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Kizumu

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Montag, 13. August 2018, 16:23

Nebelfrost 516

Die Zärtlichkeit, mit der er sie ansieht, kann den Schmerz in seinem Blick nicht überdecken. Und auch wenn er ihre Hände noch in den seinen hält und sein Kuss ihr ein wunderbares Kribbeln die Arme hinaufsendet, fühlt es sich so an, als wäre er unendlich weit von ihr entfernt.Ihr wird zum ersten Mal seit langem bewusst, dass ihre Entscheidung, Ierás und seine Familie mit allen Mitteln zu beschützen, nicht nur Opfer von ihr selbst fordert. Yaêlnar und sie hatten ihren Plan gemeinsam geschmiedet und der Elb hatte von Anfang an gewusst, auf was er sich einlässt und wie weit zu gehen sie bereit ist. Aber Béren hatte diese Möglichkeit nicht. Shunjalinn schließt die Augen, als er einen Schritt von ihr fort macht und seine Entscheidung trifft. >Du fühlst für mich nicht, wie ich für dich, Shunjalinn. Das hast du nie. Das weiß ich jetzt und obwohl ein Teil von mir dich noch immer will, kann ich nicht ignorieren, was du mir über die letzten Jahre vorenthalten hast, geschweige denn das du frisch verwitwet bist. Ich denke daher, es wäre besser wir beenden... was auch immer es war und du gehst jetzt.< Seine Worte klingen förmlich und sie erkennt, dass die Flucht in die Distanz die einzige Möglichkeit für ihn ist, seine Gefühle im Zaum zu behalten. Die Elbin holt tief Luft und räuspert sich, bevor sie spricht, denn die Erkenntnis von eben hat ihr einen Frosch in den Hals gesetzt. „Es tut mir leid, Béren.“ Diese Entschuldigung klingt so lahm, dass sie gerne noch etwas nachgeschoben hätte, aber alles was sie hätte sagen können, hätte ihn vermutlich nur noch mehr verletzt. Shunjalinn weiß, dass sie skrupellos sein kann, wenn es darum geht, ihr Ziel zu erreichen, aber sinnlos an etwas festhalten und jemanden wie Béren, dessen aufrichtige Gefühle sie so eindeutig unterschätzt hat, weiter zu quälen, liegt ihr doch fern. Mit einem Mal ist sie furchtbar müde; die letzten Tage hatten sie viel Kraft gekostet. „Ich hoffe, dass du mir das irgendwann einmal glauben kannst.“ Sie hätte ihn gerne noch einmal berührt, um ihren Worten Nachdruck zu verleihen, aber auch um eine letzte, bittersüße Erinnerung an das Gefühl seiner Haut unter ihren Fingern mit sich zu nehmen. Dieser Gedanke kommt plötzlich und sorgt dafür, dass der Frosch, den sie beinahe niedergerungen glaubte, zurückkehrt und ihr die Kehle zuschnürt. Die Tränen, die ihr nun in die Augen steigen, möchte sie weder sich noch ihm in dieser Situation zumuten und so blinzelt die Elbin mehrmals, um die verräterische Feuchtigkeit in ihren Augenwinkeln zu unterdrücken. Dafür bleibt später noch genug Zeit. Als sie sich sicher ist, dass keine weiteren Tränen aufsteigen wollen, sucht Shunjalinn noch einmal bewusst seinen Blick und versucht sich an einem Lächeln. „Lebwohl.“ Sie überlegt kurz, ob sie diesem einfachen Wort noch etwas hinzufügen soll, aber nach einem letzten Blick in seine Augen, die sie in diesem Moment einmal mehr an die stürmische See an einem Wintertag erinnern, belässt sie es dabei und wendet sich zur Tür.
Den Weg aus dem Zimmer, den Gang entlang und die Treppen hinunter zurück in die Küche, wo sie von den beiden Küchenmägden ihren mittlerweile getrockneten Mantel in Empfang nimmt, nimmt sie nur am Rande und wie in Trance, wahr. Erst als die schwere Küchentür hinter ihr mit einem vernehmlichen Klicken ins Schloss fällt, dringt der Schmerz ihres gerade brechenden Herzens zu ihr durch. Mit einem rauen Schluchzen ringt sie nach Luft.

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