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Olyvar

Stadtbewohner

Beiträge: 137

Beruf: Lord Commander

Wohnort: Steinfaust

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31

Freitag, 8. Dezember 2017, 19:35

Cat's in the cradle
('Cat's cradle' – a series of complicated string figures created between two or more people; also, an expression used as a respond when someone passes the millionth raincheck for a get together or a talk)

Sometimes I think it's a shame
When I get feeling better when I'm feeling no pain (Gordon Lightfood, Sundown)


>Was? Ist etwas, Olyvar?< Olyvar zuckt vage mit den Schultern, während er den Stein zwischen seinen Fingern wendet und sein Herz unter dem Leinenhemd noch immer von Adrenalin geflutet schlägt. Niniane hatte ihn so wissend – und so forschend – angesehen, dass Olyvar überzeugt ist, die Halbelbin weiß längst, was die Stunde geschlagen hat. Doch Arúens Wiederkehr hatte ihm einen letzten, gnädigen Aufschub gewährt und nun konzentriert er sich mit aller Kraft auf das Juwel in seiner Hand. Wer weiß, was er sonst noch gesagt hätte? Hmpf. Wann bringst du es endlich hinter dich? Will sein Verstand wissen. Du kannst es ihr nicht ewig verschweigen. Du darfst es nicht verheimlichen, nicht, wenn hier möglicherweise noch ganz andere Dinge auf dem Spiel stehen… und darauf läuft es doch hinaus, nicht wahr? Darauf, dass irgendetwas… großes und sehr wahrscheinlich auch gefährliches… vor sich geht. Und was Diantha betrifft: willst du ewig jedes Wort auf die Goldwaage legen und die Hälfte deiner angefangenen Sätze wieder hinunterschlucken? Sie werden es ohnehin erfahren… besser, sie hören es von dir.
Doch da ist auch noch eine andere Stimme, die ebenso beharrlich flüstert: Noch nicht. Vielleicht ist er einfach nur ein Feigling, vielleicht spielt es keine Rolle. Aber noch ist er nicht so weit… und selbst wenn, würden ihm wohl immer die Worte fehlen. Olyvar hält den Blick fest auf den Stein in seiner Hand gerichtet. So ein kleines, unscheinbares Ding… wie kann das der – oder zumindest ein - Schlüssel zu einem jahrtausendealten Buch voll ungeahnter Geheimnisse sein? "Ich weiß nicht genau," erwidert er schließlich. "Aber ich bin mir sicher, dass ich irgendwo schon einen Stein wie diesen gesehen habe. Ich…" Als er aufblickt, starrt er in zwei synchron angespannte Mienen – nicht gerade, dass sie beide zischen wie erschrockene Katzen. Sie hätten auch nicht alarmierter aussehen können, hätte er eine splitterfasernackte Fee aus seinem Hemdsärmel gezogen und auf den Tisch geworfen. "Du… hast…" beginnt Arúen, doch es ist Niniane, die den angefangenen Satz ungeduldig beendet. "Was?! Wo? Bist du sicher?"
"Ja, ich bin sicher. Aber ich weiß nicht mehr wo… oder in welchem Zusammenhang…"
"Dann versuch dich zu erinnern! Wenn wir in den Besitz von zwei Schlüsselsteinen gelangen können, dann sind wir unserem Ziel schon viel näher."

"Aye, das weiß ich. Ich glaube, es war…" er schließt die Augen und versucht sich zu erinnern, seine Gedanken zu sortieren, denn vor seinem inneren Auge erscheint immer wieder das Bild eines Mondsteins in einem blauen Samtbeutel, der – bis auf ein anderes Zeichen auf der Rückseite – exakt aussieht wie jener, den er in der Hand hält. Der Samtbeutel ist aus einer Schatulle, schlicht, mit Bronze beschlagen, aber schwer, und darin waren… waren… Ninianes Ungeduld wird so greifbar, dass er ungehalten den Kopf schüttelt. "Sch! Kein Wort…" Die Schatulle. Ein dunkler Raum, aber vertraut, Fackeln an den Wänden, eisenbeschlagene Regale, darin Truhen, Schließkörbe, Kisten… vertraute Wände aus hellem Stein, Festungswände, und die Schatulle… eine weiße Eulenfeder… Olyvar öffnet abrupt die Augen, nur um sich praktisch Nase an Nase mit zwei Spitzohrenträgerinnen wiederzufinden, die ihn ungefähr so gebannt anstarren, wie hungrige Katzen ein vielversprechendes Mauseloch. "Ich weiß, wo wir ihn finden. Und auch, wer ihn hatte." Er reicht Shouraj an Arúen zurück, die ihn sicher wieder verstaut und seine unscheinbare Hülle dann irgendwo in den Falten ihres Gewandes verschwinden lässt. "Holt eure Mäntel, ich bezahle." Weder Niniane, noch Arúen stellen ihm Fragen, sondern tun, worum er bittet, und nur wenige Augenblicke später sind sie alle drei wieder in der dunklen Gasse und im strömenden Regen vor dem Zeughaus. Niemand ist zu sehen, als Niniane ihr Gewirr öffnet, und ihn fragend ansieht, und Olyvar wird bewusst, dass seine Galgenfrist was Diantha angeht damit dann wohl endgültig zu Ende ist. Wenn sie an ihrem Ziel angelangt sind, wird er es kaum noch verschweigen können, denn der Westflügel ist leer. Weder die Kinder, noch er hatten in einem Zuhause weiterleben wollen, das die Immerfrosterin damals ganz nach ihren Vorstellungen eingerichtet hatte und in dem sie nicht mehr anwesend war. Also hatten sie Kriegsrat gehalten und schließlich beschlossen, dass sie ganz neu anfangen würden – und mit ihrem Zuhause würden sie beginnen. Sie hatten mit einer Art grimmigem Enthusiasmus alles leergeräumt - und es dann einfach noch nicht über sich gebracht, die Wände neu zu streichen und andere Möbel anzuschaffen. Also steht der Westflügel leer, ein stummer Zeuge ihres Verlustes und ihrer Trauer, und die wenigen Dinge, die sie behalten hatten, träumen unter weißen Laken von besseren Tagen. Selbst das Turmzimmer, das einmal Ieras Raum gewesen war, war ausgeräumt worden und die großen Gobelins, deren leuchtende Farben und Seidengarne von seiner Herkunft zeugen, hatte Olyvar auf den Waldhof gebracht. "Zum Westflügel. Bring uns direkt in den Westflügel, Nan. Aber wundert euch nicht, wenn wir dort ankommen, aye?" Warnt er leise und die Bitterkeit in seiner Stimme ist unüberhörbar. "Im Augenblick ist er kein wirkliches Zuhause."


-> Westflügel der Steinfaust
Did we turn left last time, or right? What does it matter? Lost is lost.

The good thing about mages, I find, is that they die much like any other. You need to worry about what happens before that.