage die er selber beantworten konnte wenn er sich nur selbst etwas mehr anstrengen würde. Seit mehr als einer Woche schon versuchte er eine der Tempelschriften zu übersetzen, er verstand die Sprache, las jedes Wort deutlich und in der richtigen Aussprache und dennoch verstand er deren Inhalt nicht, die Bedeutung der Worte, die wahre Bedeutung konnte er nicht fassen, er martert sich das Hirn bis er glaubt das ein eisiger Pfeil seinen Kopf durchbohrt, das konnte doch alles nicht so schwer sein.
„ Versucht nicht es zu erzwingen Finsterschimmer, lasst es zu“ die Stimme des alten Mannes ist leise und brüchig, seine Zeit neigt sich dem ende zu und schon bald würde er seine letzte Reise antreten und seinem Herrn entgegen treten, dennoch nimmt er sich jeden Tag die Zeit für eine private Stunde mit Bregond, versucht ihm die Lehren Sithechs näher zu bringen. „ Lasst es gut sein, für heute. Geht hinaus und fegt den Tempelhof, das wird den Knoten in eurem Kopf lösen.“
Behutsam legt er das Buch zur Seite und nickt sachte, es hatte eine Zeit gegeben in der er auf eine solche bitte mit Verachtung reagiert hätte, heute jedoch geht er ohne widerrede hinaus, er wußte das der Priester recht hatte, er wußte das er lernen musste los zu lassen, sich gehen lassen und sich selber und anderen zu vertrauen, all dies wußte er und dennoch konnte er es immer noch noch nicht.

„ Eine ehrliche Arbeit schadet selbst dem mächtigstem Krieger nicht und selbst wir Priester dienen dem schwächsten, den nur wer für andere einsteht die es selbst nicht können ist es wert in Liedern besungen zu werden.“ Wie jeden Nachmittag sitzen die beiden unter der großen Weide, der Priester in ein dickes Fell eingehüllt mit einem warmen Wein in der Hand. „ Das ist nicht was ich möchte, ich möchte denen die mir nahe stehen ein guter Freund sein, ich möchte sie vor Unheil bewahren. Nicht in Liedern besungen werden, aber in ihren Herzen ein gutes Gefühl hinterlassen.“
Khalkhis lächelt und schaut Bregond lange an bevor er antwortet. „ Ist es nicht das, was jeder gute Vater für seine Familie möchte? Deine Gedanken und Gefühle sind nicht verwerflich, nein sie zeigen das dein Herz nicht so dunkel ist wie deine Haut. Aber du trägst eine größere Verantwortung als nur für die, die du liebst. Du hast eine Aufgabe, auch wenn sie sich mir und dir noch nicht im ganzen offenbart haben mag bist du mehr als der Silberschmied vom Turm des Verrückten, du bist der Träger von Shunjamôr und als solcher musst du deinen Geist öffnen, es reicht nicht das du weißt wie man eine Waffe führt nein sie muss zu einer Verlängerung deines Willen werden und dieser muss stärker sein als der härteste Stahl, du musst lernen dir zu Vertrauen.“ Kurz hält er inne dann steht er auf und ohne sich noch einmal zu ihm um zu drehen spricht er leise „ Bevor du das nicht kannst bist du hier nicht mehr willkommen, komme wieder wenn du bereit bist!“
Scharfe Schwerter schneiden sehr, scharfe Zungen noch viel mehr.

13

Thursday, April 6th 2017, 11:45pm

31. Varmtha 517, zur Stunde des Wolfs…

Neben der hinter ihm wieder zugefallenen schweren Pforte lehnt Dar sich aufatmend gegen das Innere des Tempels. Endlich spürt er wieder festen Stein um und über sich, beinahe als wäre er wieder in Ukr Usthor, wieder daheim. Dar hatte den Fehler begangen und auf dem gar nicht einmal so weiten Weg vom Turm des Verrückten hierher nach oben geschaut. Es war eine wolkenlose und klare Nacht und die Sterne über ihm und die Monde, sie schienen ihn höhnisch wirbelnd zu umtanzen und die leere Weite zwischen den Sternen, der man nachsagte, das sie des Namenlosen Geburtstätte gewesen sein sollte, sie schien ihn wie magisch anzuziehen, auf das er bis in alle Ewigkeit in das dunkle und kalte wirbelnde und leere Nichts stürzte und stürzte und stürzte und … Stakkattoartig trommelten Dars Stiefel über die Pflastersteine, dann den nur mehr fest gestampften Boden, dann die silbergrasbewachsene Erde und immer weiter! Dars Atem kam ihm nur mehr stoßweise und pfeiffend über die Lippen, derweil erst die letzten Häuser, dann die ihn höhnisch umtanzende Weite des nächtlichen Himmels hangabwärts und schließlich altersschwere Bäume, Krypten und Mausoleen ungesehen an dem panisch flüchtenden Fro'Gar vorüber huschten. Und inmitten all dieser Kakophonie aus Bewegung und Weite stand plötzlich dieser, selbst in der Dunkelheit der Nacht tiefschwarze Bau vor ihm! Doch statt der unerträglichen weiten und leeren Schwärze über ihm, versprach jenes Dunkel voraus Schutz und Ruhe und laut keuchend rannte Dar weiter darauf zu, als wären alle Dämonen der Unterwelt ihm auf den Fersen. Waren es Blaumäntel gewesen oder Priester, die das Eingangstor geöffnet und hinter ihm wieder geschlossen hatten ohne ihn in seinem Lauf mit Fragen aufzuhalten, die er jenem Zustand sowieso nicht hätte beantworten können? Dar wusste es nicht. Doch die Gestalten die nun aus dem Halbdunkel auf ihn zu huschten, bis deren schwachen Augen ihn erkannten und die sich dann wieder zurück zogen, sie waren zweifelsohne Priester.

Kauernd hockt Dar in einer Ecke neben dem Eingangsportal, drückt sich regelrecht gegen das Gestein in seinem Rücken, zieht sich vor jeder Gestalt weiter zurück, die in gewissen Abständen sich ihm zu nahen versucht, bis er schließlich den verlockenden Duft von Anirian und Goldblume aus der Dunkelheit auf sich zuwehen riecht. Doch statt ihn zu bedrängen oder ihm mit Predigten zu kommen, die er bei aller Liebe zu Sil und dessen Geschwistern, schon daheim nicht hatte hören mögen, drückt die Mogbar-Frau ihm das Heißgetränk nur stumm in die Hand und lässt ihn damit alleine, wissend, das der Duft des Tees alleine schon seine Wirkung täte, selbst wenn Dar etwa nicht davon tränke. Doch Dar weiß sehr wohl, das es genau das braucht und langsam, mit jedem Schluck, kehrt sein Verstand ein Stück weit mehr zu ihm zurück. Um die letzte Unruhe abzuschütteln und in dem Bemühen die vergessenen Namen, wegen der er doch überhaupt nur in erster Instanz den Tempel hatte aufsuchen wollen, wieder zu erinnern, erhebt sich Dar schließlich, die leergetrunkene Tasse zurück lassend und streift im Tempel umher. Den blanken festen Stein hinter sich zurücklassend schaudert er vor den in einem leisen Nachthauch sich bewegenden silberdurchwirkten schwarzen Seidenbahnen, doch sieht er die von aus schwarzem Marmor, Achat und Obsidian getragene schwere Decke des Tempels über sich und weiß das ihn so höhnisch verlacht habende blendende Mondlicht hinter den Bleiglasscheiben weitestgehend ausgesperrt und sein Atem beruhigt sich weiter, derweil Dar die Reihe der Statuen abschreitet. Selbst in den die Säulen spiralförmig umlaufenden Kerzenhaltern brennen jeweils nur die untersten Kerzen zu dieser späten Stunde und außer Dar und den Priestern scheint sich momentan niemand im Tempel aufzuhalten. Letztere behalten ihm wohl im Blick, lassen ihn aber doch allein, da er sich offenkundig noch nicht ganz vom erlebten Schrecken befreit hat. Dar weiß nicht so wirklich etwas von Sils Geschwistern und deren Archonten, so das er sich gar nicht anders kann, denn sich einfach und unvoreingenommen dem reinen Eindruck der Bildnisse Sils und seiner Archonten hinzugeben.

Sitech selbst ist natürlich in der zentralen Statue wiedergegeben und da er ein Bruder Sils ist und Dar in dessen Hause eine kurzzeitige Zuflucht gefunden hat, neigt dieser vor der Statue Sitechs und seines Raben kurz das Haupt und schreitet dann weiter. Eine Frau, so weiß, wie reinstes Arsenik und mit Reifkristallen im Haar. Dar betrachtet sie kurz, neigt erneut den Kopf und schreitet weiter. Das nächste Bildnis: Einen Moment glaubt Dar die Spenderin des Tees vor sich zu sehen, doch diese steinerne Gestalt würde sich wohl nur durch direkte göttliche Intervention jemals erheben. Und doch. „Habt Dank für den Trank der Goldblumen.“ wispert Dar in leisem Zardakh, ehe er weiter schreitet. Die nächste Statue ist fraglos in ihrer Bedeutung und doch bleibt Dar hier mit am längsten stehen. Das Rascheln der Flügel der Falter hat etwas Enervierendes, das Brennen der purpurnen Flammen etwas Unheimliches und doch trägt die Dunkelheit in seltsamer Art dazu bei, das sein Atem sich mehr und mehr beruhigt. Wieder neigt Dar schließlich wortlos das Haupt und schreitet weiter. Die nächste Gestalt, halb dies, halb das, kann Dar von allen bisherigen Statuen am wenigsten einordnen und das die katzenartigen Gestalten zu deren Füßen wiederum beschwingt sind, gemahnt ihn nur mehr an seinen kürzlichen Lauf und die ihn getrieben habende Furcht. Rasch schreitet Dar weiter und neigt widerwillig nur, nach merklichem Zögern, das Haupt vor dieser Statue. Und dann, die Pestmaske und die ungleichen Augen der koboldhaften letzten Gestalt. Der Blick scheint ihn, Dar, regelrecht zu verhöhnen und wieder glaubt er, die Welt um ihn her sich in einen Wirbel gen Himmel fallend auflösen zu sehen und doch kann er sich nicht von dieser letzten Statue losreißen, derweil sein Blick nun aber mit jedem Atemzug trotziger wird.

„Sarunir, der Herr über Krankheiten und Wahnsinn.“ erklingt sanft die Stimme eines Priesters hinter ihm auf. „Hat er euch heute hierher in den Tempel geführt, Herr...?“ und mit einem Mal erinnert Dar sich wieder des Grundes seines Eintreffens. „Dar – und nein, nicht er, sondern die Hoffnung, das Ihr mir etwas über Khalkhis von Klingenfall und seinen Leumund hier im Hause berichten könntet und die Hoffnung, das er noch nicht ruht und mich zu sprechen eventuell bereit wäre brachten mich eigentlich hierher.“ – Auch wenn ich nach »dem« Auftritt hier gerade, eigentlich auch gleich wieder gehen kann. Würde doch selbst ich mir grad wohl nichts Gefährlicheres als einen kleinen Moorlemming höchstens noch anvertrauen mögen, so wie ich hier grad rein gestürmt bin. Und Dar überlegt bereits ernsthaft die Sache mit dem Dämonenkompass aufzugeben, während der Priester, wie er versprach, mal sehen ging, was sich da machen ließe. Doch im Umdrehen bereits begriffen, streifen Dars Auge nochmals jene letzte Statue Sarunirs, dessen verschiedenfarben funkelnden Augen ihn regelrecht zu verhöhnen scheinen und wieder stieht sich darob der Trotz in Dars Gesicht. »Und komm nicht wieder, ehe du deine Schande wieder wett gemacht hast!« hatten sie ihn geheißen. Nicht wieder zurückzukehren hieß aber sich endgültig damit abzufinden unter dem Himmel dort draußen zu bleiben, bis ans Ende aller Zeiten… „Nein!“ grollt Dar in Zardakh und stapft fort von diesem – Sarunir und lässt sich nahe der Hauptstatue auf dem Boden nieder, den Rücken gegen eine der Säulen gelehnt und versucht die noch immer in ihm schwelende Angst zu unterdrücken, derweil er die sich während seines Laufes hierher gelockert habenden Lederbänder um Hand- und Fußgelenke erneut prüft, respektive festzieht. Oder sollte ich nicht doch besser gehen, bevor ich mich noch – wirklich – lächerlich hier mache?
“Siehst du einen Riesen, so prüfe den Stand der Sonne und gib acht, ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist.”

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14

Sunday, April 9th 2017, 1:15pm

„Folgt mir, die Anirana erlaubt einen Besuch.“ Nicht wissend, wovon der Priester da spricht, folgt Dar diesem in den offenkundig nicht länger öffentlichen Trakt des Tempels, vorbei am Schlaftrakt der Novizen – „Schlafen sollt ihr! Padraigh, dafür darfst du morgen die Latrinen säubern und wenn du nicht sofort wieder in die Federn steigst, gerne auch noch den restlichen Siebentag!“ –, am refugium da die Toten auf ihre Bestattung vorbereitet, gewaschen, gepudert und parfümiert werden – „Bis zur Treppe nun bitte keinen Laut. Die schweigenden Schwestern, Ihr versteht.“ –, an einer Bibliothek vorbei – „Hier entlang bitte, Herr Zwerg, man erwartet uns … jetzt bitte!“ – und etliche weitere Flure und an weiteren interessanten Räumen, inklusive einer alchemystischen Küche – „Herr Zwerg, bitte!!!“, bis schließlich, direkt hinter einer kleinen Apotheke: „Hier bitte. Und läutet bitte hiermit“ der Priester reicht Dar eine Messingfarbene Handglocke, „… e i n m a l –, wenn ihr wieder zu gehen wünscht!“, verabschiedet sich Skarmendes, der ob seiner direkten – dir Oberweltler würden wohl strengen eher sagen – Art, Dar angehemst an Daheim erinnert.

Hinter der sich in Dars Rücken schließenden Tür, tut sich ihm eine kleine, wie äußerst behagliche Krankenstube auf, darin sich vier weiche Betten finden, die um einiges behaglichet ausschauen, denn die auf dem Weg passierten Betten der Schlafsäle. In einem Kamin brennt ein den Raum wärmendes wohliges Feuer. „Willkommen Bruder Zwerg, nehmt doch bitte Platz.“ weist ihn eine dunkelhaarige ältere Frau mit indes ergrauten Augenbrauen und einer kreisrunden schwarzen Tätowierung auf der Stirn in Zardakh an. Erstaunent blickt der einzige Patient in dem Raume zu der Priesterin Faêyris um – ebenfalls in Zardakh – zu erwidern: „Ihr sprecht – aber woher, ich wusste n- nicht dhas Ihhhhr.“ Dar tritt näher an das Bett heran und betrachtet den Mann vor sich eingehend. Was dessen verwaschene Aussprache schon angedeutet hatte, das zeigten auch der einseitig herabhängende Mundwinkel und die unnatürlich geweitete eine Pupille. „Herr, euch hat der Schlag getroffen. Ihr braucht Ruhe! Ich, ich wusste nicht das...“ erwidert Dar in der hiesigen Handelssprache und will schon die Glocke schwingen, sich zu empfehlen, als sich sanft die Hand der Frau auf die seine legt. „Was der Herr Archivar braucht, das ist milde Anregung der Denkkraft, der Stimme und Wachheit! Also bleibt!“, bestimmte die Anirana. Ausserdem bat Skarmendes darum, einen Blick auf den seltsamen Gast zu werfen und zu bestimmen ob Gift oder Kraut oder Krankheit dessen Geist umfangen hielten oder ob er — im schlimmsten Falle – zu seinem Wohle, wie auch dem Anderer, in ein Heim unter Sarurnirs Schutz gestellt gehört. Doch diesen Gedanken behält die Anirane wohlweislich für sich, derweil sie die geweiteten Pupillen Dars als erstes Syptom einer möglichen Erkrankung und/oder Vergiftung vermerkt und sich der weiteren Auswirkungen etwa der Tollkirschvergiftung zu erinnern bemüht, derweil ihre beiden Patienten eine nicht minder ernste Diskussion beginnen.

„Ah-hahahaha, wieviel habt ihr für den vermeintlichen Zauber bezahlt?“ lacht Khalkhis und erfreut bemerkt Dar das keine Kopfschmerzen den Kranken darob zu befallen scheinen. Hat die Heilerin sein Blut verdünnt, das der böse Geist seinen Kopf so rascher verlassen kann?, als die Anirana in seinem Rücken ein kupfernes Geschirr plötzlich fallen lässt und, sein nicht unangemessenes Zusammenfahren beobachtend, sich für ihre vermeintliche Ungeschicklichkeit entschuldigt. „Ach, egal, Herr Zwerg. Was auch immer Ihr für den angeblichen Zauber zur Schaffung eines Dämonenkompasses bezahlt habt, es war zu viel. Sagt, war es vielleicht Ryliats Zauber, oder Belchegors Geheimnis, oder war es etwa…?“, zählt Khalkhis die ihm bekannten falschen Aktivierungszauber zur angeblichen Schaffung des Dämonenkompasses auf, zu dessen Vorbereitungen der Zwerg seinen Segen doch erbittet, um dann jedoch zu schweigen, als er den Namen des Leihmeisters vernimmt. – Schweigend verfolgt die Heilerin das anschließende Gespräch, das sich zwischen den beiden entspinnt, als sie schließlich das blutverkrustete Haar des Fro'Gars erblickt und, ohne das Gespräch zu unterbrechen, darauf beharrt, sich jener Verletzung auch anzunehmen. Katzenkrallen! Zu frisch in erster Linie es verursacht zu haben, aber wenn er schon häufiger mit Katzen Umgang hatte? Nach dem vierten Teil einer weiteren Stunde ist die Heilerin gewiss und verlässt kurz die Krankenstube, die ihre Antwort erwartenden Priester zu beruhigen. Es brauchte keine starken Männer den Irrsinnigen oder schlimmer noch Drogenkranken mit Gewalt fort zu schaffen. Nein, was es alleine brauchte, war eine fähige Heilerin.

„Ich stimme euch darin zu, das es sich hierbei um eine rein theorielastige Prüfung handelt, eben weil der Aktivierungszauber, wenn es einen solchen überhaupt gibt oder jemals gab, dazu nicht bekannt ist. Doch ist eure Vorsicht gut und angeraten und ich gewähre euch euren Wunsch und sage euch auch, das Ihr Bregonds Angebot unbesorgt annehmen dürft, so Ihr mich fragt.“ Als sie sich schon mit den Vorbereitungen befassten, „Bruder Kheres ging vergangene Woche von uns und die schweigenden Schwester bereiten seinen Leib noch vor. Ich bin mir sicher, das er auch der vagesten Hoffnung wegen, einen Dämonenkompass aktivieren zu können, einen Teil seines Gebeins beisteuern wollen würde.“ – „Herr Zwerg, auf ein Wort!“ ruft ihn die Heilerin plötzlich beiseite! … Krankheitsgeister, die von Katzenkot übertragen wurden, Verhaltensänderungen des Wesens, bis hin zu Angstatacken, die dabei auftretende Pupillenreaktion, „…seht doch nur selbst, Herr Zwerg!“ – Dar kennt die vielen Oberflächenerkrankungen noch nicht in gleichem Maße, wie jene des Unterreiches, aber seine Pupillen sind beinahe noch geweiteter, denn jene eine, des Priesters, den ein nicht gar so leichter Schaganfall doch gerade getroffen hatte.

Gemeinsam mit der Heilerin kümmert Dar sich den Rest der Nacht lang um eine passende Arzenei. Ihr Wissen übersteigt das Seine dabei um ein Vielfaches, doch weiß er immerhin mehr als diese um die Besonderheiten seines Volkes: „Jade?“ – „Ja, gewiss! Und Eisenglanz?“ Zeigt mir doch bitte nochmals die Beschreibung der Erkrankung in Boregards Almanach allerlye Erkrangungen, nein. Ich meine den Zusatz auf der Folgeseite. … Ah ja, unbedingt Eisenglanz. Und“, hier musste Dar leicht schmunzelnd an den Weg hinauf zum Turm des Verrückten denken, wo er zuletzt ja über Malachit nachgesonnen hatte. „…Malachit?“ – „Malachit? Ungewöhnlich, aber warum eigentlich nicht? Dann braucht es aber auch Rosengranat und Rosenöl, euch an Körper und Geist zu stärken, denn das ist schon ein starkes Gift in Kombitation mit dem Bisherigen in den Kerotakis gegeben. Außerdem braucht es immerhin auch noch eine Messerspitze Schwefel und einen Gran Erdpech und…“ – „Ja, Ihr habt Recht. In dem Fall würde ich Arsenik auch noch mit in den Sublimator geben und“ „Seid Ihr des Wahnsinns, Herr Zw- oh, Steingeborene … ich vergaß. Dann messt aber Ihr bitte auch ab und … Seharimstränenstaub?“ „Unbedingt!“ … „War's das?“ – An Sublimaten? Ja! Abgesehen vielleicht von Yrvalain vielleicht, hm Seht Ihr bitte in Tobens Ratgeber zu Erkrankungen des Blutes nach, dort wo das Lesezeichen steckt? Was steht dort zu Wechselwirkungen mit anderen Stoffen geschrieben?“ … „Das sieht gut aus. Mögt ihr mir bei den nichtmineralischen Stoffen auch helfen?“ – „Ah! Die Tiere und Pflanzen der Oberwelt sind mir noch nicht in dem Maße vertraut, aber wenn Ihr mir vielleicht erklärtet, was Ihr…?“ – „Aber gerne doch! Ich schlage euch vor, noch Riesenhornissengift, Rinjanol und Sichelseewasser – vertraut mir, das muss einfach! – nebst viel Zachunrindenpulver und dem zuvor genannten Rosenwasser weiter auszudestilliieren. Die Wirkungensweisen sind wie folgt…“

„Hiervon nehmt Ihr täglich drei Tropfen bis zum Eintreten Godscheins ein. Ein Rezept habe ich beigefügt, falls sich später noch Fragen ergeben und – lasst gefälligst den Beutel Stecken, ich will Eure Stäbe nicht! Euer Wissen über die Heilkunst bei den Fro'Gar ist mir Lohn genug.“ Und Ketell, die immer wieder auch einen kurzen Blick auf ihren nicht minder beschäftigten – aber zu keiner Zeit dabri überforderten – Patienten geworfen hatte, spendet ihren beiden Patienten noch den Segen ihrer Göttin, ehe sie sich verabschiedet und einer Glaubensschwester die Betreuung von Klingenfalls überlässt, der wenig später besagten Knochensplitter in ein Seidentuch gewickelt an Dar übergibt: „Mit den besten Empfehlungen an Bregond und sagt ihm, er soll die Arbeit gefälligst auf Kameruks Rechnung erstellen. Wenn der zu solchen Narreteien auffordert, soll er dafür gefälligst auch zahlen. Und das bei den Ausgaben mit angeführt zu finden wird Aberthol sicherlich nicht amüsieren.“, schmunzelt der Priester und reicht Dar noch ein kurzes Empfehlungschreiben an Bregond mit. „Es sei denn, sie hätten wirklich… Aber nein, das ist albern! Davon wüsste ich. Und überhaupt: Eine echte Abschrift? Also bitte!“ schmunzelt Khalkhis, ehe die weit resolutere Priesterin, ebenfalls die Tätowierung eines Neumondes, wie Dar nun wusste, auf der Stirne tragend, ihn recht barsch vor die Tür setzt, Brauchte ihr Patient doch nun vor allen Dingen Ruhe und überhaupt, was Schwester Ketell einfiele, …

Die Stunde des Fischers, und mithin der Folgetag sind längst angebrochen, als Dar den Tempel verlassend, den Schlapphut tief in die Stirn schiebt, das grelle Tageslicht, wie generell den Anblick der über ihm drohenden endlosen Weite, von seinen Augen fernzuhalten, und müde stapft Dar wieder zurück, zum Turm des Verrückten, wo ihn hoffentlich ein warmes Bett im tiefsten Kellerverließ erwarten, müsste er sonst für weitere Übernachtungen doch vermutlich selbst zahlen, statt dieses seinem hoffentlich späteren Arbeitgeber etwa in Rechnung stellen zu können.
“Siehst du einen Riesen, so prüfe den Stand der Sonne und gib acht, ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist.”

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Sunday, September 9th 2018, 9:35pm

9. Shenjatha 518 zur Stunde des Räubers
“I'm not strange, weird, off, nor crazy,
my reality is just different from yours.”

~ Cheshire Cat ~

»Seit zwei Monden liegt er nun schon ruhig da. Meinst du nicht, das die Fesseln reichlich unnötig sind?« Ein leises helles Lachen antwortet. »Frag das Drull. Seine Nase hat der da ihm in seiner Raserei abgebissen und anders als die drei gebrochenen Rippen und die gequetschte Leber heil die Nase nicht wieder. Nein, die Fesseln kommen nur los, wenn Krötenauge und mindestens zwei der Wärter zugegen sind. Der da ist Sarurnirs. Der kommt nicht wieder und merkte eh nicht ob man ihn denn losbände – also zumindest nicht der Teil, der noch was anderes kann, denn rasend über Alles und Jeden brutal herzufallen.«

[…]

»Ich schwöre, der hat mich angesehen!« Wieder ein glockenhelles Lachen. »Junge, der liegt hier nun schon seit einem ganzen Jahrestanz und hat sich nach seiner die ersten drei Siebentage andauernden Raserei nicht um eine Fingerbreit bewegt. Also wasch ihn gefälligst, wie es dir aufgetragen wurde und stell dich nicht so an.«

[…]

»Augenreflex definitiv vorhanden, aber sonst keine Reaktionen. Wie lange liegt er nun schon hier?« »Ein und einen halben Zwölfmond.« Papier raschelt auf Papier. Dann wieder eine glockenhelle Stimme: »Vor bald eineinhalb Jahrestänzen im Fliegengrund aufgegriffen: nackt und mit bloßen Händen den Hunden die essbaren Reste aus den Müllhaufen entreißend. Es brauchte sieben Blaumäntel ihn in seiner Raserei hierherzubringen. Zwei Siebentage ununterbrochen rasend, kaum schlafend, nichts essend. Dann zwei Tage katatonisch, danach der Angriff auf Drull. Danach ununterbrochen ans Lager gefesselt. Gelegentlich immer wieder katatonisch. Ansonsten regungslos. Schluckt aber wenn man ihn füttert. Sonst hätte er es wohl kaum sola-«

[…]

»Dar? Bewegen einen Finger , wenn du verstehst … blinzeln? Irgendwas? Ach verdammt ist das deprimierend!«

[…]

»Steh auf! Trinke und stelle den Becher wieder ab. Setz dich. Gut! Und jetzt gib ein Zeichen, wenn du verstehst - irgendwas? – Seht ihr? Er folgt allen Befehlen, aber sein Geist? Sarurnir alleine weiß, wo der Geist zu diesem Körper weilt. – Hinlegen! – Fesselt ihn wieder.«

[…]

»Und er reagiert?« »Definitiv!« Wieder tritt die Mogbar mit der glockenhellen Stimme in sein Blickfeld. »Ja, ich sehe, er fokussiert dich. Dar?« Das Blickfeld verschiebt sich, fegt die Frau nach rechts fort, während ein Elf von links vor seine Augen wischt. »Er reagiert definitiv! Nicke, wenn du mich verstehst.« Das Bild vor Dars Augen jagt kurz nach oben und dann wieder herab. »Weißt du wer du bist? … Kannst du sprechen? . Was ist passiert Dar, was – ist – passiert?!«

[…]

„Wasser!“ »Was – ?« „Durst! Ich möchte Wasser!“ » … « „Bitte!“ »Nun bring ihm schon gefälligst was zu trinken! Oh Sarurnir sei gedankt! Er ist wieder bei Verstand, oh Sarunir, oh Sarunir. Ketell hat befohlen sie zu rufen, wenn er wieder zu sich kommt. Nun mach schon und hol die Anirana – RENN!«

[…]

»Dar?« „Ja!“ »Trinke das! Ja, ich weiß es ist bitter. Trinke es bitte trotzdem. Nein, nicht wegsehen! Bleibe bei mir! Dar?« „Ja?“ »Was — ist — passiert?« „Ich…“ »Man hat dich im Fliegengrund aufgefunden. Wahnsinnig, mörderisch« „Ich, ich habe nicht, habe ich wen – ?“ »Nein, aber du hättest wohl, hätte man dich nicht zu uns gebracht.« „Uns?“ »Du bist im Sitech-Tempel, in Sarurnirs Gewahrsam. Na ja oder besser gesagt: Du warst in Sarurnirs Gewahrsam, die letzten …die letzten 18 Monde.« „Achtz-?“ [/i] »Was — ist — das — Letzte, — das — du — erinnerst, — Dar?!« „Ich –“ »Was?!« „MOGBARS END, VERDAMMT – WO ICH IN EINER SCHROTTREIFEN DESTILLE GLAUBTE KATZENPISSE FÜR IRGENDEIN SIL-VERFLUCHTES RITUAL VERKOCHEN ZU MÜSSEN! … ver- verzeiht, ich wollte nicht schreie. Ich…“ »Du erinnerst dich, das alleine zählt. Sprich weiter: Warum glaubtest du in einer schrottreifen Destille, äh – Katzenpisse verkochen zu müssen?« Verlegen blickt Dar auf den blutroten Edelstein, den die Frau vor ihm, Ketell erinnert er sich, in die Hand gedrückt hatte. Es scheint ihm, als pulsiere der Stein beruhigend in seiner Hand, derweil der Blick der Frau vor ihm ihn wieder wie magisch anzieht, das er den Stein und alles andere um sich herum vergisst.

„Also es fing damit an, das ich vor einem Siebentag – ¿oder eineinhalb Jahren inzwischen eher?– auf der Suche nach einer Anstellung in der großen Bibliothek, diese Stadt aufsuchte und als erste Bewährungsprobe…
“Siehst du einen Riesen, so prüfe den Stand der Sonne und gib acht, ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist.”

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