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Aneirin

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Thursday, September 18th 2014, 10:22pm

Am Abend des 1. Beerenreif 514

Mit einem Lächeln auf den Lippen schlendert Aneirin durch die Straßen der Stadt zurück Richtung Südtor, um das Feld der Pavillons erneut aufzusuchen. Er hat es sich nicht nehmen lassen Eliza an diesem Abend heimzubringen und dafür von der schüchternen Maid gar einen Kuss auf die Wange erlangt. Hauchzart zwar und mit geröteten Wangen, aber immerhin ein Kuss. Also schien ihr der Tag mit ihm doch gefallen zu haben, was sein Herz ungemein erleichtert, fragte er sich doch zwischenzeitlich, ob sie nicht doch so ruhig gewesen ist, weil sie es insgeheim bereute, ausgerechnet ihn als Begleitung gewählt zu haben, obwohl sie einander nur von ein paar flüchtigen Begegnungen aus der Bäckerei kannten. Aneirin fährt sich schmunzelnd durch das Haar und tänzelt dann an einer Gruppe offensichtlich stark angetrunkener junger Menschen vorbei, die recht viel Platz des Weges für sich beanspruchen und deren Bewegungen leider schon sehr unvorhersehbar sind. Dennoch gelingt es ihm ohne Weiteres und mit den Händen in den Hosentaschen und leise pfeifend bummelt er weiter. Er hatte Tyalfen versprochen, ihm noch etwas Gesellschaft zu leisten, sobald er Elli sicher nach Hause begleitet hatte.
Und wie sein Blick in diesem Moment so sorglos umherschweift, biegt einige Schritt vor ihm ein Pärchen Händchen haltend aus einer Seitenstraße, in die er selbst gleich abbiegen würde und setzt sich vor ihn, miteinander leise tuschelnd und gackernd. Aneirin stutzt einen Augenblick, denn der auffällig rote Schopf in Kombination mit der Körpergröße des jungen Burschen kommt ihm ein wenig bekannt vor. Als es ihm einfällt wandern seine Augen rasch zu dem Mädchen an seiner Seite und starren ihr einige Herzschläge hinterher. Und dann ist er sich sicher: der braune Zopf, dieser unverwechselbare Gang, die Art wie sie amüsiert den Kopf zur Seite neigt. Jenna.
Rasch tragen ihn seine Schritte in die Schatten der Häuser. Er wirft nicht einmal einen Blick die Straße hinunter, die er eigentlich zu nehmen gedachte. Nein, der Anblick der Bäckerstochter mit diesem fremden Burschen, hat ihn den elbischen Freund für den Augenblick völlig aus seinem Kopf verdrängen lassen. Mit vor Empörung leicht klopfendem Herzen und genügend Abstand folgt er den beiden möglichst unauffällig durch die Straßen. Könnte sie denn nicht wenigstens die Hand dieses Burschen loslassen? Unbewusst presst Aneirin seine Kiefer etwas fester aufeinander, während er mit großem Abstand Jenna und diesem jungen Kerl eine ganze, ihm wie eine kleine Ewigkeit vorkommende Weile hinterher schleicht. Es sieht so aus, als würde er die Bäckerstochter zu ihrem Heim begleiten und Aneirin hofft inständig, sie würden auf dem Weg dorthin nicht doch noch in einem Gasthaus oder einer Schenke einkehren. Den Göttern sei Dank schlendern sie aber tatsächlich geradewegs zurück zur Bäckerei.

Und was sich dann vor Jennas Heim abspielt, kennt er nur zu gut, und es mag ihm gar nicht gefallen, wenn er es sich auch nicht eingestehen will. Er kennt diese Reaktion junger Frauen, das verlegene Glattstreichen des Rockes, während sie sich mit dem Rücken gegen den kalten Stein des Bäckereigebäudes lehnt, das sanfte, kaum merkliche, aber durchaus aufmerksame Neigen des Kopfes, das scheue Spiel mit der einen oder anderen Haarsträhne. Aber auch die des jungen Mannes, wie das leichte Vorbeugen, während eine Hand sich an der Wand, aber dennoch ganz in ihrer Nähe abstützt, um ihr den Fluchtweg zu der einen Seite abzuschneiden, das selbstbewusste Lächeln, um sie verlegen zu machen und ein wenig zu irritieren, das beiläufige Hinter-das-Ohr-Streichen einer ihrer Haarsträhnen. Und Aneirin weiß auch ganz genau, was jetzt folgen würde.
Dennoch oder gerade deshalb führen ihn seine Schritte mit zusammengezogenen Brauen hinaus aus der Gasse und damit aus dem Schatten des Gebäudes heraus und zielstrebig Richtung der Turtelnden. Und gerade als sich des Burschen Hand an Jennas Kinn legt, öffnet Aneirin die Lippen, holt schnell Luft und setzt dabei eine fröhliche und möglichst unschuldige Miene auf. „Jenna! Welch‘ Zufall! Ich wusste nicht, ob ich dich heute noch erwische.“ Mit Genugtuung betrachtet Aneirin die erschrockenen wie verwirrten Züge der beiden und wie der junge Mann einen hastigen Schritt von Jenna zurück tritt. „Aneirin, was…“, beginnt sie, doch der Bäcker will sie nicht zu Wort kommen lassen. „Ich dachte, ich könnte schon einmal den Teig ansetzen, wenn du mich einlässt. Morgen gibt es sicher viel zu tun, da kann es nicht schaden schon einmal die eine oder andere Vorbereitung zu treffen, findest du nicht?“
Aneirin bemerkt durchaus, dass die Situation beiden unangenehm ist, doch es tut ihm nicht einmal ansatzweise leid. Den rothaarigen Burschen versucht er weitestgehend zu ignorieren und lässt seinen Blick auf Jenna ruhen, die ihn verständnislos anstarrt und ihre Aufmerksamkeit dem Jungen erst wieder widmet, als dieser sich kleinlaut stotternd verabschiedet. Mit gleichgültigem Blick sieht Aneirin ihm kurz nach, wie er die Straße zurückschlendert und sich dabei immer wieder zu ihnen zurückblickt. Gerade ist er außer Sichtweite, da hat Jenna sich offensichtlich von dem Schreck erholt und macht einen Schritt auf den Bäcker zu. „Sag mal, hast du sie noch alle? Was sollte das denn jetzt?“, keift sie ihn an. „Was das sollte? Sag du mir lieber, was DAS sollte“, erwidert er mit einer abfälligen Handbewegung in die Richtung, in die der junge Mann verschwunden ist. Kurz blinzelt Jenna verwirrt, dann ziehen sich ihre Brauen deutlich zusammen.
„Ich wüsste nicht, was es dich angeht, mit wem ich ausgehe! Oder habe ich den Moment verpasst, in dem wir beide ein Paar wurden? Nein, sicher nicht, denn du hast mich ja noch nicht einmal gefragt, ob ich mit dir ausgehe. Und mein Vater wie mein Bruder bist du auch nicht, dass es dich etwas angehen darf!“ Protestierend hebt Aneirin das Kinn und blickt auf sie herab. „Ich habe dich sehr wohl gefragt, ob du mit mir zum Fest gehst! Aber du wolltest ja mit deinen Freundinnen hin! Der da sah mir aber männlicher aus, als ich deine Freundinnen im Kopf habe.“ Jenna stemmt die Hände in die Hüften. „Du meinst doch bitte nicht diesen fragenden Blick zwei Tage vor dem Fest, als dich diese Schneiderin gefragt hat? Du hattest genügend Siebentage Zeit mich zu fragen! Nicht einmal hast du es auch nur erwähnt! Glaubst du, ich warte bis zum Vortag nur auf dich, ohne sicher sein zu können, ob du überhaupt über deinen Schatten springen magst? Nein, mein Lieber, ich habe dir gesagt, ich warte nicht ewig auf dich!“
Plötzlich verunsichert weiß Aneirin nichts zu erwidern, denn Jenna bohrt in seinem Herzen wie in einer offenen Wunde und legt so einiges an Gefühlen frei, die er längst verdrängt glaubte. Ja, sie hatte ihm gesagt, dass sie nicht ewig auf ihn warte würde. Doch die Zeit ist so schnell vergangen und er ist bisher so sehr mit sich selbst beschäftigt gewesen, dass er glaubte, dass dieses „nicht ewig“ noch eine ganze Weile andauern würde. Doch jetzt wird ihm erschreckend deutlich bewusst, dass es schon fast zu spät ist. Jenna muss das Entgleiten seiner Züge und natürlich auch sein Schweigen bemerken, denn der Zorn weicht aus den ihren und macht etwas anderem Platz. Aneirin ist sich nicht sicher was es ist. Er ist sich nur sicher, dass er sie so nicht sehen will.
„Hör auf, mir wie ein eifersüchtiger Gockel hinterher zu stolzieren. Benimm dich gefälligst wie ein Mann und werde dir endlich klar darüber, ob du mich willst, oder nicht. Ich warte schon viel zu lange darauf, dass du dich entscheidest“, bricht sie schließlich das Schweigen zwischen ihnen. Sie hätte ihm auch gleich ein Brett gegen den Kopf schlagen können, denn genauso fühlt es sich an. Irritiert starrt Aneirin die junge Frau an und weiß immer noch nichts zu erwidern. Vielleicht wäre dies tatsächlich genau der Moment ihr zu sagen, dass er sie will, wie sie ihn aus zwar empörten, aber dennoch erwartungsvollen und wunderschönen grün-braunen Augen ansieht, als ob sie es genau jetzt hören wollte. Es kommt jedoch kein Wort über seine Lippen. Da ist nur sein Herz, das ihm bis zum Halse klopft.
Hilflos muss er mitansehen, wie sich Enttäuschung in Jennas Blick breit macht und sie nach einem leisen Seufzen hinzufügt: „Dann leb bitte damit, dass ich nicht länger auf dich warten werde.“ Selbst als sie ihm den Rücken zuwendet, durch das eiserne Tor zum Hof der Bäckerei schlüpft und es hinter sich schließt, ihn somit auf der anderen Seite zurück lässt, kann er ihren Namen nur in Gedanken rufen. Sie blickt nicht zurück und erst, als sie ums Häusereck gebogen ist, kommt wieder langsam Bewegung in den jungen Mann, dessen Finger das kühle Metall der Stangen des Tores umschließen, während seine Stirn ergeben dagegen sinkt.
Eine ganze Weile verweilt er so, starrt auf das Pflaster und weiß nicht so recht, etwas mit sich anzufangen. Was fällt ihm ein, diese wunderbare Frau nur so vor den Kopf stoßen? Dabei stimmt doch eigentlich alles zwischen ihnen. Warum kann er ihr dann nicht sagen, wie viel sie ihm bedeutet? Warum kann er sich nicht einfach überwinden. Aneirin schließt die Augen und atmet tief ein und aus, sortiert innerlich seinen Wust an Gefühlen und entdeckt dabei auch die vorborgen gedachten. Er braucht sich gar nicht weiter Gedanken zu machen, denn er weiß leider viel zu gut, warum er es vermeidet diesen Schritt zu gehen. Langsam hebt er den Kopf wieder, ohne einen weiteren Blick auf den Hof zu werfen und macht kehrt, sein Versprechen bei Tyalfen einzulösen.
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Meowin

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Monday, September 22nd 2014, 6:48pm

Anfang Erntemond 514

Ein Glöckchen klingt, als Meowin durch die Tür der Bäckerei Brachinger tritt. Aufmerksam schaut er sich in dem kleinen Laden um, dabei gibt es nicht viel zu sehen. Direkt vor ihm ist die Theke, darauf und dahinter Brot und Gebäck und der schmale Durchgang führt wohl in die Backstube. Er war nie zuvor hier, einfach weil es keinen Anlass gab. Heute erfüllt er Dayan die Bitte und bringt Aneirin das Tuch.
Ordentlich gefaltet hat sie es ihm an diesem Morgen in die Hände gedrückt, trotzdem ist ein Teil der Stickereien zu erkennen, die sie, die Harfenleute und auch er als gute Wünsche darauf brachten. Der Wandlerjunge hat eine Adlergestalt darauf gestickt, natürlich, daneben aber einen Wolf und einen Frosch als zwei Abbilder der großen Hüter der Waldkinder, den Totemgeistern.
Gerade mit dem Einsortieren der letzten Münzen fertig, wendet sich ihm nun die junge Frau hinter dem Ladentisch zu, lächelt freundlich und fragt nach seinem Wunsch. Überrascht erkennt er sie. Ja, er sah sie auf dem Hof der Schreinerei, sie saß am Nachbartisch. Es mag nicht so unwahrscheinlich sein, dass er sie hier sieht und doch... Jener Abend im Grünglanz erscheint ihm immer mehr wie ein Knoten, zu dem alle Fäden zurückführen. Dayan traf er dort und traf sie wieder, dann die Elbengeschwister, nun die Bäckerstochter und gleich bestimmt auch Aneirin.
„Guten Tag!“, grüßt Meowin ebenso freundlich und setzt hinzu: „Ist Aneirin da? Darf ich ihn sprechen? Ich möchte ihm etwas geben.“

Aneirin

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18

Monday, September 22nd 2014, 8:29pm

Lustlos schrubbt Aneirin die große Holzwanne. Das Tagwerk ist endlich beendet und Jenna wird die Bäckerei sicher auch bald schließen. Dann würde er wohl recht zügig die Stube verlassen und nach Hause gehen, wie er es in den letzten Siebentagen oft getan hatte, um nicht mehr allzu viele Worte mit der jungen Frau wechseln zu müssen. Die Stimmung zwischen ihnen ist seit jenem Vorfall etwas angespannt, auch wenn sie weiterhin einen freundlichen Umgangston pflegen. Doch längst war er nicht mehr so offen und locker, wie vor dem Shenrah-Fest. Aneirin bedauert sein Handeln und zu was es geführt hat, doch sagen will er es ihr nicht. Sie hat diesen rothaarigen Burschen noch ein paar Mal getroffen. Wie oft weiß er nicht. Er hat ihnen nicht noch einmal nachgestellt. Vielleicht hatten sie inzwischen auch einander geküsst oder sogar mehr als das. Aber das will er eigentlich gar nicht so genau wissen. Er wirft einen kurzen Blick auf Jonne, der die Backstube fegt und dabei mindestens genauso lustlos aussieht wie Aneirin wohl selbst aussehen muss. Aber das gehörte nun einmal mit dazu. Da mochten sie noch so wenig Lust haben, denn würden sie es nicht tun, könnten sie hier recht schnell nicht mehr arbeiten.
„Aneirin?“ Der junge Bäcker blickt auf und Jenna an, die im Durchgang zum Verkaufsraum steht. Er mag sie eigentlich gern ansehen, aber derweil senkt er zumeist den Blick, sobald er in ihre warmen grün-braunen Augen blickt. Er hat immer noch das Gefühl, sie blicke ihn vorwurfsvoll an. „Da möchte dich jemand sprechen“, setzt Jenna fort, denn durch sein Aufblicken hat er ihr ja gezeigt, dass er zuhören würde. Jetzt aber schaut er sie erneut mit fragendem Blick an. Ihre Antwort ist aber lediglich ein Kopfnicken in den Verkaufsraum. Also legt Aneirin Bürste und Lappen in die Holzwanne, trocknet sich die Hände an der Schürze und erhebt sich, um den Raum zu wechseln. Wer wohl etwas von ihm möchte? Tyalfen, Narsaên oder Aidan kommen nicht in Frage, denn sie hätte Jenna mit Namen erwähnt. Als er sich an Jenna vorbei schiebt, tauschen sie einen weiteren Blick miteinander. Doch ihrer ist wohl ebenso nichtssagend wie seiner.
Als er hinter die Theke tritt erkennt er das Gesicht und die warmen dunkelbraunen Augen sogleich wieder. Wie könnte er ihn auch nicht erkennen, knüpfen sich an die Erinnerung an den Jungen mit dem kohlschwarzen Haar doch auch jene, die ihn hartnäckig darin hindern, diesen einen Abend doch endlich zu vergessen. Etwas schade ist es, dass seine Gedanken ihn mit diesen trübsinnigen Erinnerungen in Verbindung bringen. Er hatte den Jungen nie zuvor getroffen und er wurde als völlig Fremder und Unbeteiligter mit in diese Sache hineingezogen. „Verzeih“, spricht Aneirin nach einem kurzen schweigsamen Augenblick. „Ich fürchte, ich habe deinen Namen vergessen. Es schon eine ganze Weile her, nicht wahr?“, lächelt Aneirin zaghaft, denn er hofft inständig, dass der Bursche nicht hier ist, um ihn eine weitere schlechte Nachricht zu überbringen. „Was kann ich für dich tun?“, fügt er noch hinzu und mustert den Jungen zurückhaltend.
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Meowin

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19

Tuesday, September 30th 2014, 7:08pm

Die junge Frau verschwindet in der Backstube und kurz darauf erscheint Aneirin. „Meowin“, sagt Meowin, als der Mann sich entschuldigt, seinen Namen nicht mehr zu wissen. Wie könnte er es ihm verdenken. Er wüsste seinen vielleicht ebenso wenig, wenn nicht Dayan ihn zwar selten aber immerhin ein paar Mal erwähnt hätte. Als Meowin Aneirin ansieht, erkennt er den Versuch eines Lächelns, dahinter jedoch eine angespannte – ängstliche? – Erwartung. Kurz denkt er an ihr letztes Zusammentreffen und beeilt sich, das Schweigen zu lösen.
„Ich wohne in der Goldenen Harfe“, beginnt er. „Wie Dayan. Ich soll dir das von ihr geben. Es ist ein Tragetuch für euer Kind und, wie du siehst...“ Er deutet auf die Stickereien. „Würdest du es weiter verzieren? Und es bringen zur Geburt? – Wenn ich kann, werde ich dir Bescheid geben. Sie würde sich sehr, sehr freuen, da bin ich sicher.“
Meowin reicht den gefalteten Stoff über den Ladentisch und schickt ein paar leise, vorsichtige Worte hinterher: „Sie vermisst dich wirklich. Und sie wüsste gern, wie es dir geht.“ Er blickt zu Aneirin, dann zu Boden, bald wieder hoch. Wie wird er reagieren? Traurig, abweisend? Wird er auf der Stelle mitkommen wollen? Nein, das nicht. Inzwischen ist es zu schwer. Oder?
Manchmal, wenn er Dayan mit feucht glänzenden Augen sah, war es schwer, ohne Ärger an diesen jungen Bäcker zu denken, der sie so traurig machte. Aber hier, dem Bäcker gegenüber, sind solche Gedanken fort. Nur ein bisschen hilflos fühlt er sich als Bote zwischen den beiden. Aber vielleicht soll auch nur das seine Aufgabe sein, ein Bote und nicht mehr.

Aneirin

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20

Tuesday, September 30th 2014, 9:09pm

Schon nach dem ersten Satz bestätigt Meowin Aneirins erste Vermutung – oder Befürchtung? Die Erwähnung ihres Namens lässt ihn sogleich flüchtend den Blick senken. Es ist nicht so, dass er nicht immer wieder an sie dachte und ihren Namen in seinen Gedanken ab und an flüsterte oder schrie. Aber seit Monden hat in seiner Gegenwart niemand mehr ihren Namen laut ausgesprochen. Und ihn jetzt so überraschend zu vernehmen, mehr noch, eine Nachricht, viel mehr eine Bitte von ihr übermittelt zu bekommen… Es zerrt an seinem Herzen. Er hätte nicht gedacht, dass es noch so weh tun würde.
Er hebt den Blick wieder über das Tuch, das der Bursche ihm reichen möchte mit ihrer Bitte, doch weitere Stickereien hinzuzufügen. Aneirin wirft einen flüchtigen Blick darauf, erkennt einen Frosch und einen Adler, letzteren allerdings nur zur Hälfte, denn die andere versteckt sich in der Faltung des Tuches. ‚Nein‘, ist Aneirins erster Gedanke und er zögert das Tuch, das ihm Meowin über die Theke hinweg reichen möchte, entgegen zu nehmen. Und als sich seine Hände endlich regen, tun sie es nicht, um ihm das Tuch abzunehmen, sondern nach seiner Schürze zu greifen und die Hände erneut abzuwischen, als wolle er es nicht mit dreckigen Fingern anfassen.
Den Jungen anzusehen als er den Mund öffnet wagt er nicht. Doch kommt er nicht dazu, die Bitte abzulehnen. Denn in dem Augenblick tritt Jenna neben ihm, um Meowin das Tuch abzunehmen. „Natürlich wird er das“, antwortet sie dem Jungen, wie um zu verhindern, dass er ihn unverrichteter Dinge fortschickt. Aneirin wirft Jenna einen skeptischen Blick zu. „Ich kann nicht sticken…“, meint er kleinlaut, doch Jenna sieht ihn an, als hätte er ihr eine fürchterlich dämliche Ausrede aufgetischt. „Dann zeig ich es dir eben.“ Und um gar keine Widerworte seinerseits zuzulassen, wendet sie sich um und kehrt samt Tragetuch in die Backstube zurück, ihn mit Meowin wieder allein zu lassen.
Unsicher wandern seine Augen zu dem Burschen, um an dessen Zügen abzulesen, ob dieser eine erste Absicht durchschaut hat. Schnell muss er aber feststellen, dass er es nicht erkennen kann und verwirft den Gedanken auch sogleich wieder. Ändern könnte er es ohnehin nicht. Nach einem kurzen Augenblick beginnt Meowin wieder zu sprechen, leise, fast vorsichtig klingend. Kurz schließt Aneirin die Augen ob seiner Worte und vergräbt seine Hände noch ein weiteres Mal in seiner Schürze. Als er die Augen wieder öffnet, dreht er den Kopf zur Seite und mustert die Theke auffällig intensiv. „Gut…“, ist seine Antwort, auch wenn er sich gerade überhaupt nicht gut fühlt. Aber was soll er ihm schon sagen? Und gelogen ist es ja auch nicht. Aneirin kann seit einiger Zeit wieder schlafen und wird dabei nur noch gelegentlich von unangenehmen Träumen heimgesucht, er kann wieder lachen, besucht inzwischen wieder die Tanzabende in der Schreinerei, hat sich sogar wieder mit Mädchen getroffen.
„Gut“, wiederholt er mit schon etwas festerer Stimme und blickt Meowin schließlich doch an. Aber mehr will ihm auch nicht einfallen. Ihn etwas über Dayan zu fragen, wagt er aber nicht sofort. Vielleicht sollte er. Sie würde den Jungen sicher fragen, ob Aneirin sich bei ihm über sie erkundigt habe. Ob sie traurig wäre, wenn er es nicht täte? Bestimmt. Und das würde er nicht wollen. Es fällt ihm schwer, sich die Worte überhaupt zurecht zu legen. Mit der Hand fährt er sich durch das Gesicht, als wäre er schrecklich erschöpft oder müde. „Geht es ihr… geht es Dayan gut? Und dem Kind?“, schafft er es schließlich doch, nachdem er seine Hand wieder hat sinken lassen. „Bist du mit ihr befreundet?“ Es täte gut zu wissen, dass sie nicht alleine ist.
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Meowin

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Saturday, October 4th 2014, 9:07pm

Meowin rätselt, was in dem Mann ihm gegenüber vorgeht, dieser sagt nichts, sieht ihn nur an, nein, sieht eher weg, und rührt sich nicht. Wenn er nur das Tuch nehmen würde! Aber er... will es nicht? Der Bäcker öffnet den Mund und die junge Bäckerin, plötzlich neben ihm, sagt: >Natürlich wird er das<, und nimmt Meowin das Tuch aus den Händen. Sie werde Aneirin das Sticken zeigen, wenn er es nicht könne, meint sie noch, dann macht sie auch schon wieder kehrt.
Wahrscheinlich wünscht er sich, dass ich gehe, denkt sich Meowin. Aneirin scheint mit sich zu kämpfen, wirkt abwesend, unruhig... traurig. Was sonst? Die Antwort auf die Frage, wie es ihm gehe, kommt so zögerlich und dünn, dass Meowin dieses >Gut...< schwer glauben kann. Doch er wiederholt es, gefasster, und es soll wohl die endgültige Antwort sein.
Nach erneutem hilflosen Schweigen fragt Aneirin nach Dayan und wenn er auch diese Worte nur mühsam hervorbringt, er fragt nach ihr und ihrem Kind.
„Ja, ich bin mit ihr befreundet. Dayan geht es besser, aber... Ich glaube, es ist sehr schwer für sie. Sie soll sich immer mehr schonen, sie muss stark sein. Sie sagten, das Kind liege falsch herum, aber drehe sich vielleicht noch. Die Wirte der Harfe kümmern sich gut um sie, und Mealla, die Heilerin. Dayan lacht wieder.“
Meowin schweigt und schaut abwartend, wieder im Ungewissen, wie Aneirin reagieren wird. Jedes Wort, das er sagt, jedes Wort, das er erfragt, scheint zu viel für diesen kleinen Raum. Wie wird erst Dayan reagieren, wenn er zurückkommt?

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22

Sunday, October 5th 2014, 10:05am

Es tut gut zu wissen, dass sie neue Freunde gefunden hat. Anfangs hatte er sich Sorgen gemacht, als sie allein ging und sie alle zurück ließ. Doch irgendwann wollte er daran glauben, dass sie mit ihrem offenen, freundlichen Wesen schnell neue Freunde finden würde oder vielleicht schon gefunden hatte. Freunde sind wichtig, gerade in Zeiten, in denen es einem nicht so gut geht. Er selbst ist unendlich dankbar für diejenigen, die für ihn da waren. Tyalfen, Narsaên, später Aidan und seine Freunde, Jenna, Naymilsala… Aneirin mustert Meowin, den Jungen mit diesen klugen, warmen braunen Augen. Er ist ihr sicher ein guter Freund. Schon allein, dass er hier ist und die undankbare Aufgabe eines Boten zwischen zwei sich Entfernenden übernimmt, zeigt das.
Der Bursche erzählt, dass es Dayan zwar besser ginge, aber es wohl schwer für sie sei. Ob er die körperlichen Auswirkungen der Schwangerschaft meint? Oder die geistigen ob ihrer Trennung? Das Kind läge falsch herum und sie müsse sich schonen. Aneirin hat keine Ahnung, was das für sie bedeutet oder für das Kind oder was das für beide für Konsequenzen bei der Geburt haben könnte. Bei den Göttern, er ist schließlich keine Hebamme, war noch nie bei der Geburt eines Kindes dabei. Aber Meowin nimmt ihm seine Sorgen etwas, als er sagt, dass die Wirte der Goldenen Harfe und Mealla, die Anirana, sich um sie kümmern, dass er glatt erleichtert ausatmet.
„Ich hoffe, sie nimmt sich deren Rat auch zu Herzen und schont sich und das Kind. Sie kann einen schrecklichen Dickkopf haben“, lächelt Aneirin jetzt sogar leicht. Es verfliegt jedoch schnell wieder, denn dies kam nicht ohne Grund über seine Lippen. Er muss an die ersten Siebentage und Monde ihrer Schwangerschaft denken, wie sie nicht auf ihn hören wollte und so gut wie nichts aß und irgendwann schrecklich kränklich aussah. Er hatte es irgendwann aufgegeben, sie davon überzeugen zu wollen, dass sie auf sich achten muss. Nein, wird ihm plötzlich bewusst. Er hatte sie aufgegeben. Mit ernstem Blick schaut er Meowin an. „Achtest du bitte auf sie? Und wäschst ihr den Kopf, wenn sie nicht auf Frau Meallas Rat hören will?“ Bittend wird sein Blick und seine Stimme ist beinahe nur ein Flüstern, als er hinzufügt: „Vielleicht hast du Erfolg, wo ich versagt habe…“
Wie um die Gedanken daran schnellstmöglich zu verdrängen, kommt auf einmal Bewegung in den jungen Mann. Er bedeutet Meowin einen Augenblick zu warten und verschwindet kurz in der Backstube, um ein sauberes Tuch zu holen. Das breitet er auf der Theke aus als er wieder zurückkommt und stellt daneben einen der Körbe mit Plätzchen aus dem Regal. „Es… Sie sehen zwar nicht mehr aus wie kleine Wolken“, erklärt er, während er Hand um Hand das Backwerk auf das Tuch legt, „aber sie schmecken genauso.“ Er selbst hatte sie gar nicht mehr backen wollen, doch die Kunden fragten so oft danach, dass er es irgendwann doch wieder wagte. Allerdings nun in dieser Form eines Taler. Als er alle übrig gebliebenen Plätzchen auf das Tuch gehäuft hat, knotet er die gegenüberliegenden Enden des Tuches zusammen. „Apfel-Taler“, reicht er Meowin das Bündel. „Dayan hat sie immer sehr gemocht.“ Wehmütig haftet sein Blick noch einen Moment auf dem Tuch, dann richtet er ihn wieder auf den Burschen. „Kann ich dir auch etwas anbieten? Als Dank fürs Vorbeikommen?“
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23

Thursday, October 9th 2014, 6:59pm

>Ich hoffe, sie nimmt sich deren Rat auch zu Herzen und schont sich und das Kind. Sie kann einen schrecklichen Dickkopf haben.< Ist da ein Lächeln? Eher eine Ahnung davon, die sich schnell verflüchtigt. Meowin denkt über Aneirins Worte nach. Dickkopf, so ein seltsames Wort, aber er hat es schon gehört und weiß etwas damit anzufangen. Nur auf Dayan will es in seinen Augen nicht zutreffen. Nein... Aber er kennt sie besser als ich.
Die nächsten Sätze des Bäckers verwirren den Wandler dann wirklich. Natürlich wird er auf sie achten. Aber... Dayan den Kopf waschen? Es ist nicht so, dass er begriffsstutzig sei. Doch die Sprache der Menschen in diesen Ländern kennt so einige Sprichworte und Sätze, die etwas ganz anderes ausdrücken als gedacht, mit denen er erst vertraut werden muss. „Was heißt...“, liegt ihm schon auf den Lippen, als Aneirin sehr ernst und noch leiser etwas flüstert: >Vielleicht hast du Erfolg, wo ich versagt habe...<
So niedergeschlagen, so bittend, dass Meowin etwas verlegen schaut. „Ich versuche, für sie da zu sein“, sagt er. Dann blickt er dem Bäcker nach, wie er in dem Hinterzimmer verschwindet, um ein Tuch zu holen. Geduldig wartet er, während dieser kleine gebackene Taler darauf häuft. Wolken... Wolken. Keine Frage, ein Geschenk für Dayan. Apfel-Taler. Mit einem Tuch gekommen, nimmt Meowin nun Aneirins Tuch entgegen. Ob er auch etwas möchte als Dank, wird er noch gefragt.
„Ich? Vielen Dank, aber – wirklich, ich mache es auch so.“ Für Dayan. Und... auch für dich. Er merkt es, als er das Gebäckpäckchen in den Händen hält: Er hat sich nicht gerade wohl gefühlt, hier zwischen Ladentisch und Tür und schweren Worten. Aber genauso, wie er nicht gezögert hat, Dayan diesen Gefallen zu erfüllen, kann er jetzt schon wieder lächeln und meinen, dass es gut ist, hergekommen zu sein.

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Thursday, October 9th 2014, 7:50pm

Bei dieser Aussage kann Aneirin nicht anders als dankbar zu lächeln. Der Bursche hat das Herz auf dem rechten Fleck und vermutlich hat der Bäcker ihm mit seiner distanzierten und vorsichtigen Haltung, die sogar die Theke wie ein Schutzschild zwischen ihnen gelassen hat, Unrecht getan, aber… Aneirin ist einfach noch nicht so weit, um unbeschwert und mit einem Lächeln auf den Lippen über sie zu reden. Wenigstens sieht Meowin nicht so aus, als wäre er ihm deswegen böse. Vielleicht denkt er sich auch seinen Teil, aber das könnte Aneirin ihm nicht übel nehmen.
Offenbar ist alles gesagt, was gesagt werden sollte und Aneirin spürt, wie er sich langsam etwas entspannt. Nicht, weil der Junge die Bäckerei wohl gleich verlassen wird, sondern weil das Reden über sie ein Ende findet, wenn er auch sicher in den nächsten Tagen zwangsläufig wieder etwas mehr über sie nachdenken wird. Aber das könnte er nicht verhindern. Er kann nur versuchen sich abzulenken, wenn er merkt, dass es ihn zu sehr bedrückt.
Jetzt tritt Aneirin auch um den Tresen herum und mustert den Jungen ein weiteres Mal. Dann hebt er seine Hand und legt sie ihm auf die Schulter. „Ich danke dir, dass du hier warst. Auch wenn… Auch wenn es vielleicht nicht so rüber gekommen ist.“ Er nimmt die Hand von Meowins Schulter und zuckt entschuldigend mit den eigenen. Wenigstens ist das Lächeln wieder da, da er den anfänglichen Schreck nun offenbar überwunden hat. „Und du bist ganz sicher, dass du nichts möchtest?“, deutet Aneirin mit einem Wink über die Auslage. Sollte der Bursche doch noch etwas wollen, würde er es ihm ohne Umschweife reichen.
Dann erst tritt Aneirin zur Tür und öffnet sie, woraufhin das Glöckchen hell erklingt. „Meowin?“, meint er an der offenen Tür stehend zu ihm. „Ich… werde kommen, wenn es soweit ist und sie mich dann immer noch dabei haben möchte. Kannst du… Würdest du ihr das sagen?“ Kurz spannen sich seine Züge vor Unsicherheit an. Aber dann reißt er sich zusammen, strafft seine Haltung, lächelt offen und herzlich und reicht dem Burschen die Hand. „Die Götter mögen dich behüten, Meowin. Ich hoffe sehr, wir sehen uns wieder.“
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25

Friday, October 10th 2014, 5:42pm

Der Bäcker entschließt sich zu etwas, das Meowin nicht erwartet hat: Er kommt hinter dem Ladentisch hervor, um sich, eine Hand auf der seiner Schulter, zu bedanken. >Ich danke dir, dass du hier warst. Auch wenn… Auch wenn es vielleicht nicht so rüber gekommen ist.< Nun, schließlich ist er ein sehr unerwarteter Gast gewesen. Auch damit, ungebeten zu sein, hat er gerechnet. Umso mehr freut er sich über den Dank. Meowin folgt mit den Augen Aneirins Zeig über die ausgelegten Backwaren, schüttelt aber nur leicht, lächelnd den Kopf. Er merkt wohl, dass Aneirin erst nach dieser Geste zur Tür geht. In keiner Weise erscheint es ihm wie ein Hinausschicken. Eher wie ein freundliches Tür-Aufhalten.
>Meowin?< Meowin blickt noch einmal abwartend zu Aneirin. Dessen Miene wirkt ebenso angespannt wie bei seiner Ankunft, als er ihn darum bittet, etwas auszurichten, das der Junge für längst geklärt hält. Ach nein. Er hat nie gesagt, kommen zu wollen. Lediglich Jenna hat kurz für ihn gesprochen.
„Ich sag' es ihr“, verspricht er und sieht erfreut, wie Aneirin lächelt, offen und ungezwungen. Es steht dem Mann viel besser. Meowin gibt ihm die Hand und während Aneirin wünscht, dass die Götter ihn behüten mögen, sagt er ihm: „Und Ealara möge über deine Wege wachen.“
Wenig später steht er wieder auf der abendlichen Straße unter der hölzernen Brezel. Das Tuch mit den Apfel-Talern in den Händen und die Worte des Bäckers in Gedanken, macht er sich auf den Weg zur Harfe.

Aneirin

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Friday, October 10th 2014, 6:54pm

Einen kurzen Augenblick blickt er dem Jungen noch nach. Ealara… Er folgt also dem gleichen, alten Glauben wie Dayan. Vielleicht sollte alles einfach so kommen, wie es gekommen ist. Vielleicht ist sie tatsächlich besser in Meowins Gesellschaft aufgehoben als bei ihm. Vielleicht sollte es mit ihnen einfach nicht funktionieren. Es soll keine Ausrede sein, soll das Vergangene nicht schön reden. Aber vielleicht… Vielleicht sollten sie ihre Wege einfach getrennt gehen. Aneirin tritt wieder in die Bäckerei und schließt die Tür hinter sich, was das helle Glöckchen erneut erklingen lässt. Kurz schaut er sich um, dreht dann das in der Tür hängende Schild von ‚geöffnet‘ auf ‚geschlossen‘ und schließt die Tür ab. Er nimmt den leeren Korb, in dem die Apfel-Taler lagerten, vom Ladentisch und stellt ihn zurück ins Regal. Da rutscht aus einer Ecke ein allerletzter Taler in sein Sichtfeld. Wenige Herzschläge lang betrachtet er ihn gedankenleer, ehe er ihn sich greift und in den Mund schiebt. Dann macht er sich auf die Suche nach Jenna.
Er findet sie schließlich im Schuppen auf dem Hof. Mit vor der Brust verschränkten Armen und gegen den Türrahmen lehnend betrachtet er die junge Frau eine Weile versonnen, wie sie dort über das Tuch gebeugt auf ein paar Säcken sitzt und einen Teil des Tuches in einen runden, hölzernen Rahmen spannt, so dass der Stoff schön straff gezogen wird. Die Sonne, die durch die offene Tür auf ihr Haar fällt, lässt es in einem leicht rötlichen Glanz scheinen. Er hat dieses Mädchen dort überhaupt nicht verdient. Obwohl er es ihr nicht gerade leicht macht, ist sie für ihn da, mit aller Fürsorge, die sie entbehren kann. Und bisher hat er ihr noch nichts davon zurückzahlen können. Unwillkürlich fragt er sich, wie lange sie diese Geduld mit ihm noch aufbringen könnte und für ihn da wäre.
Jennas Katze kommt auf ihn zu geschlendert und streicht schnurrend um seine Beine, um dann hinaus auf den Hof zu schleichen. In die Bäckerei darf sie nicht, aber über den Hof und die Straßen streunen schon. Und hier im Schuppen hat sie immer noch ihre Box mit der Decke, in die sie sich gerne kuschelt, wenn ihr nicht nach Herumstreunen zu Mute ist. Außerdem gibt es hier stets Wasser und Futter. Direkt unter dem Dach haben sie eine kleine Klappe angebracht, so dass die Mieze kommen und gehen kann wie ihr beliebt.
„Hast du vor, dort Wurzeln zu schlagen?“, holt Jenna seine Aufmerksamkeit zu ihr zurück. Nach einem kurzen zögerlichen Moment löst sich Aneirin vom Türrahmen und tritt in den Schuppen, um die Tür hinter sich wieder zu schließen. Da bemerkt er die kleine Laterne, deren Kerze im Inneren ruhig brennt. Noch reicht das Sonnenlicht aus, doch nicht mehr lang und es würde sich zurückziehen. Aneirin lässt sich neben der Bäckersmaid auf den Säcken nieder und seinen Blick über die zahlreichen Stickereien des Tuches wandern. Er kann sich gar nicht vorstellen, dass dies Tuch einmal sein Kind behüten soll. Sein Blick fällt auf seine Hände, die er schließt und wieder öffnet. Meowin sagte, sie würde sich freuen, wenn er käme. Ob er es würde halten dürfen? Mit diesen seinen Händen? Sein Kind?
„Was möchtest du sticken?“, hört er Jenna fragen und betrachtet die Stickereien noch einmal genauer. Viele Tiere sind dabei, auch ihre Gestalten sind vertreten. Tiere sind sicher eine gute Idee. Aneirin neigt den Kopf und nimmt am Rande wahr, dass Jenna ihn fragend ansieht, aber geduldig abwartet, da er darüber nachzudenken scheint. „Ein Häschen“, meint er schließlich. „Und ein Füchslein“, fügt er hinzu und blickt dieses Mal selbst Jenna fragend an, ob dies wohl machbar wäre. „Vielleicht so, als würden sie einander spielerisch jagen?“ Jenna runzelt die Stirn, fragt aber nicht nach, sondern senkt ihren Blick auf das Tuch. Aneirin folgt ihrem Blick, denn mit dem Finger malt sie die Umrisse auf das Tuch und er versucht sich vorzustellen, wie es aussehen könnte.
Als Jenna wieder fragend aufsieht nickt er bestätigend. „Es gibt verschiedene Stiche“, erklärt sie und zeigt mit dem Finger auf verschiedene Stickereien, dass er den Unterschied sehen möge. Aneirin deutet auf eine Blütenstickerei. „Diesen mag ich.“ Jenna nickt und reicht ihm ein kleines Kästchen mit Garn. „Such dir eine Farbe für den Hasen aus.“ Einen kurzen Augenblick lang wühlt er mit dem Finger durch die Garne und greift dann zielsicher nach hellblauem Garn, um es Jenna zu reichen. Doch anstatt es ihm abzunehmen, nimmt sie das Kästchen von seinem Schoß und reicht ihm eine Sticknadel. Auf seinen plötzlich überaus mitleiderregenden Blick mag sie aber nicht reagieren, sondern hebt erwartungsvoll die Brauen, dass Aneirin aufgibt und ihr die Nadel abnimmt, um anschließend ziemlich ungeschickt wirkend ein paar Mal mit dem Garnende an dem Nadelöhr vorbei zu zielen. Warum muss dieses Öhr auch so verdammt klein sein?
Irgendwann hat er es aber geschafft und blickt Jenna mit einem stolzen Lächeln auf den Lippen an. Nun endlich zieren auch die ihren ein schmales Lächeln, während sie über ihn den Kopf schüttelt. Sie schneidet das Garn auf eine händelbare Länge und nimmt ihm Nadel und Faden ab. Dann schwingt sie ihre Beine über seinen linken Oberschenkel und rutscht auf seinen Schoß, dass er einen guten Blick auf das Tuch hat. „Schau genau hin“, meint sie. Aneirin schaut sehr genau hin. Allerdings nicht auf das Tuch. Viel lieber betrachtet er ihre zarten Sommersprossen auf Nase und Wangen, die mit Beginn des Herbstes nach und nach wieder verblassen würden. Sein Blick wandert weiter über ihre Augen mit diesen unglaublich langen Wimpern und ihre zartrosa Lippen. Da schaut sie ihn plötzlich mit ihren warmen, grün-braunen Augen an. „Aneirin…“ Der Bäcker blinzelt kurz und senkt dann den Blick auf das Tuch und ihre grazilen Finger. Er bemüht sich wirklich den Stichen, die sie ihm zeigt, zu folgen. Aber dieser betörende Duft ihrer Haare an seiner Nase fördert seine Konzentration nicht gerade.
Und schon ruht sein Blick wieder auf ihr, gleitet über ihr Haar, das sie wie immer zu einem Zopf geflochten hat. Aneirin neigt leicht den Kopf und fragt sich, ob er sie schon einmal mit offenem Haar gesehen hat. Er kann sich nicht erinnern. Wie von selbst hat sich seine Hand gehoben, um seine Finger an ihrem Haarband spielen zu lassen. Wie schnell sich Schleife und Knoten doch gelöst haben, findet er, als er das gelbe Band durch seine Finger gleiten lässt. Ihre Haare allerdings wollen sich deswegen noch lange nicht lösen. Also lässt er die Finger seiner linken Hand nach und nach ihre Strähnen entflechten und durch das Haar kämmen, bis ihr langes, volles, leicht gelocktes Haar schließlich offen liegt und ihr zum Teil über die Schultern fällt. Mit zarter Berührung streicht er ihr das Haar auf der ihm zugewandten Kopfseite hinter das Ohr. Es ist warm, ihr Ohr. Aneirins Augen huschen über ihre Züge, doch ihre Miene zeigt nicht, was sie denkt. Allerdings liegt auch keine Ablehnung darin oder macht sie sonst Anstalten oder Bemerkungen, obwohl ihr seine Berührungen wohl kaum entgangen sein können.
Aneirin war von Anfang an aufgefallen, dass Jenna ein hübsches Mädchen ist. Aber hier und jetzt im Schein der Kerze mit den offenen Haaren, die ihr Gesicht sanft umschmeicheln und den durch das Herabschauen leicht gesenkten Lidern wird es ihm noch einmal wirklich bewusst. „Du bist bildschön“, kommt es ihm über die Lippen mit einer Stimme, die beinahe nur ein Flüstern ist. Aus dem Augenwinkel glaubt er zu sehen, wie ihre Finger beim Sticken kurz innehalten, genauso wie ihr Atem für einen winzigen Augenblick. Als ihm bewusst wird, was er gerade tut und sagt, ringt er rasch nach Worten. „H-Hab ich dir das schon mal gesagt?“, stammelt er schließlich und lenkt seinen Blick wieder auf das Tuch. „Ja…“, antwortet sie nach einem Moment und lässt ihn wieder aufschauen. Ein Lächeln ziert ihre Lippen. „Also, nicht so direkt wie jetzt, aber nebenbei hast du es schon ein paar Mal erwähnt.“ Erstaunt heben sich Aneirins Brauen, ist es ihm doch gar nicht so bewusst gewesen. „Na, dann muss es einfach stimmen“, lacht er leise.
„So, du bist dran“, drückt sie ihm den Stickrahmen sowie Nadel in die Hand. Rasch greift er danach und blickt dann ein wenig hilflos darauf. Vielleicht hätte er doch besser aufpassen sollen. Wie war das noch gleich? So vielleicht? Jenna schimpft nicht, also scheint es in Ordnung zu sein. Also weiter. Und weiter. Und weiter. „Und nun?“, fragt er, als er am Ende der Reihe angekommen ist. Jenna nimmt ihm den Stickrahmen wieder ab, was für seine Augen wiederum eine Aufforderung zu sein scheint, sie anzublicken. Dieses Mal vergewissert sie sich seiner Aufmerksamkeit jedoch und ertappt ihn. „Entschuldige“, lacht er rasch und verlegen bei ihrem vorwurfsvollen Blick. „Ich kann es nicht ändern. Es ist deine Schuld.“ Empört überrascht runzelt sie die Stirn. „Meine?“ Aneirin nickt grinsend. „Du bist so hübsch, dass ich dich einfach ständig ansehen muss“, versucht er sich an einer völlig unschuldigen Miene. Jenna rollt mit den Augen, kann sich ein Schmunzeln aber nicht verkneifen. „So werden wir aber nie fertig“, meint sie. „Und ich mache das sicherlich nicht für dich! Also, meinst du, du könntest jetzt zur Abwechslung mal aufpassen?“ Aneirin zuckt mit den Schultern. „Ich bemühe mich… Wirklich!“ Leise lachend schüttelt Jenna den Kopf, dass ihr die Haare wieder über Ohr und Schultern fallen. Dieses Mal jedoch streicht sie sich die Haare selbst rasch zurück, bevor er auch nur auf die Idee kommen kann.
Für einen Moment schafft er es sogar ihr zuzusehen. Dann jedoch fällt sein Blick auf ihre nackten Knie. Ach verdammt, warum muss sie ihn auch ausgerechnet jetzt so sehr locken? „Jenna?“, fragt er, ohne den Blick von ihren Beinen zu nehmen, selbst als sie ihn ansieht. Da nimmt er ihr den Stickrahmen aus der Hand und legt ihn an die Seite. „Aneirin…“, flüstert Jenna, als ahne sie schon, was er vorhabe. Unsicher blickt er wenige Herzschläge lang zwischen ihren grün-braunen Augen hin und her. Da bemerkt er, wie sehr ihm das Herz bis zum Halse schlägt. „Aneirin, bitte… Ich weiß nicht, ob das eine gute Idee ist…“ Er antwortet ihr nicht. Stattdessen greift er nach ihrer Hand, führt sie an seine Lippen und liebkost sie, ohne den Blick von ihr zu nehmen. Er spürt, wie sie sich unwillkürlich anspannt, doch sie entzieht ihm ihre Hand nicht. Auch nicht, als er mit zärtlichen Küssen ihren Arm hinauf wandert. Ihr Kopf neigt sich ihm entgegen, als er ihren Hals erreicht, als wolle sie ihn daran hindern weiter zu machen. Aber er ist hartnäckig, wandert mit seinen Lippen weiter, die Konturen ihres Gesichtes entlang. Und als er schließlich ihre warmen, weichen Lippen erreicht, wendet sie ihm den Kopf zu und erwidert seinen Kuss. Und es fühlt sich so unglaublich an, wie ein lang ersehnter Wunsch, der sich endlich, endlich erfüllt.
Schon hat er seine Hände in ihrem vollen Haar vergraben, dass sie sich bloß nicht von ihm abwendet, hält und küsst sie eine ganze Weile so, bis er glaubt, dass ihm wie ihr der Atem ausgehen muss. Seine Hände legen sich an ihr Gesicht, so dass er mit den Daumen über ihre weichen, leicht geröteten Wangen streichen kann. Eindringlich betrachtet er ihre Züge mit diesem flehentlichen Blick, der ihn stutzen lässt. Er würde bekommen, was er will, wenn er nur einfach weiter macht, das weiß er. Und vielleicht würde es ihr auch gefallen. Nein, es würde ihr ganz sicher gefallen, wenigstens für den Augenblick. Aber er sieht auch, dass es nicht das ist, was sie will. Er sieht es in ihren Augen. Und diese Erkenntnis trifft ihn hart. Seine Augen flüchten unruhig über ihr Gesicht, um ihr nicht allzu lange in die Augen sehen zu müssen, und senken sich schließlich schuldbewusst. Seinem Blick folgen seine Hände, die sie wieder freigeben, so dass sie aufstehen und gehen könnte.
Doch sie geht nicht. Stattdessen spürt er, wie sie ihre Arme um ihn legt und ihr Haupt tröstend gegen das seine lehnt. „Danke“, flüstert sie. Da umarmt auch er sie, hält sie fest, so fest er nur kann, vergräbt sein Gesicht in ihrem Haar. Was für ein wunderbarer Mensch sie ist. Und jetzt, wo er von sich behaupten kann, sie tatsächlich zu wollen… Jetzt wird ihm auch bewusst, dass er zu spät ist. „Es tut mir leid“, presst er hervor. Sie antwortet ihm nicht. Aber sie muss es auch nicht. Er spürt, wie ihre Finger über seinen Rücken streichen, ihn zu beruhigen, zu trösten, für ihn da zu sein. Trotz alledem. Ach, könnte er die Zeit doch nur zurückdrehen. Zurück an den Tag, an dem er sie auf dem Markt traf und er ihr die Brötchen abkaufte, die ihr versehentlich auf das Pflaster gefallen waren. Er würde es wieder tun, aber dann würde er sie küssen. Er hätte sie gleich küssen sollen, damals…
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Aneirin

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Sunday, October 12th 2014, 12:55pm

„Fertig“, lächelt Aneirin und betrachtet zufrieden das gestickte hellblaue Häschen und das zartrosa Füchslein auf dem Tuch. Gut, es mag kein Meisterwerk sein, aber er hat sich wirklich Mühe gegeben und immerhin erkennt man beide Tiere auf Anhieb. Aneirin hebt den Stickrahmen etwas höher und wirft einen Blick hinunter auf Jenna, die vor einer Weile schon ihren Kopf auf seinen Schoß gebettet hatte, während sie ihm von dem Rotschopf erzählte, den sie seit einigen Siebentagen traf. Er selbst hatte sie darum gebeten, wollte herausfinden, ob es ihr mit diesem Gerberburschen ernst ist. Und vielleicht, um sich selbst einzubläuen, sich nicht weiter in ihre Angelegenheiten einzumischen. Wenn auch anfangs zögerlich, hat sie bald schon mit einem Lächeln auf den Lippen von ihm erzählt, dass es Aneirin zuerst ein wenig schmerzte. Aber damit würde er sich wohl abfinden müssen.
Lange betrachtet er Jennas ruhige Züge mit den geschlossenen Augen im Schein der Kerze, die inzwischen die einzige Lichtquelle in sonst völliger Dunkelheit hier im Schuppen ist. Es muss sicher schon sehr spät sein, vermutlich mitten in der Nacht. Dass Jonne nach ihnen gesehen hat, ist sicher bereits einige Stunden her. Gleichmäßig hebt und senkt sich ihre Brust bei entspannten Atemzügen. Ganz sachte streicht Aneirin ihr das Haar aus der Stirn, um sie nicht versehentlich unsanft zu wecken, und dann mit dem Handrücken über ihre Wange. Da schmiegt sie scheinbar ihre Wange an seine Hand, unbewusst nur und noch immer schlafend, und doch lässt es ihn für einen Augenblick den Atem anhalten. Mit wehmütigem Blick legt er den Stickrahmen beiseite, seine linke Hand auf die ihre, die auf ihrem Bauch ruht, lehnt sich zurück und schließt selbst die Augen.
Er würde das Tuch Jonne am nächsten Morgen geben mit der Bitte, es zur Harfe zu bringen. Er möchte es nicht länger als nötig verwahren, möchte nicht ständig an Vergangenes wie Zukünftiges erinnert werden, möchte nicht zu viel an sie denken müssen. Und schon sind sie wieder da, die Erinnerungen, die Bilder in seinem Kopf. Schnell öffnet er die Augen, in der Hoffnung es möge sie verdrängen. Doch das tut es nicht, zumindest nicht sofort, nicht ohne noch quälend an seinem Herzen zu zerren. Sanft beginnt er mit dem Daumen über Jennas Handrücken zu streicheln und ihren Namen zu flüstern, bis sie sich schließlich zu regen beginnt. Verschlafen und fragend blickt sie ihn an und er ringt sich zu einem Lächeln durch. „Dein Bett wartet auf dich“, meint er und hilft ihr auf. Er reicht ihr das Kästchen mit dem Garn und den Rahmen mit Tuch, sowie die Laterne als sie den Schuppen verlassen. Einen Augenblick wartet er noch, bis sie die Treppe hinauf zu ihrer Stube erklommen hat und schließlich in ihr verschwindet. Dann erst wendet er sich ab und verlässt den Hof, um selbst nach Hause zu schlendern.
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Meowin

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Friday, October 17th 2014, 8:03pm

1. Nebelmond 514

→ Die Goldene Harfe

Jegliche anderen Verpflichtungen sind vergessen oder wenigstens beiseitegeschoben. So schnell er kann, folgt Meowin den Straßen zur Bäckerei und verpasst dabei sogar, sich darüber zu ärgern, dass es mit diesem steifen Bein nicht noch schneller geht. Unablässig denkt er an Dayan. Er hat Angst um sie. Angst, wie er um eine Schwester hätte. Wenn nur alles gut geht! Und ich kann nichts, tun, nichts... – Doch. Aneirin holen. Wenn Aneirin mitkommt, muss alles gut werden! Mit klopfendem Herzen erreicht der Wandler den Laden.

Während die Tür hinter ihm noch zufällt und die Glocke ein zweites Mal klingelt, steht er schon vor der Theke. „Aneirin! Ist Aneirin da?“
Die junge Bäckersfrau dahinter blickt ihn überrascht und sichtlich besorgt an. Sie weiß wohl, dass es keine große Auswahl an Gründen gibt, warum er derart beunruhigt und drängend nach Aneirin fragt. „Ist etwas passiert? Ist...“
„Dayan! Ich meine – das Kind! Es kommt. Jetzt!“

Aneirin

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Saturday, October 18th 2014, 1:58am

Aneirin formt gerade gemeinsam mit Jonne den Teig zu kleinen Brötchen, als er aus dem Verkaufsraum eine vertraute Stimme vernimmt. Es ist jedoch weniger die Stimme selbst, die er sofort dem jungen Meowin zuzuordnen weiß, als vielmehr die Aufregung und eine fast schon panische Unruhe, die darin mitschwingt und ihn aufschauen und horchen lässt. Rasch wischt er sich die Hände an der Schürze ab und tritt aus der Backstube in den Durchgang. Dort hinter dem Ladentisch steht der Junge, dessen sorgenvoller Blick von Jenna zu ihm selbst wandert, während er spricht: <„Dayan! Ich meine – das Kind! Es kommt. Jetzt!“> Der Bäcker blickt ihn überrascht und verständnislos an. „Was meinst du mit: jetzt?“ Das kann nicht sein, überschlägt Aneirin im Geiste noch einmal die Anzahl an Monden. Es bräuchte mindestens noch einen Mond, da ist er sich sicher. „D-Das kann nicht sein… Das ist viel zu früh…“, blickt er zwischen Meowin und Jenna hin und her. Doch der junge Mann beharrt darauf, dass es jetzt soweit sei. Panik. Nicht jetzt. Warum jetzt schon? Was will es denn jetzt schon in dieser Welt? Doch dann drängt ihm sich eine ganz andere Frage auf. Wenn es tatsächlich so früh kommt, wird es dann überhaupt überleben und diese Welt entdecken können?
Er senkt den Blick, als Jenna an seiner Schürze zupft und sie ihm schließlich abnimmt. Er hat überhaupt bemerkt, dass sie an ihn heran getreten ist. Verdattert starrt er sie an, als sie ihre weiche Hand an seine Wange legt… und dann so kräftig tätschelt, dass er sogar kurz die Augen schließen muss. „Reiß dich gefälligst zusammen. Was stehst du hier noch herum?“, meint sie dann in diesem Ton, der keine Widerworte dulden mochte, und schubst ihn ein Stückchen vorwärts. Immer noch irritiert blickt er sie an, dann zu Meowin, der zurecht keinen Hehl aus seiner Ungeduld macht, und anschließend zur Tür. ‚Mein Kind…‘, klopft sein Herz plötzlich ganz wild vor Aufregung. Tief holt er Luft, ehe er wieder zu dem Burschen blickt, ihm zunickt und dann mit großen Schritten zur Tür schreitet. Und während er ihm die Tür aufhält, blickt er noch einmal über die Schulter zu Jenna. Sie bemüht sich um ein aufmunterndes Lächeln, auch wenn ihre Augen nicht ganz so überzeugt aussehen. „Es wird sicher alles gut…“, spricht sie noch. Aneirin nickt ihr knapp zu und verlässt dann ebenfalls die Bäckerei, um Meowin zu folgen, der ihm bereits ein paar Schritte voraus ist.

→ Die Goldene Harfe
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