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Arya

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Tuesday, June 26th 2012, 2:43pm

Die Drachenlande

~ Langschnee 511, das Anwesen Gaidheal der Mac Skene im Norden von Tuathcoille ~

Vereinzelte Schneeflocken tanzen im Wind und die Sonne scheint schwach, wie durch Milchglas getrübt, in Aryas Gesicht. Die Kälte und die Aufregung zaubern einen rosa Schimmer auf die Wangen der jungen Frau, welche in ihrem dunkelgrünen Umhang auf dem Hofe des Anwesens steht und dem geselligen Treiben zuschaut. Sie vergräbt ihr Gesicht in das seidige Schwarzfuchsfell ihres Umhanges und atmet tief durch. Bald ziehen wir los. Marianna kann es bestimmt kaum erwarten. Aryas Blick schweift hinüber zum Eingang des Anwesens, vor welchem ihre Stiefmutter geschäftig hin und her stolziert, hin und wieder einen Befehl an ihre Angestellten weiter gibt und das Mädchen keines Blickes würdigt. Auch Simonea, ihre Halbschwester scheint nicht traurig über die Abreise Aryas zu sein und spielt fröhlich mit dem kleinen Hundewelpen, das ihre Mutter ihr geschenkt hat.

„Bist du sicher, dass du alles gepackt hast mo cridhe?“ Ayrek Mac Skene, Vater Aryas und Iarl des schönen Anwesens im Norden von Tuathcoille, hat sich zu seiner Tochter gesellt und schaut wohlwollend, aber auch etwas besorgt auf diese herab. Sein markantes Gesicht mit den purpurvioletten Augen ist immer noch attraktiv, auch wenn die vielen Winter ihn gezeichnet haben. Das lange Haar ist bereits von unzähligen Silbersträhnen durchzogen, aber immer noch voll und schön. „Tha athair, ich habe alles. Viel werde ich ja nicht mehr brauchen.“ Ein leichtes Lächeln umspielt Aryas Mundwinkel und sie schaut zu ihrem bepackten Pferd rüber. Banain, der schneeweisse Emathaner Hengst, ist mit zwei grossen Seitentaschen beladen in welchen einige Kleider, ein kleines Schmuckkästchen, Geschenke für Bekannte in Lair Draconis und Talyra, zwei grosse Felle, Aryas Tagebuch und ihr Schreibset verstaut sind. Etwas unruhig, aber freudig scharrt das grosse Pferd im gefrorenen Boden und sein Atem schwebt in weissen Wolken vor den aufgeblähten Nüstern. Das Pferd scheint zu wissen, dass es bald auf eine längere Reise geht und schüttelt erregt seine lange, weisse Mähne.

„Dann verabschiede dich von Marianna und Simonea. Wir sind nämlich bereit für die Abreise.“ Der Drachenländer legt seine Hand auf die Schulter seiner Tochter und deutet mit einem Kopfnicken auf die beiden Frauen. Arya seufzt leise und nickt dann. Sie streicht kurz über den Kopf ihres Zimtwolfes Faileas, der ruhig neben ihr sitzt und geht hinüber zu Marianna, welche immer noch nervös umher geht. „Lady Mac Skene,“ kündigt sich Arya an und verbeugt sich leicht. „Ich möchte mich für alles bedanken und mich verabschieden.“ Mit eingezogenem Kopf und hängenden Schultern steht Arya vor der Frau ihres Vaters und ihre purpurvioletten Augen starren auf Mariannas Schuhspitzen. Die dürre Frau mit den aschblonden Haaren dreht sich zu Arya um und mustert diese eine Weile abschätzend, bevor sie spricht. „Wurde auch langsam Zeit. Zwanzig Winter auf dem Anwesen Gaidheal waren mehr als genug. Wäre es nach mir gegangen würdest du schon seit Jahren nicht mehr hier sein. Lebewohl Arya Duilleag, möge dein Pferd dich weit tragen.“ Mit diesen Worten rafft Lady Mac Skene ihre Röcke und geht zurück ins Haus ohne sich noch einmal umzudrehen. Bei der Erwähnung ihres Bastardennamens zuckt Arya zusammen, sagt aber nichts. Bedrückt schaut sie ihrer Stiefmutter hinter her, fasst sich dann wieder und wendet sich an Simonea, welche immer noch mit dem Welpen spielt. „Slàn leat und pass ich auf dich auf.“ Sie umarmt das jüngere Mädchen kurz und geht zurück zu den Männern, welche bereit sind, Iarl Ayrek Mac Skene und seine Tochter sicher nach Liar Draconis zu bringen.

„Es kann los gehen Vater.“ Arya schwingt sich gekonnt auf Banain und gibt dem Pferd die Sporen. Auf Befehl ihres Vaters öffnen sich die Tore und die zwanzig Mann reiten los. Als sie das Tor passieren, schweift Aryas Blick ein letztes Mal zu den purpurnen Bannern mit dem Schwarzfuchs drauf, welche übermütig im Wind flattern. „Beannachd leibh, ich komme wieder!“ flüstert sie leise und legt ihre behandschuhte Hand auf ihr pochendes Herz. Zum ersten Mal in ihrem Leben verlässt Arya das Lehen Tuathcoille und bald auch die Drachenlanden.

~ Langschnee 511, Lair Draconis ~

Das Schnauben der Pferde und das eiserne Klappern der Rüstungen und Schwerter der Truppe sind die einzigen Geräusche welche Arya hört, während sie durch den schneebedeckten Dràgonàrdain reiten. Nur der Wind heult ab und an wie ein verletztes Tier um die mit Eis bedeckten Gipfeln und peitscht Schneekörner, die wie Nadeln auf der Haut stechen, in die geröteten Gesichter der Drachenländer. Die junge Frau ist froh um ihre Lederhandschuhe, welche mit dickem Kaninchenfell gefüttert sind, denn neben ihr reitet ein junger Knappe, der nur ein paar Wollhandschuhe trägt und sie sieht ihn mehr als einmal mit schmerzverzerrtem Gesicht die Hände reiben. Nach dem sie bereits einige Tage durch die kalten Gebirgszüge reiten, hält Arya kaum mehr Ausschau nach der Hauptstadt Lair Draconis, sondern starrt Luftlöcher in die weisse Umgebung und versucht sich nicht anmerken zu lassen, wie langweilig ihr ist. Und dies ist nur eine kurze Reise, ich hoffe wirklich, dass der Weg in die Herzlande etwas spannender wird. Die junge Frau klopft etwas gefrorenen Schnee von der silberweissen Mähne ihres Pferdes, als plötzlich ein Raunen durch die Truppe geht. Nach der eben erst passierten Kurve hat sich das Landschaftsbild auf einmal verändert und vor ihnen öffnet sich das Gebirge zu einem Tal, in welchem die riesige Stadt Lair Draconis sitzt. Ein eisig, blauer Fluss schlängelt sich wie ein Band um die drei Hügel, auf und um welche die prachtvolle Stadt gebaut wurde. Es ist, als wären sie in eine neue Welt gekommen; Nach dem sie die Sonne in den letzten Tagen kaum zu sehen bekommen haben, scheint diese nun wärmend in ihre Gesichter und der eisige Wind, welcher sie auf der Reise durch das Gebirge begleitet hat, ist verstummt. Mit neuer Energie reiten die Männer etwas schneller und die grosse Stadt kommt immer wie näher. Der Vordermann ist bereits losgeprescht, in der Hand das purpurne Banner der Familie Mac Skene, um Iarl Mac Skene und sein Gefolge bei der Stadtgarde und ihrem Gastgeber anzukündigen.

Arya treibt Banain an um mit ihrem Vater aufzuschliessen und zupft derweil nervös ihr Haar, welches unter der Kapuze ihres Umhangs steckt, zurecht. Ihr Vater lächelt freudig, als er seine Tochter neben sich bemerkt und wird dann wieder ernst. „Ja, das ist sie meine Tochter, die schönste und grösste Stadt der Immerlande. Es wird dir sicher gut gefallen und vielleicht können dich ja deine Brüder davon überzeugen bei den Sturmschwertern zu dienen, anstatt weiter in die Herzlande zu ziehen.“ Er schaut seine Tochter aus den Augenwinkeln an, während sie auf die grossen Tore der Stadtmauern zureiten. Diese hört ihn aber kaum und starrt gebannt auf die silberweissen Banner, welche sanft im Wind flattern. Sie kommen an beladenen Ochsenkarren vorbei, Händler mit grossen Körben preisen in der Allgemeinsprache ihre Ware an, Frauen in modischen Kleidern laufen kichernd in Gruppen durch die Gassen und Arya sieht zu ersten Mal Völker von denen sie bis jetzt nur aus Büchern gehört hat. Die Gerüche von fremden Gewürzen, dampfenden Suppen, leckeren Fleischspiessen und süssen Köstlichkeiten steigen in Aryas Nase und ihr Magen beginnt sofort zu knurren, als hätte sie seit Tagen nichts gegessen. „Was hast du gesagt Vater?“ fragt sie geistesabwesend und beobachtet wie ein Schausteller mit Feuer einige Kunststücke vollbringt. Ayrek entgegnet darauf nichts und schüttelt nur lachend den Kopf. Plötzlich bemerkt Arya, dass die Leute in ihrer nähren Umgebung etwas unruhig werden und sie sieht ihren Zimtwolf interessiert an einem Stand mit Fleischbällchen schnuppern. „Faileas hier her!“ ruft die junge Frau ihren Wolf streng zurück. Dieser spitzt die Ohren, blickt sein Frauchen bettelnd mit seinen bernsteinfarbenen Augen an, gehorcht dann aber als er den tadelnden Blick Aryas bemerkt.

Die Truppe reitet durch breite Strassen, verwinkelte Gassen und unterschiedliche Stadtteile, bis sie vor einem schönen, grossen Anwesen ankommen. Dort werden sie bereits von Sire Rorian Dires erwartet, einem alten Freund und Ordensbruder von Ayrek Mac Skene. Einige Bedienstete nehmen Arya und ihrem Vater die Pferde ab und Ayrek und Rorian begrüssen sich erst mal freudig, während die junge Frau etwas schüchtern hinter ihrem Vater stehen bleibt. „Aye mein Freund, schön dich wieder zu sehen. Dies muss deine Tochter sein, die sich da hinter dir versteckt. Diese Augen sagen doch alles.“ Ayrek nickt und winkt Arya neben sich. „Ja, dies ist Arya, meine älteste Tochter.“ Sagt er stolz und legt den Arm um seinen Sprössling. Die junge Frau lächelt schüchtern, verbeugt sich leicht und schaut dann ihren Vater etwas unsicher an. Sie ist sich nicht gewohnt, dass sie als offizielle Tochter vorgestellt wird, denn bis jetzt waren sie immer nur mit Marianna unterwegs und diese hätte so etwas nie gutgeheissen. Ihr Vater gibt ihr aber einen kleinen Schubs und lächelt ihr aufmunternd zu. „Es freut mich Euch kennen zu lernen Sire und ich möchte mich bereits jetzt für Eure Gastfreundschaft bedanken.“ Mit der Aufmunterung ihres Vaters hat sich Aryas Körperhaltung verändert und sie steht nun aufrichtig vor Rorian, welcher sie interessiert mustert. Er lächelt wohlwollend und führt die beiden dann in sein Anwesen, welches am Fusse des Blauen Hügels liegt.

Während Rorian ihrem Vater seine Gemächer zeigt, wird Arya einem jungen Mogbar Mädchen vorgestellt, welches ihre Bedienstete sein wird für die nächsten Siebentage in Lair Draconis. Ihr Name ist Melinda und sie reicht Arya gerade mal bis zum Bauchnabel. Das dunkelbraune Wuschelhaar hat sie mit einigen Spangen versucht zu bändigen, was aber nur mässig gelungen ist. Während Melinda vorangeht, die einzelnen Räume des Anwesens erklärt und fröhlich vor sich hin summt, mustert Arya ihre Dienerin verstohlen. Bis jetzt hatte sie noch nie jemanden, der ihr dient und sie fühlt sich etwas unwohl dabei. Im Anwesen ihres Vaters hat es zwar Bedienstete, doch diese sind mehrheitlich für die Tiere, den Haushalt und vor allem Marianne da. Vor allem aber irritiert sie, dass das Mädchen dem Volk der Mogbar angehört und Arya bis jetzt noch nie so jemandem begegnet ist. Natürlich hat sie einiges über das kleine Volk gehört und auch gelesen, aber wo sie lebt, gibt es kaum Mogbars. „Und hier ist Euer Gemach Lady Mac Skene.“ Arya zuckt merklich zusammen bei der Erwähnung des Familiennamens ihres Vaters und beisst sich auf die Lippen um Melinda nicht zu korrigieren. Sie weiss nicht, dass ich eigentlich Duilleag heisse. Wenn sie das wüsste, würde sie mich sicher nicht so behandeln. Ob Vater wohl einfach niemandem gesagt hat, dass ich ein Bastardenkind bin? Nachdenklich betritt Arya das schöne, helle Zimmer, welches einen wunderbaren Ausblick den Fluss hat. „Wenn Ihr noch etwas braucht, ruft mich einfach. Ich bin in Eurer Nähe. Abendessen gibt es im Familiensaal in einer Stunde.“ Mit diesen Worten und einer kleinen, etwas unbeholfenen Verbeugung geht das Mädchen aus dem Zimmer und lässt die Drachenländerin alleine.

Arya kann sich nun zum ersten Mal etwas genauer in ihrem neuen Reich umschauen, in welchem sie die nächsten Siebentage verbringen wird. Das grosse Bett sieht bequem aus und der Badezuber ist gefüllt mit dampfendem Wasser und wohlriechenden Kräutern. Daneben liegt ein grosses, weiches Tuch und in einer silbernen Schale einige Seifen. Freudig entledigt sich Arya ihren Kleidern, steigt in den Zuber und wäscht sich gründlich. Ihre angespannten Muskeln werden durch die wohlige Temperatur wieder geschmeidig und sie fühlt sich wie frisch geboren, als sie aus dem Zuber steigt. Aus ihrem Gepäck, welches bereits in ihr Zimmer gebracht wurde, nimmt sie eine geschmeidige, schwarze Lederhose und eine frische, dunkelrote Tunika. Schnell flechtet sie sich ihr Haar neu und geht dann aus dem Zimmer, um nach Banain und Faileas zu schauen, bevor sie zum Abendessen geht. Auf dem Weg zu den Ställen begegnet sie einigen jungen Stallburschen, welche sie interessiert mustern und ihr hinter her blicken. Dies entgeht der jungen Frau jedoch völlig und sie wandert gedankenversunken durch die Ställe um nach ihrem Pferd zu schauen. Nach dem sie kontrolliert hat, das Banain genügend abgerieben und gefüttert wurde, geht sie in den Hof, in welchem Faileas in einem separaten, abgesperrten Teil genüsslich ein riesiges Stück Fleisch verzerrt. Einige Bedienstete des Anwesens schauen interessiert in das Gehege, gehen jedoch nicht zu nah zu dem Zaun. Arya jedoch öffnet die Türe und geht zu ihrem Wolf rein, der ihr freudig entgegen kommt. „Na mein Junge, gefällt es dir hier?“ Sie krault den Wolf hinter den Ohren und setzt sich neben ihn, ohne auf die neugierigen Blicke der anderen zu achten. Normalerweise rennt Faileas auf dem Anwesen ihres Vaters umher, streunt im nahegelegenen Wald herum und kann sich somit frei bewegen. Ab hier wird es etwas anders werden und das bedauert Arya zu tiefst. Den Wolf zurücklassen konnte sie aber auch nicht. „Du musst halt etwas mehr an meiner Seite bleiben Faileas und nicht immer hinter jeder Gans her jagen.“ Als würde sie der Wolf verstehen heult er leise und schmiegt seinen grossen Kopf an Aryas Schulter. Diese krault ihn ein letztes Mal und geht dann zurück ins Haus um mit ihrem Vater, deren Gastgeber zu Essen.

Während Arya zusammen mit ihrem Vater, Rorian und dessen zwei Söhnen das Abendmahl einnehmen, unterhalten sich die zwei Männer über den Orden und auch über Aryas Brüder. „Deine beiden Söhne sind gute Schwertkämpfer geworden und werden dem Orden sicher noch gute Dienste erweisen. Sie kommen ganz nach dir mein alter Freund.“ Meint Rorian wohlwollend, bevor seine silbergrauen Auge auf Arya ruhen bleiben. „Ich habe gehört, dass auch du mein Kind als Schwertkämpferin dienen möchtest. Weshalb in den Herzlanden und nicht hier bei uns, wo eine wahre Drachenländerin hingehört?“ Weil ich keine wahre Drachenländerin bin. Arya nimmt einen Schluck Wein und gibt sich so selber einen Augenblick Zeit um zu antworten. „Nun, bevor ich dem Orden diene, möchte ich erst mehr von den Immerlanden sehen. Die Steinfaust hat einen ausgezeichneten Ruf und Lord Olyvar von Tarascon ist schliesslich auch aus unseren Landen.“ Arya hat sich diese Begründung bereits vor einigen Zwölfmonden zurecht gelegt, als sie ihren Vater zum ersten Mal bat, sie nach Talyra zu schicken. Nicht das es eine Lüge wäre, es steckt jedoch mehr hinter ihrem Verlangen in die Herzlande zu gehen, als nur ihre Ausbildung. Rorian nickt verständnisvoll, wirft aber gleichzeitig einen ernsten Blick zu Ayrek, welcher stumm neben ihm sitzt. „Nun dann hoffen wir, dass du schnell lernen wirst und bald zusammen mit deinen Brüdern und meinen Söhnen dem Orden dienst.“ Etwas zu heiter erhebt der Hausherr das Glas und prostet Arya zu, welche ebenfalls ihr Glas erhebt.

Das Gespräch geht noch eine Weile weiter und fällt auf das bevorstehende Mitwinterfest, die Ankunft von Aryas Brüdern, welche momentan noch auf Patrouille im Gebirge sind und Noah, Aryas anderer Bruder, welcher im Sithech Tempel als Novize dient. Nach dem Abendessen, geht Arya sehr bald in ihre Kammer zurück und fällt erschöpft in das weiche Bett. Sie kann jedoch nur schlecht einschlafen, da sich ihre Gedanken um die merkwürdige Reaktion Rorians dreht. Er scheint irgendetwas zu wissen, nur was ist die Frage? Vielleicht war er vor zwanzig Jahren mit Vater in den Herzlanden...mit diesen Gedanken schläft die junge Frau schlussendlich ein und träumt von einem weinenden Drachen, welcher sie bis in die Herzlande fliegt.

~ 19. des Monats Langschnee 511, Lair Draconis ~

Es sind bereits einige Tage vergangen seit Arya und ihr Vater in Lair Draconis angekommen sind. Die Vorbereitungen für Mean Geimhridh, die Wintersonnenwende, sind überall im Gange und es scheinen immer mehr Leute in die Stadt zu kommen um das wichtige Fest dort zu feiern. Drei Tage vor dem grossen Fest und Aryas Geburtstag, klopft es am frühen Morgen an die Türe ihres Gemaches. Etwas verschlafen steigt die junge Frau aus dem Bett, wirft sich ihren Umhang über das Nachtgewand und öffnet etwas zögerlich die schwere Holztüre. Vor ihr steht ihr Vater, in der einen Hand drei Rollen und in der anderen eine Tasse mit heissem Tee. „Guten Morgen mo cridhe. Ich hoffe ich habe dich nicht geweckt?“ Mit einem breiten grinsen kommt Ayrek in ihr Zimmer, stellt die Tasse auf den Tisch und legt die Rollen, welche alle mit dem Siegel der Mac Skene versehen sind, daneben. „Guten Morgen Vater, was bringt dich zu mir in so früher Stunde?“ Arya setzt sich neben Ayrek, nimmt vorsichtig einen Schluck des heissen Kräutertees und wirft einen unauffälligen Blick auf die Rollen bevor sie sich ihrem Vater zuwendet. „Nun mein Kind ich habe mir gedacht, dass du deinen Brüdern vielleicht persönlich die Einladung für dein Geburtstagsfest bringen möchtest?“ Ungläubig starrt Arya ihren Vater an. Geburtstagsfest? So etwas hat es für sie im Hause Mac Skene nie gegeben. „Du meinst wohl das Fest der Wintersonnenwende Vater?“ Zweifelnd schaut sie zu ihrem Vater und dann wieder auf die Rollen. „Nun ja, die Wintersonnenwende fällt wie immer auf deinen Geburtstag, aber dieses Jahr feiern wir beides zusammen. Rorian hat bereits einiges in die Wege geleitet. Er ist bekannt für seinen guten Feste und wir werden zuerst im kleinen Kreise deinen Geburtstag feiern und danach mit Rorians Freunden und einigen Ordensbrüdern Mean Geimhridh. Was hältst du davon?“ Bei den Worten ihres Vaters kann Arya nur ungläubig den Kopf schütteln. „Ich....ehm...also ich weiss nicht Vater. Bist du sicher, dass dies eine gute Idee ist? Noah wird nicht begeistert sein und Marianna bestimmt davon berichten.“ Die junge Frau seufzt leise und schaut ihren Vater ernst an. „Ich möchte nicht, dass du meinetwegen noch mehr Ärger mit Marianna bekommst.“ Dieser lacht nur und schüttelt den Kopf. „Mein Kind, lass das mal meine Sorge sein. Du wirst 20 Zwölfmonde alt, gehst vielleicht bald für eine längere Zeit von mir weg und wer weiss, wann und ob wir uns wieder sehen. Ausserdem ist Marianna nicht da und es hat sie nicht zu interessieren wie ich meine Tochter ausserhalb von unserem Heim behandle.“ Er streicht Arya liebevoll über das zerzauste Haar und deutet mit einem Kopfnicken auf die Rollen. „Bringe diese Rollen deinen Brüdern. Dohrian und Jermund findest du im Drachenstein und Noah ist im Sithechtempel. Ich weiss wie viel dir das bedeutet.“ Mit diesen Worten steht er auf, umarmt seine Tochter fest und lässt diese, verwirrt und auf die Rollen starrend, zurück in ihrer Kammer. Ein Geburtstagsfest für mich? Und ich darf zu Dohrian und Jermund in den Drachenstein. Immer noch ungläubig starrt Arya auf die Rollen. Nach dem sie sich vom ersten Schock erholt hat, springt sie auf, wäscht ihr Gesicht, flechtet sorgfältig ihre Haare zu einem strengen Zopf und fängt an sich hektisch einzukleiden. Sie zieht ihre besten Lederhosen an, eine weiche, schwarze Tunika, die dunkelbraune Lederweste und ihre dunkelbraunen Stiefel. Dann legt sie sich ihren Waffengürtel mit dem Schwert um die Hüfte und wirft sich ihren langen, dunkelgrünen Umhang über die Schultern. Fast hätte sie die Rollen vergessen. In letzter Sekunde schnappt sie sich diese, steckt sie in eine kleine Umhängetasche und stürmt aus ihrer Kammer.

Melinda, welche bereits von Ayrek informiert wurde, wartet mit ihrem Pony und Banain auf dem Hof. Die Tiere sind bereits gesattelt und bereit für den Stadtrundgang. „Guten Morgen Lady Mac Skene. Ich habe euch ein kleines Frühstück eingepackt, da ich doch weiss, wie wichtig euch die erste Mahlzeit des Tages ist.“ Mit einem freundlichen Lächeln übergibt Melinda der Drachenländerin ein warmes Stück Brot, welches mit viel Käse und Schinkenscheiben belegt ist und einen Trinkbeutel mit Fruchtsaft. „Ach du bist ein Schatz Meli. Was würde ich nur ohne dich tun.“ Arya schwingt sich auf ihr Pferd und beisst genüsslich in ihr belegtes Brot. „Wo sollen wir am besten zuerst hin?“ Fragt Arya mit vollem Mund und wischt die Brotkrümmel von ihrem Umhang. „Euer Bruder im Sithechtempel wird bestimmt schon bei seinem Studium sein zu dieser Stunde. Ich denke wir sollten zuerst zu ihm.“ Wie von Melinda vorgeschlagen reiten die beiden durch die noch nicht so geschäftigen Strassen der Stadt, bis sie zum Weissen Hügel kommen, auf welchem das Tempelviertel angesiedelt ist.

Der Sithechtempel ist leicht zwischen den anderen Tempel zu finden, sind seine Mauern doch aus nachtschwarzem Stein, welches jedes Licht verschlingen. Die riesigen, aus Onyx gefertigten Rabenstatuen rund um den höchsten Turm des Tempels scheinen auf die zwei Frauen, welche an den Stufen des Tempels stehen, runter zu schauen. Dies ist dem Mogbarmädchen nicht so geheuer und sie schaut sich nervös um. „Ich werde hier draussen auf Euch warten und zu den Pferden schauen.“ Meint sie leise und Arya nickt zustimmend. Sie selber wurde im Zeichen des Raben geboren, ist somit ein Kind Sithechs und fühlt keine Furcht vor der Dunkelheit. Jedoch mochte sie Tempel noch nie und ihren Halbbruder Noah hier zu besuchen, gefällt auch ihr nicht besonders. Zu Noah hatte sie nie ein gutes Verhältnis, er kommt ganz nach Marianna und war immer ihr liebstes Kind. Es wäre aber nicht Recht ihm keine Einladung zu geben.Mit einem Seufzen geht die junge Frau die nachtschwarzen Treppen hoch und durch das offene Tor in den Hof der Tempelanlage. Etwas verloren blickt sie um sich um herauszufinden wo ihr Bruder genau sein könnte. Es ist noch früh, trotzdem laufen viele Leute in grauen Roben umher, den schwarzen Raben auf ihrer Brust. Einige sind als Priester mit dunkelgrauen Überwürfen gekennzeichnet und einige Frauen wandeln verschleiert umher. Gerade will Arya zum Eingang des Tempels laufen, als eine ältere Frau in Priesterrobe vor sie tritt. „Kann ich euch irgendwie helfen?“ Fragt sie freundlich und schaut Arya fragend an. Ihr streng nach hinten gekämmtes, nachtschwarzes Haar ist mit vielen Silberfäden durchzogen und die kühlen, blauen Augen sind umgeben von vielen, feinen Falten. Arya macht erschrocken einen Schritt zurück und schaut dann auf die kleinere Frau hinab. „Bitte entschuldigt, ich bin auf der Suche nach meinem Bruder. Noah Mac Skene ist sein Name und er ist Novize hier.“ Leise trägt die Drachenländerin ihre Bitte vor und vermeidet der Priesterin in die Augen zu schauen, welche sie interessiert mustert. „Meines Wissens hat Noah keine ältere Schwester. Wie ist Euer Name wenn ich fragen darf.“ Arya schaut erstaunt auf, bevor sie die Erkenntnis wie ein eisiger Wasserschwall trifft. Aber selbstverständlich, Noah würde nie von mir als seine Schwester sprechen. Die Schande ist für ihn genau so gross wie für seine Mutter. Die junge Frau fasst sich wieder und atmet tief durch bevor sie sich vorstellt. „Mein Name ist Arya Duilleag und ich bin die Tochter von Iarl Mac Skene, welcher auch der Vater meines Halbbruders Noah ist.“ Ihr entgeht nicht, dass bei der Erwähnung ihres Bastardennamens, welcher in den ganzen Drachenlanden als solcher bekannt ist, die Mundwinkel der Priesterin abschätzig zucken. „Ah so, nun wenn das so ist werde ich Noah Bescheid geben, das du hier auf ihn wartest.“ Die Frau dreht sich ohne ein weiteres Wort um und geht in den Tempel. Wunderbar, jetzt werde ich schon behandelt wie eine Ungläubige, nur weil ich in Unehre gezeugt wurde. Als könnte ich etwas dafür. Gedemütigt wartet Arya draussen auf dem Hof, die Rolle mit der Einladung in ihrer Hand und starrt auf den Tempeleingang, in welchem die Priesterin verschwunden ist. Sie merkt nicht, wie sie in ihrer Wut das Papier in ihrer Hand zerknittert und das Siegel zerbröckelt. Plötzlich taucht ein bekanntes Gesicht zwischen den Leuten auf und Arya hört auf unruhig umher zugehen und bleibt abwartend stehen. Als ihr Bruder vor ihr steht, verbeugt sie sich angemessen und wartet darauf, dass er sie anspricht. „Arya, ich habe gehört das du nach mir gefragt hast. Was gibt es denn so Wichtiges, dass du mich von meinen Studien unterbrechen musst?“ Ja es ist auch schön dich zu sehen Bruder. Arya hat Noah seit mehr als zwei Sommern nicht gesehen, doch er hat sich kaum verändert. Seine Gestalt ist immer noch dünn und kränklich, das dunkle Haar ist fahl und hängt ihm ins hagere, bleiche Gesicht und die wässrig, blauen Augen haben den selben kalten Glanz wie früher. Er ist mindestens einen Spann kleiner als seine ältere Halbschwester und die graue Novizenrobe mit dem schwarzen Raben auf der Brust hängt ihm wie ein Sack um die schmalen Schultern. „Vater hat mich gebeten dir dies hier zu übergeben.“ Arya gibt Noah die zerknitterte Rolle und verschränkt abwartend die Arme. Noah wirft zuerst einen Blick auf das malträtierte Papier und schaut dann Arya kopfschüttelnd an bevor er anfängt zu lesen. „Das nächste Mal könntest du etwas sorgfältiger mit dem Schreiben meines Vaters umgehen.“ Murmelt er, während er die Zeilen überfliegt. Seine Augen werden grösser als er von der Geburtstagsfeier liest und er wirft Arya einen bösen Blick über den Rand des Briefes zu. „So so, du hast es also geschafft und Vater endgültig auf deine Seite gezogen. Meine Mutter wird nicht erfreut sein über diese Angelegenheit.“ Er zerknüllt den Brief und wirft ihn in eine nahegelegene Feuerschüssel, welche überall auf dem Hof verteilt sind. „Ich bin leider verhindert, doch richte Vater meinen Dank aus und lass ihn wissen, dass ich Mutter gerne über eure Ankunft berichte.“ Mit einem kalten Grinsen dreht sich Noah um und verschwindet wieder im Tempel. Das lief ja noch fast besser als gedacht. Kopfschüttelnd schaut Arya ihrem kleinen Bruder nach, dreht sich dann um und geht zurück zu Melinda, welche bereits ungeduldig auf sie wartet. Die junge Mogbar sagt nichts als sie das ernste Gesicht Aryas sieht und übergibt der Frau stillschweigend die Zügel ihres Pferdes.

Schweigend reiten die beiden Frauen durch die Stadt in Richtung des Drachensteins, wo sich der Orden der Sturmschwerter aufhält und somit auch Aryas ältere Halbbrüder sind. Der Drachenstein überschaut die gesamte Stadt und die grossen, steinernen Drachentürme beeindrucken die Bewohner Lair Draconis jeden Tag aufs Neue. Arya wird bei jedem Schritt, den sie der Festung näher kommen, nervöser. Schon als kleines Kind wollte sie als Ordensmitglied bei den Sturmschwertern dienen, doch dieser Plan hat sich vor einigen Jahren geändert. Trotzdem geht für sie mit dem Betreten dieser ehrwürdigen Festung ein Traum in Erfüllung und als sie die schweren, von Steindrachen bewachten Tore passieren, kann sie nicht aufhören zu grinsen. Im Hof werden den beiden Frauen sofort die Pferde abgenommen und ein junger Ordensmann mit weissem Surcot über dem Kettenhemd, auf welchem stolz der blaue Sturmdrachen prangt, kommt ihnen entgegen. „Was kann ich für die Damen tun?“ Fragt er freundlich und sein Blick bleibt an Aryas Schwertscheide hängen. Er mustert die junge Frau interessiert und lächelt dann. „Mein Name ist Arya und ich bin auf der Suche nach meinen Brüdern Dohrian und Jermund Mac Skene. Ich habe gehört, dass sie seit gestern zurück von ihrer Patroullie sind.“ Der junge Soldat schaut nachdenklich und nickt dann. „Mac Skene, ja ich glaube die beiden sind beim fünften Trupp. Ihr solltet sie im blauen Zwinger finden, welcher sich hinter dem Wyrmturm befindet.“ Im blauen Zwinger herrscht reges Treiben, da einige Schwertkämpfer gerade am trainieren sind, andere wiederum zuschauen und die miteinander kämpfenden Männer anfeuern. Melinda drängt sich beim Anblick von so vielen Männern mit Schwertern näher an Arya und diese blickt lächelnd zu der Mogbar. „Keine Sorge Meli, die tun uns nichts.“ Die beiden Frauen gehen näher an das Geschehen ran und Arya versucht ihre Brüder in der Menge auszumachen.

Dohrian ist der erste den sie erspäht. Sein dunkles, langes Haar zu einem Pferdeschwanz gebunden steht er an der Seite des Übungsfeldes und gibt einige Anweisungen an eine Gruppe Rekruten. Er steht mit dem Rücken zu ihr und sieht sie nicht, als sie näher an die Gruppe ran geht. Die jungen Rekruten jedoch können sich nicht mehr richtig auf die Anweisungen konzentrieren als sie die hübsche Frau sehen und Dohrian merkt, dass etwas anderes die Aufmerksamkeit seiner Schützlinge auf sich zieht. Er folgt den Blicken der Burschen und dreht sich dann schlussendlich zu seiner Schwester um, welche mit einem breiten Grinsen vor ihm steht. „Arya! Was bei den zwölf Göttern tust du denn hier?“ Mit einem freudigen Lachen nimmt er seine kleine Schwester in den Arm und hebt sie auf, als wäre sie nur wenige Steine schwer. Arya lacht und trommelt auf seinen Rücken, damit er sie wieder runter lässt. „Dohrian du kannst mich hier doch nicht behandeln wie ein kleines Mädchen.“ Sagt sie halb schimpfend halb lachend und boxt ihn leicht an die Schulter. „Ah aber du darfst hier aufkreuzen und meine Rekruten mit deiner Schönheit ablenken.“ Er nimmt einen Schritt Abstand von seiner Schwester und mustert sie genau. „Meine Güte, das letzte Mal als ich dich gesehen habe warst du noch ein kleines Mädchen und jetzt schau dich an. Vater hat dich wohl unter ständiger Bewachung was?“ Sein Blick geht hinüber zu Melinda, welche etwas hinter den beiden steht und sofort rot anläuft als sie den Blick des gutaussehenden Mannes auf sich spürt. „Ach was redest du denn da Dohrian. Ich sehe immer noch genau gleich aus und Vater muss mich doch nicht beschützen.“ Kopfschüttelnd schaut sie zu ihrem grossen Bruder und wird dann ernst. „Wo ist Jermund? Mir wurde gesagt, er sei auch hier.“ Suchend schaut sie sich um und blickt dann wieder zu ihrem Bruder. Dieser deutet mit einem Kopfnicken zu einem der kämpfenden Soldaten. Fast hätte Arya ihn nicht erkannt. Ihr ältester Bruder hat sein dunkles Haar kurz geschoren und eine dicke Narbe ziert sein schönes Gesicht. Gerade will sie Dohrian fragen, was denn passiert ist, als der Kampf zu ende geht und Jermund sich zu den beiden umdreht. Seine purpurvioletten Augen werden gross als er Arya zusammen mit Dohrian auf dem Hof stehen sieht und er wirft sein grosses Schwert einem Knappen zu, welcher beinahe von dem Gewicht zu Boden gerissen wird. „Schwester bist du das wirklich?“ Ungläubig kommt er auf die beiden zu und starrt Arya unverwandt an. „Scheint als hätte nicht nur ich eine kleine Wandlung durchgemacht was?“ Meint er lächelnd, seine Augen jedoch blicken ernst auf seine Schwester herunter welche ihn ebenfalls unverwandt anstarrt. Er umarmt sie fest und streckt sie dann nochmal von ihm weg, als müsste er sicher gehen, dass es sich hierbei wirklich um seine Schwester handelt. „Ja Bruder ich bin es wirklich.“ Meint Arya grinsend und löst sich aus seiner Umarmung. „Ich bin hier um euch einzuladen. Vaters Freund und unser Gastgeber Sire Rorian Dires veranstaltet ein grosses Fest für die Wintersonnenwende und wir feiern vorher auch meinen Geburtstag.“ Stolz überreicht Arya die zwei Rollen an ihre Brüder, welche diese sofort öffnen und lesen. „Da dürfen wir wohl nicht fehlen was?“ Meint Dohrian lachend zu seinem Bruder und dieser nickt. „Aber sicher kommen wir kleine Schwester. Dein Geburtstagsfest lassen wir uns nicht entgehen. Nun lass uns doch erst mal hinsetzen und du erzählst uns, was es mit den Herzlanden auf sich hat?“

Nach dem Arya ihren Brüdern erklärt hat, dass sie sich dafür entschieden hat, in Talyra ihre Ausbildung zu machen und ihnen die gleiche Entschuldigung wie ihrem Vater und Rorian aufgetischt hat, bleiben die drei erst mal schweigend sitzen. „Du meinst also, dass du als Rekrutin aufgenommen wirst bei der Steinfaust?“ Jermund blickt ernst auf seine kleine Schwester, welche zwischen ihren Brüdern auf einer Bank sitzt. Diese schnaubt leise und schaut ihn herausfordernd an. „Wieso denn nicht? Vater hat ein Empfehlungsschreiben an den Lord Commander geschickt und ich habe die letzten Jahre viel trainiert.“ Beleidigt zupft Arya ihren Umhang zurecht und ihre Hand bleibt auf dem Knauf ihres Schwertes liegen. „Uh Jermund pass auf, sonst verpasst dir die kleine Wildkatze noch eine weitere Narbe.“ Dohrian grinst frech und erntet dafür einen bösen Blick von seinen Geschwistern. „Na dann zeig doch mal was du kannst mo cridhe.“ Jermund steht auf und ruft einen jungen Rekruten zu sich, welcher verwundert zu ihnen kommt und sich kurz verbeugt. Jermund erklärt dem Rekruten kurz um was es geht und nickt Arya dann zu. „Das ist Kiarl, er ist ein Rekrut von mir und wird gegen dich antreten. Zieh dir also bitte die Schutzrüstung an und komm ins Feld wenn du fertig bist.“ Arya schaut ungläubig zu Dohrian, welcher aber nur mit den Schultern zuckt und zieht dann schnell die Schutzrüstung über. Sie hat bis jetzt immer nur gegen Sire Enrich gekämpft, einem alten Ordensbruder, welcher bei den Mac Skenes auf dem Anwesen lebt.

Bewaffnet mit ihrem Einhänder und geschützt durch die Rüstung tritt Arya in das Übungsfeld, in welchem ihr Gegner bereits wartet. Er verbeugt sich kurz vor ihr und geht dann in Angriffsposition, was Arya ihm gleichtut. Na dann, mal sehen ob sich mein strenges Training mit Sire Enrich auszahlt. Die junge Frau macht einen schnellen Ausfallschritt und greift Kiarl mit einem gekonnten Zwergstreich an. Ihr Gegner wehrt diesen etwas halbherzig ab und greift dann sogleich an. Arya weicht zur Seite aus und vollführt einige grazile Schritte bevor sie Kiarl wieder angreift. Dieser ist etwas langsam und verfehlt mit seiner Parade Aryas Schwert, welches hart auf seinen Schutzharnisch trifft. Von der Seite hört Arya ihre Brüder anerkennend pfeifen, doch sie lässt sich nicht von ihrer Konzentration abbringen. Mit einem weiteren Dachhieb greift sie Kiarl wieder an, welcher schwitzend versucht aus der Angriffsbahn zu kommen. Da Arya jedoch nur einen Scheinangriff macht und sich mit zwei tänzerischen Schritten in eine andere Position bringt, kann sie ihn ein weiteres Mal treffen. Der junge Mann ist sichtlich schockiert vom Können seiner Gegnerin und versucht mit einigen harten Schlägen gegen die zierliche Frau anzugehen. Arya weicht jedoch geschickt aus und steht plötzlich hinter dem rotgesichtigen Kiarl. „Jetzt wärst du tot.“ Meint sie flüsternd und bleibt regungslos stehen, ihre Schwertspitze nur wenige Sekheln von seinem ungeschützten Hals entfernt. Langsam lässt der Rekrut sein Schwert sinken und dreht sich dann um. Er verbeugt sich höflich und stapft dann ohne ein weiteres Wort zu sagen davon. „Nicht schlecht Schwesterherz, nicht schlecht. Kiarl ist zwar nicht wirklich einer unserer besten Rekruten aber du hast deinen Standpunkt klar gemacht.“ Jermund nickt seiner Schwester anerkennend zu und Dohrian klopft ihr auf die Schulter. „Aus dir wird noch eine gute Schwerttänzerin, vorausgesetzt du bekommst die richtige Ausbildung in der Steinfaust.“ Arya wirft Dohrian einen genervten Blick zu und zieht dann ihren Harnisch aus. „Ich sollte wieder zurück, sonst wird Vater ungeduldig. Er mag es nicht wenn ich zu lange wegbleibe.“ Sie steckt ihr Schwert zurück in die Schwertscheide und umarmt ihre beiden Brüder. „Wir sehen uns in drei Tagen meine Brüder. Vergesst es bitte nicht.“ Nach dem sie sich verabschiedet hat, geht sie zusammen mit Melinda zurück zum Anwesen.

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Arya

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Tuesday, June 26th 2012, 2:44pm

~ 21. Langschnee, Aryas Geburtstag und Wintersonnenwende – Lair Draconis ~

Am Morgen ihres Geburtstages wird Arya vom Duft frisch gebackener Pfannkuchen geweckt. Sie gähnt laut, streckt sich wie eine Katze und reibt sich erst mal den Traumstaub aus den Augen bevor sie sich aufsetzt. Auf dem kleinen Holztischchen, welches sich nicht unweit von ihrem Bett befindet, steht ein Frühstückstablett, von welchem auch der herrliche Duft ausgeht. Verwundert schaut sich Arya um, sieht aber sonst niemanden im Zimmer. Ich muss wirklich tief in den Traumlanden gewesen sein, dass ich nicht gehört habe wie jemand hereingekommen ist. Die Drachenländerin schält sich aus ihren Bettlaken und geht hinüber zum Frühstückstisch. Auf dem Tablett befinden sich allerhand Leckereien wie Spiegeleier, frisches Brot, Marmelade und auch Aryas Liebspeise: Pfannkuchen mit Zuckernusssirup. Freudig setzt sich die junge Frau hin, schenkt sich eine Tasse Kräutertee ein und verspeist genüsslich ihr Frühstück. Gerade als sie fertig ist, klopft es zaghaft an der Türe, bevor diese geöffnet wird. „Herzliche Glückwünsche zum Geburtstag Lady Mac Skene.“ Melinda strahlt übers ganze Gesicht und schaut dann mit fragenden Augen auf das leere Tablett. „Ich hoffe es hat Euch geschmeckt?“ Arya wischt sich ihren Mund sauber und nickt dann lachend. „Vielen Dank Meli, das war das beste Frühstück das ich je gegessen habe.“ Sie steht auf und umarmt das Mogbarmädchen freudig. Die junge Magd hüstelt verlegen und räuspert sich dann. „Euer Vater bittet Euch pünktlich um Mittagszeit im kleinen Saal zu sein. Eure Brüder werden dann auch anwesend sein, wie auch die Familie Dires.“ Arya nickt und fängt an sich anzuziehen. „Ich werde vorher noch bei Faileas vorbei schauen und einen kleinen Ausritt mit Banain machen.“ Mit diesen Worten ist sie bereits zur Türe raus und auf dem Weg zum Hof.

Als die junge Drachenländerin auf den Hof kommt, ist dieser bereits gefüllt mit Leuten, welche sich um die Vorbereitungen für das grosse Fest am Abend kümmern. Auch einige Gäste von Rorian sind bereits angekommen und somit herrscht ein chaotisches Treiben. Arya drängt sich an den Leuten vorbei zum abgesperrten Teil, in welchem Faileas ungeduldig hin und her geht. Der Wolf bleibt immer nur kurz stehen, schnuppert in der Luft und schüttelt dann unruhig den Kopf. „Was ist denn los mein Junge?“ Arya öffnet das Gatter und geht zu ihrem Wolf herein, der sofort zu ihr kommt. Er heult leise und schaut die junge Frau mit seinen bernsteinfarbenen Augen fragend an. Arya weiss nicht, weshalb ihr Gefährte so nervös und verängstigt ist, aber sie schiebt es auf die vielen Menschen, denn Faileas ist sich das nicht gewohnt von zu Hause. „Keine Sorge mein Kleiner, morgen sind die alle wieder weg.“ Sie krault den Zimtwolf liebevoll und verlässt das Gehege wieder um mit Banain ein wenig auszureiten.

Zurück von ihrem Ausritt geht Arya auf ihr Zimmer und nimmt ein warmes Schaumbad um sich nach dem kalten Wetter draussen wieder aufzuwärmen und sich frisch zu machen für die Festlichkeiten. Nach dem Bad zieht sie sich wie gewohnt an und geht in den Saal, in welchem bereits das Mittagsmahl steht. Ihre Brüder und ihr Vater sind ebenfalls da und sie wird herzlichen von den drei Männern begrüsst. „Mo cridhe, herzlichen Glückwunsch meine liebe Tochter.“ Ayrek drückt die junge Frau an seine breite Brust und gibt ihr einen Kuss ins braune Haar. Auch ihre Brüder gratulieren ihr herzlich und umarmen sie, bis sie kaum mehr Luft bekommt. „Ist ja gut, ist ja gut. Vielen Dank euch allen.“ Lacht Arya und schnappt nach Luft, bevor sie sich mit ihrer Familie und der Familie ihres Gastgebers an den Tisch setzt und mit dem Essen beginnt. Nach dem Nachtisch räuspert sich ihr Vater und erhebt sein Glas. „Auf meine Tochter, welche mich in den letzten zwanzig Jahren immer mit Stolz erfüllt hat und die ich schmerzlich vermissen werde, wenn sie bald ihre Reise in die Herzlanden antritt.“ Er prostet Arya zu und nestelt dann in einer seiner Taschen. Zum Vorschein kommt eine kleine, mit Eisenbeschlägen verzierte Holztruhe. „Ein kleines Geschenk für dich mein Herz.“ Mit staunenden Augen nimmt Arya das Geschenk entgegen und öffnet die Truhe vorsichtig. Zum Vorschein kommt ein wunderbar gearbeitetes Schmuckset. Eine Halskette aus einem Lederband mit einem breiten, verzierten Wyrmsilberamulett, in welches ein grosser Purpurstein eingearbeitet ist. Dazu die passenden Ohrringe, ein Ring und ein Oberarmreif. „Vater....das ist doch viel zu teuer und ausserdem wann soll ich das denn anziehen?“ Arya schaut zwischen der Schmucktruhe und ihrem Vater hin und her und schüttelt fassungslos den Kopf. „Wie wäre es mit heute Abend mein Kind? Du hast doch dieses wunderbare Kleid, welches ich dir aus dem Norden mitgebracht habe? Ich glaube für einen Anlass wie heute Abend, wäre das perfekt.“ Er lächelt schmeichelnd und Arya seufzt leise. Sie mag Kleider nicht wirklich, aber sie will ihren Vater auch nicht enttäuschen. „Ja Vater du hast recht, das habe ich dabei. Ich werde es heute Abend gerne zusammen mit dem Schmuck anziehen.“ Ihre Brüder grinsen wölfisch und tuscheln leise. „Du darfst heute die Prinzessin sein kleine Schwester.“ Meint Dohrian neckisch und wuschelt Arya durchs Haar. Diese wirft ihm einen eisigen Blick zu, sagt aber nichts. „Auch wir haben dir etwas mitgebracht Schwesterherz.“ Jermund schaut zu seinem Bruder und dieser nimmt einen in Stoff eingewickelten Gegenstand unter dem Tisch hervor und übergibt ihn Arya. Diese schlägt den Stoff vorsichtig auf und ein wunderbar gearbeiteter Lederpanzer aus schwarzem Leder mit silbernen Beschlägen taucht daraus hervor. Das Leder ist hart, aber nicht zu schwer und ist Innen mit einer weichen Unterlage versehen, so dass Arya die bestmögliche Bewegungsfreiheit hat. „Ein perfekter Harnisch für eine zukünftige Schwerttänzerin.“ Meint Jermund und lächelt glücklich, als er sieht wie sehr sich seine kleine Schwester über das Geschenk freut. Das Geburtstagskind fällt ihren beiden Brüdern um den Hals und bedankt sich überschwänglich. „Dies ist der beste Geburtstag den ich je erlebt habe.“ Meint sie gerührt und verdrängt die aufkommenden Tränen tapfer.

Die kleine Gesellschaft feiert noch etwas weiter und irgendwann sitzt Arya neben Rorian Dires, welcher bereits etwas angeheitert ist vom vielen Wein. „Jetzt bist du also schon zwanzig Lenze alt mein Kind? Eigentlich hast du jetzt das richtige Alter um Kinder zu kriegen und zu heiraten.“ Als er Aryas säuerlichen Gesichtsausdruck sieht lacht er schallend. „Ja, ich kann mir vorstellen, dass das noch nichts für dich ist. In die Herzlande willst du also gehen?“ Er säufzt und trinkt einen weiteren Schluck des süssen Weines. „Deinem Vater hat es dort auch ausgesprochen gut gefallen, wobei ich das eher auf die nette Gesellschaft zurückführen würde, als auf die Herzländische Flora und Fauna.“ Rorian zwinkert Arya verschmitzt zu und bemerkt nicht, wie diese plötzlich wie erstarrt auf ihrem Stuhl sitzt und ihn gespannt anschaut. „Diese hübsche Resande war wirklich ein Prachtsweib, auch wenn sie mich mit ihren Vorhersagen beinahe in den Wahnsinn trieb...dummes Geschwätz so etwas. Aber dein Vater hat...“ Plötzlich schweigt Rorian erschrocken und schaut zu Arya, welche konzentriert zuhört und keinen Laut von sich gibt. „Ach vergiss was ich gesagt habe Kind, das ist der Wein der aus mir spricht. Ich lege mich glaube ich noch einmal hin bevor wir heute Abend das grosse Fest feiern.“ Nervös schaut er sich um, steht dann auf und verschwindet in seine Gemächer. Arya schaut ihm schweigend nach, mit ihren Gedanken bei den Worten des Drachenländers. Eine Resande? Nein das kann nicht sein. Arya schaut auf ihre weissen, feingliedrigen Hände und kaut gedankenverloren auf ihrer Unterlippe herum, als Dohrian sie mit einem Schubser aus den Gedanken reisst. „He kleine Schwester, versuchst du etwa aus deinen eigenen Händen zu lesen?“ Fragt er kichernd und setzt sich neben sie. Arya wird noch bleicher bei diesen Worten und steht auf. „Ich gehe mich etwas hinlegen, sonst werde ich heute Abend beim Fest gleich einschlafen.“ Hastig verlässt sie den Raum und geht in ihr Gemach.

Lange sitzt sie auf ihrem Bett, denkt wieder einmal über die Worte Rorians nach und fragt sich, ob sie wohl noch mehr aus ihm herausbekommen könnte. Vielleicht ein anderes Mal, wenn er wieder zu viel Wein getrunken hat. Wobei ich nicht glaube, dass er weiss wovon er spricht. Meine Mutter kann doch keine Resande sein?! Sie versucht die Gedanken abzuschütteln und fängt an sich für das Fest vorzubereiten. Vom grossen Saal erklingt bereits Musik und Stimmengewirr und es scheint, als hätte das Fest zur Wintersonnenwende angefangen. Die junge Frau kramt aus ihrer Truhe das anthrazitfarbene Kleid hervor, welches aus fliessendem Stoff und weichem Leder angefertigt ist. Der Kragen ist hoch, jedoch ist es hinten wie auch vorne ausgeschnitten und lässt die Schultern frei. Bis zur Taille ist es eng geschnitten und ab den Hüften weit und wallend. Das Kleid betont ihre schlanke, aber wohlgeformte Figur und das Anthrazit passt wunderbar zu ihrer hellen Haut und den dunklen Haaren. Ihr Haar steckt sie mit Hilfe von Melinda sorgfältig auf und legt sich dann den Schmuck ihres Vaters um. „Ihr seht wunderbar aus.“ Meint Melinda entzückt und Arya lächelt verlegen. „Ach, ich tue das nur für Vater. In diesen Kleider fühle ich mich einfach nicht wie ich selbst. Ausserdem muss ich immer aufpassen, dass ich nicht über den Saum stolpere.“ Nach dem Arya fertig ist, schaut sie ein letztes Mal aus dem Fenster. Draussen ist es dunkel, doch überall brennen grosse Julfeuer und man hört das Lachen und Singen von all den Leuten, welche draussen in den Strassen feiern. „Na dann, auf gehts.“ Murmelt die junge Frau zu sich selbst und verlässt ihr Gemach in Richtung Grosser Saal.

Bereits im Gang spürt Arya die Hitze von den vielen Menschen und dem Feuer, welches im grossen Saal brennt. Sie späht vorsichtig zur Türe herein und sieht gut über hundert Gäste, welche zum Teil an der grossen Tafel sitzen oder sich im Tanzbereich aufhalten. Ein grosses Buffet steht im hinteren Teil des Raumes, wo ebenfalls viele Leute ihre Teller mit den Köstlichkeiten des Landes füllen. Arya erspäht auch ihre Brüder und ihr Vater, welche am oberen Ende des Tisches sitzen und ihr Platz zwischen Dohrian und Jermund ist auch noch frei. Vorsichtig, um nicht über den Saum ihres Kleides zu stolpern geht sie hinüber zu ihrer Familie und lässt sich erleichtert auf den Stuhl fallen. „Ja schau mal an. Unsere Schwester ist ja noch schöner wenn sie endlich einmal nicht in ihren Männerkleidern und mit Schwert bewaffnet ist.“ Dohrian pfeift anerkennend durch die Zähne und Jermund mustert seine Schwester mit einem prüfenden Blick, lächelt dann aber stolz. „Du siehst wunderbar aus meine Tochter.“ Ihr Vater tätschelt kurz ihre Hand und wendet sich dann wieder dem Gespräch mit seinem Sitznachbarn zu. „Und ich habe einen Bärenhunger. Nach diesem ganzen Zurechtmachen muss ich wirklich was essen.“ Arya schnappt sich ihren Teller und schlendert dann zum Buffet, an welchem kaum mehr Leute stehen. Sie lädt sich die eine oder andere Köstlichkeit auf den Teller und probiert hie und da etwas von den kleinen Häppchen. Plötzlich beschleicht sie das Gefühl, dass sie beobachtet wird und sie schaut sich suchend um, sieht aber niemanden, der sie beobachten würde. Also dreht sie sich wieder zum Buffet um und füllt weiter ihren Teller....


Gähnend zupft Niall sein Halsband zurecht. Ein paar der Stacheln bohrten sich unangenehm in seine gebräunte Haut.
Er hatte schon bei der Ankunft gewusst, dass dies eine mehr als langweilige Veranstaltung werden würde. Alle Anwesenden gaben sich große Mühe ihrem Gegenüber in den Hintern zu kriechen oder selbigen unterwürfig abzulecken. So war das nun mal bei den hohen Herren. Sie unterschieden sich nicht großartig von den Hunden, die sie zur Jagd oder als Schoßtier zu halten pflegten.
Erstmal am Hintern des anderen schnüffeln. Freund oder Feind? Ah... Freund. Nun, dann tauschen wir ein paar bedeutungslose Floskeln aus und testen, ob wir noch friedlichen Zeiten erleben werden oder ob schon ein neuerlicher Kleinkrieg vom Zaun gebrochen wurde.
Immer das Gleiche. Wie konnte sein Herr ihn nur immer zu so etwas mitschleifen?
Aber ach... war er nicht auch einer dieser... Hunde? Aber es hat auch so seine Vorteile immer an der Tafel des Herren zu speisen...
Langsam schlendert Niall zum Buffet herüber. Viele größere und kleinere Speisen tummeln sich bunt auf der bedrohlich durchgebogenen Tischplatte und der Drachenländer braucht einen Moment um sich einen Überblick über die reiche Tafel zu verschaffen.
Er nimmt sich einen der kleinen bereitstehenden Tellerchen - schließlich hat er im Gegensatz zu den Herren im Raum Manieren und frisst die kleinen Häppchen nicht aus der hohlen Hand - und legt sich eine geringe aber delikate Auswahl an Törtchen und verziertem Irgendwas auf das Steingut.
Bis auf ihn ist noch kein anderer Gast an der Tafel erschienen, doch so langsam beginnt sich der Raum zu füllen und die Hitze des Kamins potenziert sich mit der Körperwärme der Anwesenden zu einem fast schon schweißtreibenden Duett.

Mit seinem Teller in der Hand schlendert Niall zu einem der Sessel, welche an die Wand gerückt wurden, um den Tanzenden in der Mitte des großen Saals genug Raum zur Verfügung zu stellen.
Seufzend nimmt er auf dem weichen Polster Platz und lässt ein Bein lässig über eine Armlehne baumeln.
Seinen Herren hat er dabei immer im Blick, welcher sich gerade lachend mit einer der anwesenden Hofdamen amüsiert. Starr und schwarz wie eine Krähe, deren Federn man versucht hat zu rupfen, steht die Lady des Hauses MacFóghnan da, eines der neuesten Kleiderkreationen ihrer Schneiderinnen präsentierend. Hochgeschlossen ist das voluminöse Kleid und schlicht in schwarz gehalten, doch aus dem hinteren Teil der Kragens stehen Federn in alle Himmelsrichtungen ab und... Seid und gnädig ihr Götter, sie ist eine alte Krähe und nun kann dies jeder sehen. Und sie ist auch noch stolz drauf!
Als sie seinen Blick auf sich ruhen spürt, wendet sie sich zu ihm um und lächelt so anzüglich, dass es ihm fast das Essen wieder hoch treibt.
Doch seine Miene bliebt dank jahrelanger Übung ausdruckslos und er wirft ihr nur ein Nicken zu, um dann in eine andere Richtung zu blicken.
Er möchte nicht daran denken was ihm später blüht, wenn sie wieder in das viel zu teure Gasthaus einkehren nachdem die Feier vorbei ist.

Die Gedanken verdrängend beobachtet er das Buffet sowie die Gäste, welche nun in kleinen Gruppen schwatzend zum gedeckten Tisch pilgern.
Er ist gerade dabei sich das letzte Stück Fleischpastete in den Mund zu schieben, als er einen Tritt gegen den Fuß spürt.
Innerlich knurrend sieht er auf und blickt in ein fettiges und feistes Gesicht eines etwa fünfzehn Sommer alten Jungen, der - umringt von zwei seiner Freunde - auf ihn herabblickt.
Seine beiden Begleiter sind größer als er und versuchen vergeblich böse drein zu schauen, doch das Schielen des einen macht dieses Unterfangen wieder sofort zu Nichte.
„Was machst du hier... Hund? Wer hat dir erlaubt von der Tafel zu essen? Das Essen ist viel zu gut für dich!“ Kichernd über seinen eigenen Witz, bei dem die beiden Begleittrottel natürlich sofort wiehernd mit einstimmen, gibt er Nialls Fuß noch einen Tritt und verschränkt die Arme vor der Brust.
Lange sagt Niall nichts und auf der Stirn des Jungen bilden sich erste nervöse Schweißperlen. Den Jungen fixierend lässt der Drachenländer seine Halswirbel knacken und sanft schaukelt dabei das breite Metallhalsband bei der Bewegung mit.
Als hätte er alle Zeit der Welt steht Niall auf – er überragt dabei die drei Knilche um anderthalb Kopf -, zieht seine Kleidung zurecht, klopft nicht vorhandenen Staub ab und verbeugt sich tief.
Am liebsten würde er den Jungen mit seiner dreischwänzigen Peitsche die Haut vom Körper lösen, doch er darf diesen ganzen blasierten Puderärschen nichts anhaben. Seinem Herren würde dies nicht gefallen und er ist sich der vielen Augen im Saal durchaus bewusst.
Wenn er eins gelernt hatte, dann war es die Etikette zu wahren und seinen Frust und Schmerz an den Lebensmüden und Angebern in der Arena auszulassen.
Doch war das Motto seines Hauses nicht „Berühre nicht die Diestel!“? So würde er den Jungen schon etwas von seiner Medizin kosten lassen.
Doch was ein Jammer, dass er seine geliebte Peitsche im Gasthaus hat zurücklassen müssen.

„Was willst du also, Hund? Stell den Teller weg, das ist kein Essen für ein Tier wie dich!“
Oh was würde er diesem Fettsack gerne die Zähne in den Arsch prügeln, damit er sich zukünftig auf sein Essen setzten musste, um es zu kauen... doch ohne sein Gesicht zu verziehen antwortet er: „Wenn es dem jungen Herren so am Essen liegt, darf er es gerne zurück haben.“
Zweimal Kaut er noch auf dem Fleischpastetchen herum, rollt es dann im Mund zu einem kleinen Ball und spuckt es dann in seine Hand.
Fast schon liebevoll verfrachtet er das zermatschte Bällchen Fleisch in die Brusttasche des verdatterten Jungen und klopft nochmal freundschaftlich auf das Stoffviereck der Tasche. Unter seinen Fingern wird der Ball zu einem flachen Pfannkuchen.
„Wenn ihr so nett danach fragt, kann ich euch diesen Wunsch natürlich nicht abschlagen. Hier habt ihr es zurück. Eine schöne Feier noch.“
Keiner der drei Jungen bewegt sich bis in den Dicken plötzlich Bewegung kommt. Doch da ist Niall schon ein gutes Stück weg und das Gesabbel des Klopses interessiert ihn nicht im Mindesten.
Schimpftiraden und Gewetter folgen ihm noch ein paar Schritt, doch keiner der Jungen traut sich an ihn heran.

Genauso wenig wie die anderen Gäste. Er ist gewöhnt daran, dass man ihm ausweicht, nicht mit ihm spricht oder ihn nur anstarrt und mit dem Finger auf ihn zeigt.
Hier in Lair Draconis war dies nicht der Fall, doch es schien ihn eine düstere Aura zu umgeben, die jeden anderen Menschen im Raum auf eine Art Sicherheitsabstand hielt.
Dies soll ihm nur Recht sein und gerade am Buffet stellt sich so etwas als Vorteil heraus, da man schneller an die Speisen gelangt und er möchte sich definitiv noch ein Pastetchen holen, um das ihn der Junge so schändlich betrogen hatte.
Lächelnd schlendert er hinüber zur Platte mit den kleinen gefüllten Teigträumen. Daran wird sich der Junge noch lange erinnern und vielleicht würde er ihn in ein paar Jahren im Ring wieder sehen. Doch dann gibt es kein Erbarmen.
Er will gerade abbeißen, da fällt sein Blick auf ein leckeres Häppchen, viel interessanter als das trockene Teigding in seiner Hand.
Eine junge Frau, nicht älter als zwanzig Sommer, steht nur ein paar Töpfe- und Pfannenlängen weiter rechts.
Ihr Kleid ist tief ausgeschnitten und verspricht mehr, als es verdeckt.
Ihre helle Haut konkurriert mit dem Porzellan des Services vor ihr und ihr dunkles Haar gibt einen anlockenden Kontrast.
Bevor er die alte Krähe in sein Bett lassen musste, konnte er sich doch auch ein junges Vögelchen halten.
Fast schon raubtierhaft leise schleicht er sich an sie heran, jedoch einen galanten Schritt weit Abstand haltend.
„Wenn ich euch einen Tipp geben darf, probiert die Pasteten. Sie sind vorzüglich!“
Als die Frau sich fast schon erschrocken umdreht, verbeugt er sich tief und lässt seinen ganzen Charme über sie fließen.
„Entschuldigt, habe ich euch erschreckt? Das lag fernab jeglicher meiner Absichten!“ Ich habe ganz andere Absichten...
„Mein Name ist Niall, der Wolf. Und ihr seid...?“ Höflich ergreift er ihre milchweiße Hand, doch diese ist nicht so weich wie bei einer Lady zu erwarten wäre. Nur einen Hauch eines Kusses entlässt er auf ihren Handrücken und richtet sich dann wieder auf.
Bei näherer Betrachtung scheint sie nicht in ihr Kleid zu passen. Nicht, dass es ihr zu klein oder zu groß wäre, im Gegenteil es sitzt wie angegossen. Doch ihr Körper spricht eine andere Sprache. Er scheint keine Kleider gewöhnt zu sein, sondern ist sehnig und drahtig auch wenn die Rundungen nicht zu verachten sind. Ganz und gar nicht.
Das könnte noch eine Überraschung werden und Niall liebt Überraschungen.
Besonders wenn sie so hübsch verpackt sind...


Arya starrt auf die grosse Auswahl an Essen vor ihr und nimmt sich ein Häppchen, bevor sie zum nächsten Buffet weiter geht. So viele unterschiedliche Dinge und so wenig Zeit alles zu probieren. Sie war schon immer eine Naschkatze und liebt es zu essen und beim Anblick der Leckereien würde sie sich am liebsten gleich alles auf den Teller laden, doch dieser ist dafür um einiges zu klein. Gerade überlegt sie, ob sie wohl lieber von der Pastete oder eine gefüllte Tomate nehmen soll, da ihr Teller bereits zum bersten voll ist, als sie hinter sich jemanden bemerkt. >Wenn ich euch einen Tipp geben darf, probiert die Pasteten. Sie sind vorzüglich!< Erstaunt dreht sich die Drachenländerin um und hätte beinahe den Teller fallen gelassen, als sie den fremden Mann vor sich sieht. Das Halsband ist das erste was ihr auffällt und ihre purpurvioletten Augen verengen sich zu Schlitzen.

>Entschuldigt, habe ich euch erschreckt? Das lag fernab jeglicher meiner Absichten! Mein Name ist Niall, der Wolf. Und ihr seid...?< Er schnappt sich ihre Hand und haucht einen Kuss darauf, bevor er sich wieder aufrichtet und Arya anblickt, welche nun erstaunt die Augenbrauen in die Höhe zieht. Niall der Wolf? Was beim Dunklen soll das denn? “Arya, Tochter von Lord Mac Skene und nein erschreckt habt ihr mich nicht im geringsten.“ Meint sie eisig und zieht ihre Hand zurück, bevor sie ihren Gegenüber noch etwas genauer in Betracht nimmt. Das er gut aussieht fällt der jungen Frau sofort auf und auch, dass er dies weiss. Er ist ganz in schwarz gekleidet und die goldene Distel ist Arya bekannt. Aha ein Mann aus dem Hause MacFóghnan, wobei.... Ihr Blick fällt wieder auf das eigentümliche Halsband. Sie hat Lord MacFóghnan bereits getroffen. Er scheint ein Freund ihres Gastgebers zu sein und war Arya bereits beim ersten Treffen äusserst unsympathisch. Niall gehört also dessen Hause an, doch wenn Arya das richtig interpretiert, ist er wohl eher ein Spielzeug des Lords und nicht wirklich ein Familienmitglied. Sie konnte sich aber auch täuschen, auf jeden Fall hat der Fremde ihr Interesse geweckt, auch wenn sein Charme an ihr abperlte wie Wasser auf Entenfedern.

„So, der Wolf also?“ Sie dreht dem Herren wieder den Rücken zu, um seinen Rat zu befolgen und sich etwas von der Pastete zu nehmen und lächelt ihn dann süsslich an, auch wenn dieses nicht bis zu ihren Augen dringt. „Hübscher Schmuck den Ihr da trägt mein Herr.“ Meint sie provozierend und steckt sich ein Stück der Pastete in den Mund. Wenigstens scheint er einen guten Geschmack zu haben, denn die Pastete ist wirklich köstlich. Sie trinkt einen Schluck Sommerwein aus ihrem Becher und stellt diesen wieder neben sich, während dem sie eine weitere Köstlichkeit probiert. „Danke für den Tipp, sie ist wirklich vorzüglich.“ Ihr Blick deutet auf die Pastete und dann schaut sie ihm wieder in die Augen. Arya ist zwar zurückhaltend gegenüber den meisten Menschen, doch dieses Exemplar hat ihren Respekt kaum verdient, davon ist sie überzeugt. Wenn sie etwas nicht ausstehen kann, dann sind es Männer die meinen das jedes Weib ihnen zu Füssen liegt. Niall scheint etwas wildes, ungezähmtes an sich zu haben und seine Augen erinnern sie an ein hungriges Raubtier.Und ich soll wohl seine Beute werden. „Und wie genau kommt ihr zu diesem ungewöhnlichen Beinamen Niall?“ Herausfordernd schaut sie ihn an und isst genüsslich weiter von ihrem Teller. Arya bemerkt zwar die Blicke, welche einige Leute im Raum den beiden zuwerfen, doch sie ignoriert diese völlig und spielt an einem ihrer neuen Ohrringe herum während sie ihren Gegenüber abwartend anschaut.


Die eisige Kühle mit der sie Niall mustert, lässt fast schon eine Gänsehaut auf seinen Armen erscheinen. Nur der Hitze des Raumes ist es geschuldet, dass nicht noch Schneeflocken von der hohen Decke herabfallen und ihn mit den frostigen Daunen des Winters bedecken.
Ihre Hand zieht sie blitzschnell zurück und ihre Augen werden zu schmalen Schlitzen.
Amüsiert lächelt Niall in sich hinein, als sie ihm ihren Namen nennt.
So schrecklich konnte sie ihn nicht finden, entgegen all ihrer Drohgebärden und der abweisenden Aura. Der erste Schritt zu einem Gespräch und vielleicht... weiterem.
Doch der hochgewachsene Mann ist durchaus auch etwas Eingenommen von ihrer Andersartigkeit. Er merkt sofort, dass sie keine Frau ist, die sich schnell durch schöne Reden oder leere Versprechungen um den Finger würde wickeln lassen. Sein Jagdinstinkt war geweckt und innerlich schließt er mit sich eine Wette ab.
Noch an diesem Abend würde er sie haben. Wie genau... nun, das würde sich zeigen.
Wenn die kleine Katze ihre Krallen ausfahren will, kann sie diese gerne an meinem Rücken wetzen...
Doch trotz dieser anzüglichen Gedanken bleibt seine Miene höflich distanziert.
„Es freut mich euch kennen zu lernen, Arya NicSkene. Und natürlich auch, dass mein forsches Auftreten euch nicht erschreckt hat. Es wäre mir unverzeihlich eine adrette Dame wie euch zu verschrecken.“

Skene... Skene... wo habe ich den Namen heute schon einmal gehört?
Sein Desinteresse an anderen Menschen verfluchend überlegt er angestrengt. Der Name war am heutigen Abend schon mehrfach gefallen, doch warum er hier war und für wen diese Festlichkeit überhaupt veranstaltet wurde, interessierte ihn nicht im geringsten. Und doch... hätte er aufgepasst, wüsste er wer dort von ihm steht. Und versucht ihn mit Eislanzen zu durchbohren.
Wie dem auch sei, er würde es schon erfahren.
Immer wieder streifen ihre purpurnen Augen das Metall an seinem Hals und es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie ihn wohl darauf ansprechen würde.
>>„So, der Wolf also?“<<, fragt sie gespielt interessiert und greift nach der Pastete, welche er ihr noch ein paar Minuten zuvor angepriesen hatte.
Dabei dreht sie ihm kurz den Rücken zu und sein Blick bleibt an ihrem köstlichen Nacken mit dem hellen Flaum von Härchen hängen. Ihre Haare sind zu einer kunstvollen Frisur hochgesteckt und so versperrt nichts die Sicht auf die zarte dünne Haut, unter der leicht ihre Halsschlagader pulsiert und...
Energisch den Kopf schüttelnd vertreibt er diese Gedanken vorerst. Um diese Frau herum zu kriegen, durfte er sich nicht zu sehr von ihrer Schönheit blenden lassen. Am Ende entfleuchte ihm noch ein zu schmalziges Kompliment und sein Täubchen würde ihm zwischen den Fingern entwischen. Selbst nach den wenigen Minuten in ihrer Gegenwart wusste er, dass sie keine Freundin von allzu schmeichelnden Sprüchen war. Hier war Vorsicht und gefühlvolles Vorgehen gefragt.
Beherzt greift er ebenfalls zu einem kleinen Teigpastetchen und erwidert ihr aufgesetztes Lächeln.

>>„Hübscher Schmuck den Ihr da trägt mein Herr.“<< Kurz berührt er das kalte Eisen mit seinen Fingerspitzen, bevor er sich ob des nicht ernst gemeinten Kompliments verbeugt.
„Ja, Herrin. Der Wolf. Eine Art... Titel. Vielleicht wie... der Jäger. Oder.. der Schuster. Sagen wir es ist eine Art Berufsbezeichnung.“, sagt er lächelnd, seine weißen Zähne entblößend.
„Und ja... das Band. Schmuck. Nichts weiter. Zierrat. Doch es verblasst im Glanze eures Kolliers. Exzellenter Geschmack, wenn ich anmerken darf! Feinste Silberschmiedekunst und nicht so plumpes Hinterwäldlerreibeisen wie meines. Da seht ihr es Herrin. Ich bin nur ein armer Mann.“ Sarkasmus? Oh bitte Mädchen! Diesen Kampf nehme ich gerne auf! Ich hoffe dir schmeckt deine eigene Kost.
Seine feixende Antwort wird von ihr gekonnt ignoriert. Abschätzend nippt Arya an ihrem Wein, stellt das dünne Glasgefäß neben sich ab und greift nach einem weiteren kleinen Häppchen vom Buffet.
Anscheinend schmeckt ihr die Pastete, denn sie bedankt sich fast schon mädchenhaft-artig für seinen Hinweis auf diese Feinkostvariation.
Galant verbeugt er sich vor ihr, ganz und gar in der Rolle des interessierten aber zurückhaltenden Edelmannes verbleibend.
Ihr Blick trifft ihn und ihre purpurvioletten Augen bleiben an den seinen hängen. Er kann ihre innere Abscheu gegen ihn erkennen. Nun, sie versucht diese auch nicht wirklich zu verstecken. Doch auch ein gewisses Interesse für das Unbekannte und Verbotene scheint ihrem Blick anzuhaften.
Sie ist kein „gutes“ Mädchen. Das erkennt er sofort. Als Kind ist sie sicher oft dreckig und zerrissen nach hause gekommen, und hatte mit ihren Brüdern oder Freunden gerauft. Sie wollte nie Puppen sondern Waffen.
Diese Frau vor ihm war keinen Kissen-mit-Stickereien-Verziererin oder eine Messe-mich-an-meinen-Kochkünsten-Frauchen.
Und sicher ist ihre Mutter damals öfter verzweifelt, da ihre Tochter nicht das tat, was man von einem Mädchen erwartete. Sittsam und artig zu sein. Still zu sitzen. Keine Widerworte geben.
Ein raubtierhaftes Grinsen überzieht kurz sein Gesicht. Das würde in der Tat spaßig werden. Egal, wie der Abend enden würde.
>>„Und wie genau kommt ihr zu diesem ungewöhnlichen Beinamen Niall?“<< Provokant sieht sie ihn direkt an und knabbert süffisant an ihren ausgewählten Häppchen.
Hat dir nie jemand gesagt, dass man einem Wolf nie direkt in die Augen schaut? Es könnte ihn provozieren...
Ihr sich hebender und senkender Busen bei jedem Atemzug ihrerseits, das Spielen an ihrem Ohrring... er musste sich wirklich mehr als zusammenreißen den wenigen Platz in seiner vornehmen Hose nicht aufs Äußerste auszureizen.
Seine letzte Frau war lange her - abgesehen von der alten Krähe - und auf der Reise nach Lair Draconis hatten sie nie lange genug Halt gemacht, um seinen Hunger nach ausgefallenen Frauen stillen zu können. Was wohnten auch so viele adlige Weiber an den Straßen zur Hauptstadt? Sein Herr hatte ihm verboten adlige Wechselbälger unter den treudoof blickenden Töchtern der Adelshäuser als eine Art Abschiedsgeschenk zu verteilen. Dabei waren sie so leicht zu beeindrucken und gaben sich mehr als freiwillig hin. Es würde wohl selbst eine erfahrene Hure vor diesen lüsternden, freizügigen Dingern erbleichen.

Langsam schiebt er sich näher an Arya heran und als sie nur noch wenige Sekhel voneinander trennen bemerkt er, wie ihr Atem kurz stockt. Am liebsten würde er ihr sagen, sie solle doch herausfinden warum er diesen Namen trägt doch als er bemerkt, dass ihr Aufeinandertreffen unter den anderen Gästen nicht unbemerkt geblieben ist sagt er stattdessen: „Folgt mir.“
Leider ist auch die alte Krähe seines Herrn recht aufmerksam und ihre stechenden kleinen Augen haben ihre - noch ungestörte - Zweisamkeit am Buffet bemerkt.
Ohne eine Erwiderung abzuwarten packt er sie am Handgelenk und verschwindet mit ihr hinter einen der wallenden dunkelroten Samtvorhänge, bevor die alte Schachtel auch nur ihre Röcke raffen kann.
Stolpernd treten sie auf einen der zahlreichen steinernen Balkone hinaus und die kalte Nachtluft umfängt sie mit einer erfrischenden Brise.
Verdutzt blickt sich Arya auf dem Balkon um, dessen Zierwerk mit bunten Flechten überwachsen ist. Noch immer hält sie das Tellerchen mit den kleinen Appetithappen fest umklammert, doch ihr Wein ist auf dem Buffettisch zurückgeblieben.
„Entschuldigt mein etwas... schnelles Handeln. Aber... die Aaskrähen zogen ihre Kreise immer enger um uns.“ Als sie ihren Mund nur ein Stück bewegt, wischt er die nicht ausgesprochene Frage mit einer Handbewegung beiseite.
„Ihr habt mich gefragt wie ich zu meinem Beinamen komme. Nun... steckt nicht in jedem Mann ein Tier? Wird nicht auch der liebende Vater auf dem Schlachtfeld zum Sprichwörtlichen Tier? Selbst der Bruder, den man so gut zu kennen glaubt, kann ein Monster entfesseln. Doch das alles ist nur sprichwörtlich.“
Langsam dreht er sich zu ihr um. Seine Hände stützen sich an der rauen Brüstung des Balkones ab, während er sich mit dem Rücken dagegen lehnt.
„Nun ihr müsst wissen... bei mir ist dies nicht nur ein Sprichwort.“
Ein wölfisches Grinsen überzieht sein Gesicht fast bis zu den Ohren. Und seine makellosen Zähne reflektieren das Licht des Mondes in einem gespenstischen kalten Weiß.


Sein warmer Atem gleitet über Aryas kühle Haut und sie erschaudert leicht, als der Fremde so nah an sie herankommt. Er scheint etwas sagen zu wollen, ändert dann aber seine Meinung und raunt nur: „Folgt mir!“ Sie sieht wie sein Blick zu einer älteren Dame schweift, welche in der Nähe steht und ihnen einen boshaften Blick zu wirft, dann packt Niall die Drachenländerin bereits am Handgelenk und zieht sie vom Buffet weg. Arya kann noch gerade dem roten Samtvorhang ausweichen, hinter welchen der Wolf sie zieht und dann stehen sie bereits auf dem Balkon. Die frische Luft trifft die junge Frau unerwartet und sie schüttelt etwas gereizt Nialls Hand ab. „Mein Weinglas....“ Meint Arya genervt und schaut zurück zur Türe. Seufzend dreht sie sich zu ihrem Entführer um und will ihm gerade eine Standpauke halten, als dieser sich anfängt bei ihr zu entschuldigen.

>„Entschuldigt mein etwas... schnelles Handeln. Aber... die Aaskrähen zogen ihre Kreise immer enger um uns.“< Arya kann sich ein Lächeln nicht verkneifen und will gerade etwas erwidern, als Niall ihr zuvor kommt. >„Ihr habt mich gefragt wie ich zu meinem Beinamen komme. Nun... steckt nicht in jedem Mann ein Tier? Wird nicht auch der liebende Vater auf dem Schlachtfeld zum Sprichwörtlichen Tier? Selbst der Bruder, den man so gut zu kennen glaubt, kann ein Monster entfesseln. Doch das alles ist nur sprichwörtlich.“< Während er spricht, dreht sich der gutaussehende Mann von Arya ab und lehnt sich gegen das Balkongeländer. Einen Augenblick verharrt er in dieser Position und ein kurzes Schweigen herrscht zwischen den Beiden, bevor er sich mit einem wölfischen Grinsen zu ihr umdreht. >„Nun ihr müsst wissen... bei mir ist dies nicht nur ein Sprichwort.“< Seine weissen Zähne blitzen im Mondlicht kurz auf und Arya macht unbewusst einen Schritt zurück, bevor sie sich wieder fasst und ihre Arme vor der Brust kreuzt.

„Also ein Wolf seit Ihr bestimmt nicht, denn mit denen kenne ich mich aus.“ Meint Arya mit einem Zwinkern und wird dann wieder ernst. Sie hat natürlich schon von Gestaltwandlern und Werwölfen gehört, jedoch noch nie einen angetroffen. Ihr Blick schweift ein erneutes Mal über Nialls muskulösen Körper und bleibt dann bei seinem speziellen Schmuck hängen. „Ihr seid entweder ein Gestaltwandler oder ein Werwolf, wobei ich ehrlich gesagt nie geglaubt habe das es Zweitere gibt.“ Ihre Nase kräuselt sich leicht und sie legt ihren Kopf leicht schräg, während sie ihn weiterhin mustert. „Es scheint mir, als wärt Ihr Eigentum der Distel und müsstet mit diesem schönen Halsband unter Kontrolle gehalten werden.“ Ihr Ton wird etwas provozierend und verrät nichts von ihrer Unsicherheit.

Niall will gerade etwas antworten, als der Seidenvorhang zur Seite geschoben wird und die ältere Dame, vor der sie vorhin davon gelaufen sind, auf den Balkon tritt. Sie mustert Arya abschätzig und wirft dem Wolf einen lüsternen Blick zu. „Aber Niall solche Gesellschaft sollte doch sogar Euch zu schlecht sein.“ Meint die alte Krähe mit einem fast schon angeekelten Gesichtsausdruck und zupft ihr merkwürdiges Kleid zurecht. Arya zuckt merklich zusammen bei diesen Worten und schaut betreten zu Boden. Ihre selbstbewusste Fassade bröckelt gerade wie alter Mörtel und die Drachenländerin versucht sich an der Lady vorbei zu drücken, doch eine starke Hand hält sie zurück. Erstaunt schaut sie auf und sieht Nialls kräftige Finger auf ihrem Oberarm ruhen.


Sein Grinsen wird breiter, als Arya überzeugt sagt, dass sie sich mit Wölfen auskennt. Amüsiert nickend fragt er sich insgeheim mit welcher Art von Wolf genau. Doch sein Gegenüber beantwortet die unausgesprochene Frage sogleich. Du kennst dich also mit „Wölfen“ also... nun Wolfsmädchen... vielleicht wirst du nach dieser Nacht sogar von dir behaupten können, du kennst dich mit JEDER Sorte von Wolf aus... Aber so schnell ihre neckende Stimmung gekommen ist, so schnell verfliegt sie auch wieder. Fast schon angewidert kräuseln sich ihre Nasenlöcher und mit einem abschätzenden Blick fragt sie erneut nach seinem speziellen „Schmuck“. Provokation schwebt dabei in ihrer Stimme mit.
Manche Frauen wären begeistert, würde man sie so oft und eindringlich nach dem glitzernden Tand an ihrem Hals fragen... Ja...vielleicht ist dieses Halsband ja sogar bald Mode. Stachelhalsbänder... und ich bin der Vorreiter...
Seufzend fährt er sich mit einer Hand durch seine Haare und will gerade antworten, doch die Worte bleiben ihm wie ein Stück trockenes Fleisch in der Kehle hängen und um ein Haar hätte er sogar laut gehustet.
Da stand sie in ihrer ganzen abscheulichen Hässlichkeit. Wie ein geplatzter Puter sieht die Frau seines Herren im Mondlicht aus, ihr dünner faltiger Hals schwingt bei jeder Drehung des Kopfes rhythmisch mit. Nun ist es Arya, die angewidert gemustert wird, doch Niall hätte alles dafür gegeben von Lady NicFóghnan auch nur ein Mal mit diesem Blick angesehen zu werden. Stattdessen trifft ihn der altbekannte schleimtriefende Blick aus den verengten Schweinsäuglein und ein kalter Schauer läuft ihm den Rücken hinunter. Doch so groß sein Schock auch gewesen sein mag, seine Contenance kehrt sofort wieder zurück. Ernst und ehrerbietig verbeugt er sich tief. Keine Spur seiner inneren Abneigung ist auf seinem Gesicht zu sehen, seine Haltung wirkt entspannt und zurückhaltend.
Anscheinend hatte die alte Hexe nicht bemerkt, dass Niall und seine Begleitung vor ihr geflüchtet waren und wenn doch, so konnte die ebenso gut Schauspielern wie Niall.
Die Worte der Distel geben ihm jedoch zu denken. >>„Aber Niall solche Gesellschaft sollte doch sogar Euch zu schlecht sein.“<< Wie ein nackter Pfau, der sich in ein zu enges Hühnchenkostüm gezwängt hat, zupft sie demonstrativ die Federn ihres Kleides zurecht und blickt herablassend auf Arya hinunter. Viel fehlt nicht und Niall hätte schwören können, dass Lady NicFóghnan auf die schwarzhaarige Frau gespuckt hätte. Ein Blick auf seine Begleitung werfend muss sich der Werwolf doch sehr wundern, denn von der kleinen fauchenden Katze von eben ist nicht mehr viel zu sehen. Wie ein Häufchen Elend schrumpft die Frau neben seiner Herrin zusammen, bei jedem Wort der Krähe zusammenzuckend. Plötzlich geht ein Ruck durch ihren zarten Körper und wie ein scheues Tier will sie ihr Heil in der Flucht suchen.
Doch Nialls fester Griff lässt dies nicht zu. Blitzschnell packt er zu, ihren verwirrten Blick ignorierend und zieht sie hinter sich. So ist sie zumindest vorerst aus der Sichtweite der Lady und auch außer Reichweite der -bildlich gesprochenen- gespuckten Galle. Es kostet ihn Überwindung die andere Hand an die kalte Fassade des Gebäudes zu legen und sein Gesicht nahe an das seiner Herrin zu bringen. Der säuerliche Geruch von Wein schlägt ihm unangenehm entgegen, doch Niall zeigt keine Regung. Wie ein Liebhaber säuselt er ihr süße Worte ins Ohr, die die Lady kichern lassen, wie ein kleines Mädchen. Die Federn tanzen dabei spöttisch auf und ab, verhöhnen ihn mit jedem Wippen. Nur durch die jahrelange Übung kann er dieses Schauspiel aufführen und mittlerweile so gut, dass es fast schon automatisiert abläuft. Innerlich sieht die Sache jedoch anders aus. Warum musste diese verschrumpelte Alte nur ausgerechnet ihn belagern? Auch wenn das Anwesen der MacFóghnans nicht mehr die einstige Größe und Pracht aufwies, so war er doch verdammt nochmal nicht der einzige Mann!

Nach einer gefühlten Ewigkeit schickt sich die Lady doch tatsächlich an zu gehen, ein „Bis später..“ raunend. Eine ihrer Klauen fährt dabei verlangend über Nialls Lippen, die sich statisch zu einem Lächeln verziehen, das jedoch nicht seine Augen erreicht. Noch einen düsteren Blick auf Arya werfend, dann ist das Rascheln der Samtvorhänge das einzige Geräusch auf dem Balkon, als Lady NicFóghnan diesen verlässt. Müde sacken kurz die muskulösen Schultern des Werwolfs zusammen und ein tiefer Seufzer entfährt ihm. Sie hätte dies nicht mit ansehen sollen. Er war unvorsichtig gewesen. Doch auf solch einer Feier ließ sich der Frau seines Herren schlecht ausweichen. Zudem durfte er sich nicht zu lange und zu weit von seinem Herren wegbewegen. Schließlich war er doch der „Vorzeigegladiator“, oder nicht?
Dann straffen sich seine Schultern wieder und langsam dreht er sich zu der hübschen Frau um und lässt ihren Oberarm schließlich los. „Es tut mir leid“, sagt er und lehnt sich mit der Schulter gegen die Wand. „Haben uns die Krähen wohl doch noch gefunden.“ Mit einem Lächeln versucht er die aufgekommene Spannung zu mildern. Doch es gelingt ihm nicht ganz. „Doch der Besuch meiner Herrin hat mich auch etwas nachdenklich gemacht.“ In vielerlei Hinsicht... „Welcher Geruch hat das Aasgeschwader wohl angezogen? Was oder besser gesagt Wer seid ihr? Wenn ihr noch schlimmer riecht als ein armer alter Wolf? Und wohl noch unter ihm steht? Seid ihr ein kleiner Bettwärmer? Nein...wohl kaum...dann hätten wir wohl manchmal den gleichen abstoßenden Geruch...“ Fast schon traurig klingt seine Stimme bei den letzten Worten. „Bevor ich euch also sage, warum mein Halsband... das euch ja anscheinend sehr interessiert... dort ist, wo es ist... möchtet ihr mir nicht sagen, mit wem ich das Vergnügen habe?“
Nicht das es ihn wirklich interessieren würde... meist sind seine Bekanntschaften eher von kurzlebiger Natur. Namen würden die meisten Dinge nur Verkomplizieren. Wie viele kleine Nialls wohl nun in diversen Adelshäusern herum tapsten? Auf eine seltsame Art und weise war dieser Gedanke mehr als amüsant. Hochwohlgeborene Weiber... war er nicht auch nur ein Spielzeug gewesen? Nur interessant, da wild und neu?
So hatte er ihnen im Gegenzug etwas zum spielen gegeben... nur eine Nacht, doch dann neun Monate und später vielleicht ein Leben lang... wenn die kleinen Bastarde lange genug lebten. Doch es interessierte ihn, warum seine Herrin Arya so abschätzend gemustert und betitielt hatte.
„Und schaut nicht so trüb drein... schließlich muss ich heute noch in den faltigen sauren Apfel beißen.“, meint er lächelnd.

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Arya

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3

Wednesday, June 27th 2012, 6:25pm

~ 21. Langschnee, Aryas Geburtstag und Wintersonnenwende – Lair Draconis ~

Der Wolfsmann drückt Arya mit einer harschen Bewegung hinter sich und stellt sich wie ein schützender Schild vor die verschüchterte Drachenländerin. Sie versucht unauffällig mitzuhören, was Niall der Frau seines Herren ins Ohr flüstert, vernimmt jedoch nur das ekelhafte Kichern der Alten. Eine unsichtbare Faust drückt Arya in die Magengegend und ihr wird übel. Wieso muss ich aber auch immer in die Quere solcher Frauen geraten. Stöhnend lehnt sie sich an die Brüstung und versucht sich unsichtbar zu machen, während dem ihr Beschützer die schrumplige Krähe bezirzt, bis diese schlussendlich ihr Gefieder rafft und den Balkon verlässt. Nicht jedoch ohne nochmals einen abwertenden Blick auf die junge Drachenländerin zu werfen. Das Gewicht auf ihren Schultern schwindet und Arya streckt wieder. Beinahe schafft sie es ihre Maske des Selbstbewusstsein wieder aufzusetzen, nur eine kleine Falte um ihre Mundwinkel zeugt davon, dass sie sich zusammenreissen muss. Niall seufzt laut und lässt die Schultern sinken, als seine Herrin verschwunden ist. Arya beobachtet seinen muskulösen Rücken für einen Moment bevor sich der Wolfsmann aufrafft und sich langsam zu Arya umdreht. Seine kühlen Augen mustern sie eingehen, doch dann gleitet ein Lächeln über seine Lippen. >„Haben uns die Krähen wohl doch noch gefunden.“< Da muss auch Arya lächeln und sie lehnt sich ebenfalls an die kühle Wand. Wie zwei Krieger, die gerade einen Kampf ausgefochten haben lehnen sie sich für einen Moment schweigend nebeneinander an die Wand und betrachten den klaren Sternenhimmel.

Niall ist der erste der das Schweigen bricht: >Doch der Besuch meiner Herrin hat mich auch etwas nachdenklich gemacht. Welcher Geruch hat das Aasgeschwader wohl angezogen? Was oder besser gesagt Wer seid ihr? Seid ihr ein kleiner Bettwärmer? Nein...wohl kaum...dann hätten wir wohl manchmal den gleichen abstoßenden Geruch...< Verwirrt schaut die Drachenländerin ihren Gegenüber an und legt die Stirn in Falten. „Was meint Ihr mit...“ Weiter kommt sie jedoch nicht, da Niall gleich seine Forderungen stellt. >Möchtet ihr mir nicht sagen, mit wem ich das Vergnügen habe?< Selber Schuld du dummes Mädchen. Weshalb musst du dich auch mit solchen Leuten unterhalten. Ihre Mine wird wieder düster und sie dreht ihren Kopf etwas ab, damit der Wolfsmann nicht gleich sieht wie es um sie steht. „Ich habe bereits gesagt wer ich bin.“ Murmelt sie leise und stösst sich ruckartig von der Wand ab, um etwas Abstand zu gewinnen. „Mein Name ist Arya und ich bin die Tochter von Lord Ayrek Mac Skene, wie ich bereits gesagt habe.“ Sie beisst die Zähne zusammen und dreht sich langsam zu Niall um. Ihre purpurvioletten Augen fixieren die seinen, während dem sie ihm mit fester Stimme mitteilt, wie ihr richtiger Name ist: „Ich bin eine geborene Duilleag, sprich ich weiss nicht wer meine Mutter ist. Ich weiss nur, dass es nicht Lady Mac Skene ist.“ Sie hält seinen Blick stand und schluckt schwer. Weshalb fällt es mir ausgerechnet bei so einem Mann schwer dies zuzugeben? Ihre Hände zittern leicht und sie hält das feine Tuch ihres Kleides umklammert, damit Niall dies nicht bemerkt. „Das ist der Grund weshalb Eure Herrin einen solch charmanten Gesichtsausdruck für mich übrig hatte. Ich bin bei den angesehenen Familien, sowie zum Teil auch in meiner eigenen Familie, nicht sehr beliebt.“ Ihre Augen werden noch eine Spur dunkler. „Bastarde sind ein Schandfleck für jede Feier, findet Ihr nicht auch?“ Arya dreht sich mit dem Rücken gegen Niall und ihre Hände umklammern das Balkongeländer so fest, das ihre Knöchel weiss hervortreten. Selten hat sie eine solche Wut gegen die Gesellschaft verspürt wie an diesem Abend. „Was für ein toller Geburtstag.“ Flüstert sie leise und seufzt.

Niall

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4

Friday, June 29th 2012, 4:43pm

~ 21. Langschnee, Aryas Geburtstag und Wintersonnenwende – Lair Draconis ~

Fast als hätte Niall sie brüskiert stößt Arya sich plötzlich von der Wand ab, an der sie beide gelehnt hatten und entfernt sich ein paar Schritte von ihm. Interessiert beobachtet er wie sich ihre Körperhaltung wieder versteift und sie sich gegen ihn abschottet. Da scheine ich wohl einen Nerv getroffen zu haben..., überlegt Niall leicht amüsiert. Langsam dreht sie sich zu ihm um und ihre purpurvioletten Augen sprühen vor Zorn. Auf wen genau kann er nicht sagen, doch scheint es als würde ihre aufwallende Wut nicht zwangsläufig ihm oder seiner Frage gelten. Als sie ihm erzählt, dass sie ein Bastard des Lord MacSkene ist, kann er die Reaktion seiner Herrin -zumindest aus ihrer Sicht- nachvollziehen. Uhm... ein Bastard also. Aber ein hübscher Bastard!, überlegt er schmunzelnd, während Arya ihm indirekt eingesteht, wohl nicht sehr glücklich über ihre Stellung in ihrer Familie zu sein.

>>„Das ist der Grund weshalb Eure Herrin einen solch charmanten Gesichtsausdruck für mich übrig hatte. Ich bin bei den angesehenen Familien, sowie zum Teil auch in meiner eigenen Familie, nicht sehr beliebt. Bastarde sind ein Schandfleck für jede Feier, findet Ihr nicht auch?“<< Sie wendet sich ab und kehrt dem Werwolf den Rücken zu. Seufzend hört er noch ein:>>„Was für ein toller Geburtstag.“<<, bevor er sich selbst von der Wand abstößt und sich ihr gegenüber auf das Balkongeländer setzt. Er hatte gehofft diese Frau heute noch herum kriegen zu können und eine nette Vorspeise zu dem vertrockneten Fleisch seiner Herrin serviert zu bekommen, doch diese Lady vor ihm ließ sich nicht so leicht bezirzen, wie die Mehrheit des Weiberhaufens im Saal. Warum ist sie schön und schlau? Eine gefährliche Mischung. Aber auch interessanter als der Rest von den Puten. Er musste vorsichtig mit ihr umgehen, wenn er heute noch etwas von ihr bekommen wollte. Vielleicht war sie ja später bereit es ihm zu geben. Was kommt bei den Frauen besser an, als ein einfühlender Mann? Noch hatte sein Herr scheinbar nicht nach ihm schicken lassen, das Fest im Saal schien auch in vollem Gange. Einsetzende Musik und lautes Stimmengewirr dringt zunehmend auf den stillen Balkon. Wenn er schon einmal hier war, konnte er sich auch weiter mit ihr unterhalten. Unter dem harten Deckmantel ihrer Unnahbarkeit steckte sicherlich ein süßer Kern, den es zu finden und zu genießen galt. Zudem weckte ihr abweisendes kratzbürstiges Auftreten seinen Jadginstinkt.

„Ein Bastard also. Nun... es gibt Schlimmeres.“ Zum Beispiel mich. „Jeder Mann, so ehrvoll er auch sein mag... wird irgendwann bei einer hübschen Frau schwach. Und ich bin sicher, dass eure Mutter eine Schönheit war. Vielleicht seid ihr in den Augen eurer Geschwister oder anderer Leute ein Schandfleck, doch ein sehr schöner Schandfleck. Wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf.“ Als ihr Blick ihn trifft, erhebt er sich vom Geländer und schlendert zu ihr herüber, bis er neben ihr steht. „Immerhin wisst ihr wer ihr seid und woher ihr kommt. Dafür solltet ihr dankbar sein. Und trotz eurem Bastard-Dasein scheint es euch an nichts zu fehlen. Sehr euch an! So teure Stoffe und Geschmeide habe ich selten an einem Kind der schnellen Lust gesehen. Grämt euch nicht, es gibt wahrlich Schlimmeres, als ein Bastard zu sein.“ Kurz blickt er in die gleiche Richtung wie Arya, hinaus auf die dunkle Silhouette des Waldes. Sanft wogen die Wipfel der Bäume in der nächtlichen Brise und entfernt ist ein Käuzchen zu hören. „Da ihr meine Frage beantwortet habt, beantworte ich eure. Mein Halsband ist ein Geschenk meines Herren. Und eine Art Versicherung für ihn. Ich darf dieses überaus modische Mitbringsel tragen und er darf -mehr oder weniger- sicher sein, dass ich keinen Unsinn anstelle.“ Seine graublauen Augen mustern Arya und ihre Reaktion darauf. Es war eine Antwort, sicher. Aber wohl kaum die, die sie sich gewünscht hatte.

„Ist euch kalt? Möchtet ihr wieder hinein gehen?“, fragt er lächelnd. „Vielleicht sollten wir auf den Schock einen Wein trinken. Was meint ihr? Und seid versichert... mich stört es nicht, was ihr seid.“ Solange ihr dabei gut ausseht.

It is said there is no sin in killing a beast, only in killing a man. But where does one begin and the other end? ~Wolfman~


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Arya

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5

Tuesday, July 3rd 2012, 11:45pm

Arya wirft Niall einen kalten Blick zu, als er sie mit Komplimenten überhäuft. Als wäre es mir wichtig, ob mich Männer schön finden oder nicht. Sie sagt aber nicht und starrt wieder hinaus in die Nachtlandschaft. Plötzlich steht der gutaussehende Fremde neben ihr, so nah, dass Arya seine Wärme auf ihren nackten Armen spürt. Eine Weile stehen sie schweigend nebeneinander und lauschen der Geräuschen der Nacht. Gerade als Arya ihn darauf aufmerksam machen will, dass er ihr noch eine Antwort schuldet, erklärt Niall die Herkunft seines auffälligen Schmuckstückes. >“Mein Halsband ist ein Geschenk meines Herren. Und eine Art Versicherung für ihn. Ich darf dieses überaus modische Mitbringsel tragen und er darf -mehr oder weniger- sicher sein, dass ich keinen Unsinn anstelle.“< Die Drachenländerin dreht sich mit hochgezogenen Augenbrauen zu ihrem Gesprächspartner um und verzieht fragend das Gesicht. „Keinen Unsinn anstellt? Ich habe irgendwie das Gefühl, dass dieses Halsband kaum dagegen Hilft.“ Sie kann sich ein Grinsen nicht verkneifen und auch Niall lächelt amüsiert. Arya wird wieder ernst und seufzt leise. „Natürlich gibt es schlimmeres, aber es ist nicht einfach ohne eine richtige Mutter aufzuwachsen und nicht zu wissen wer sie war.“ Fröstelnd reibt sie sich die Hände und bemerkt erst jetzt wie kalt ihr eigentlich ist. Auch Niall scheint dies aufgefallen zu sein: >„Ist euch kalt? Möchtet ihr wieder hinein gehen? Vielleicht sollten wir auf den Schock einen Wein trinken. Was mein ihr?< Sie nickt zustimmend und lächelt. „Wein hört sich nach einer guten Idee an. Lasst uns wieder zu den humorlosen Adeligen gehen. Ich könnte auch noch ein kleines Stück von der leckeren Pastete vertragen.“ Mit diesen Worten rafft sie ihr silbergraues Kleid und verschwindet durch die Balkontüre.

Die Hitze und der Geruch unterschiedlichster Leckereien, Alkohol und schwitzenden Menschen schlägt Arya entgegen als sie vom Balkon in den schwülen Feststall tritt. Es herrscht eine ausgelassene Stimmung welche in den letzten Stunden durch den regen Weinfluss gehörig aufgeheizt wurde. Einige Leute tanzen, während andere torkelnd am Buffet stehen und die Platten leer räumen. Arya kann sich nur mit Mühe noch ein Stück Pastete ergattern während Niall für Wein sorgt. Sie ziehen sich in eine Ecke des Raumes zurück und prosten einander zu. „Auf eine Nacht voller Überraschungen.“ Meint die Drachenländerin mit einem sarkastischen Unterton und trinkt ihr Glas mit einem grossen Schluck leer. Der Alkohol wirkt schnell in der Hitze und auf ihren Wangen zeichnet sich ein Rosa Schimmer ab. Ihr Blick gleitet durch den Saal und bleibt hie und da an einem bekannten Gesicht hängen, ihre Brüder oder ihren Vater kann sie jedoch nirgends entdecken. Vielleicht auch besser so. Wer weiss was diese anstellen würden, wenn sie ihre kleine Schwester in Begleitung eines solchen Mannes antreffen würden. „Ich glaube ihr werdet bald euren Nachtisch bekommen.“ Arya deutet mit einer leichten Kopfbewegung auf die alte Krähe, welche bereits wieder ihre Runden engen um das ungleiche Paar dreht und Niall wohl bald zu sich ordern wird. Ein verächtliches Grinsen gleitet über das Gesicht des Mannes welches Arya für einen Augenblick erschaudern lässt. „Weshalb lässt ihr euch so etwas überhaupt gefallen? Ich nehme nicht an, dass der Herr eures Hauses erfreut über dieses Sache ist?“ Fragend schaut sie Niall an, während sie sich ihr Weinglas von einem der Bediensteten auffüllen lässt. Ihr Kopf fühlt sich bereits jetzt an als wäre er in Wolken gepackt und Arya ist bewusst, das sie eigentlich aufhören sollte mit trinken. Ich scheine heute nicht wirklich ganz ich selber zu sein. Gerade als Niall etwas auf ihre Frage erwidern will, taucht neben ihnen ein breitschultriger Mann auf, welcher ebenfalls eine Weste mit einer goldenen Distel trägt. Leise flüstert er Niall etwas ins Ohr und dieser nickt zustimmend. Der Mann, offensichtlich ein Diener des Hauses MacFóghnan, verschwindet wieder und lässt die Beiden alleine zurück. „Was genau wollte er?“ Fragt Arya interessiert, etwas was sie ohne so viel Wein im Blut auf keinen Fall getan hätte. Wieso interessiert mich das überhaupt? Kann mir doch egal sein was der Wolf treibt. Ihre purpurnen Augen mustern Niall fragend, während sie weiter an ihrem Weinglas nippt.

Niall

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Thursday, July 5th 2012, 8:52pm

~ 21. Langschnee, Aryas Geburtstag und Wintersonnenwende – Lair Draconis ~



>>„Wein hört sich nach einer guten Idee an. Lasst uns wieder zu den humorlosen Adeligen gehen. Ich könnte auch noch ein kleines Stück von der leckeren Pastete vertragen.“ , sagt Arya und rafft geschwind ihre Röcke. Niall hat gerade noch genügend Zeit einen großen Schritt zur Balkontür zu machen, um galant den schweren Samtvorhang zur Seite zu halten. Mit rauschenden Röcken eilt sie am sich leicht verbeugenden Drachenländer vorbei. Sie muss ganz schön durstig sein. Schöntrinken wird sie mich wohl kaum müssen, denkt er belustigt und wirft einen letzten Blick auf die blauschwarzen Umrisse der Nachtlandschaft. Ihr Geruch hängt noch voll und süß in der Luft und Niall atmet ihn tief ein, bevor auch er sich umdreht und ihr in den stickigen Saal folgt. Eine wahre Kakophonie an Gerüchen und Geräuschen schlägt ihm entgegen, das Gewirr an Lauten wird ab und zu von einem Fetzen Musik durchbrochen. Arya scheint kurz die Menge abzusuchen, wendet sich dann jedoch dem Buffet zu und erhascht gerade noch ein Stück der Pastete, bevor ein recht angetrunkener Lord und ein paar Hofdamen über die nur noch spärlich belegten Teller und Platten herfallen. Währenddessen erleichtert er selbst einen Bediensteten um zwei Gläser Wein, während dieser hektisch vorbei eilt. Niall schnuppert am Weinglas, in dem die blutrote Flüssigkeit umherschwappt und muss anerkennend nicken, als der schwere süßlich-erdige Geruch in seine Nase strömt. Rubinwein. Es scheint als würde der Gastgeber entweder sehr spendabel sein oder das er mit dieser raren Köstlichkeit protzen wollte. Vielleicht lag er auch zur fortgeschrittenen Stunde in irgendeiner Ecke und seine Untergebenen hatten den Weinkeller geplündert. Es kümmerte ihn nicht. Nur selten konnte man so einen guten Tropfen wie diesen genießen. Nachdem Arya es geschafft hat, sich aus der Menschenmasse herauszuschälen, die das Buffet belagerte, begeben sie sich in eine stille Ecke des Saals. Wobei das Wort „still“ eher symbolischer Natur war. Zumindest konnte man, umgeben von zwei Wänden, nicht so schnell mit Betrunkenen zusammenstoßen und man hatte alles gut im Blick. Lächelnd überreicht er der hübschen Frau den teuren Wein. „Genießt diesen Wein. Es ist das Beste, was Weinkeller nur bieten können.“ Nickend nimmt sie das Weinglas entgegen und prostet ihm zu: >>„Auf eine Nacht voller Überraschungen.“<< Lächelnd verbeugt er sich und erwidert: >>„Auf eine Nacht voller Überraschungen. Slàinte!“<< Er staunt nicht schlecht, als sie ihr Glas in einem Zug leert und ihr fast sofort einen rosa Hauch auf ihre Wangen zaubert. Ihr solltet vorsichtiger sein, Mädchen. Dieser Wein ist teuer und jedes Goldstück wert! Und er steigt schnell zu Kopf..., denkt er bei sich, sagt jedoch nichts. Wissend lächelnd hebt er das Glas an seinen Mund. Genüsslich nimmt er einen kleinen Schluck und lässt diesen mehrere Male über seine Zunge rollen. Sofort entfaltet sich das Weinbouquet und eine wahre Geschmacksexplosion findet in seinem Mund statt. Der Wein schmeckt zugleich nach Beeren und roten Früchten, einem Hauch Vanille und Granatäpfeln. Im Abgang ist er ebenso vollmundig und erinnert an das kräftige Aroma von Holunderblüten, um dann von der süße abzuweichen und leicht Herb nach Schlehen zu schmecken. Ja, das ist ein Wein, den sich Niall gerne öfter zu Gemüte führen würde. Einfach zu schade, dass ihr ihn einfach heruntergekippt habt. Vielleicht kann ich noch ein Gläschen organisieren. Seinen Blick vom Wein abwendend bemerkt er, dass Arya wiederholt die Menge absucht. Sie scheint dabei leicht nervös zu sein, fast so als würde sie hoffen kein allzu bekanntes Gesicht zu erblicken. Ihre Suche bleibt anscheinend erfolglos, was sie jedoch offensichtlich nicht stört. >>„Ich glaube ihr werdet bald euren Nachtisch bekommen.“, sagt sie leicht spöttisch und Niall wähnt sich schon Fast am Ziel seiner derzeitigen Begierde nach Arya. Doch dann deutet sie mit einer Kopfbewegung schräg hinter sich und er muss erkennen, dass sie seine Herrin gemeint hat. Lady MacFóghnan hatte sie wohl sofort wieder erblickt, nachdem sie auch nur einen Schritt zurück in den Saal gesetzt hatten. Wie konnte er auch nur so gutgläubig sein und denken, dass sie sich vom Acker gemacht hatte? Sicher hat sie die ganze Zeit in der Nähe der Balkontür gestanden und diese beobachtet. So ein dünner Hals... und erst dieses kahle Gefieder! Irgendwann muss jemand dieses Hühnchen erlösen... Bei diesem Gedanken muss er grinsen. Irgendwann...Mylady...irgendwann. Aryas Frage bringt ihn von seinen dunklen Gedanken ab und er löst den Blick von diesem geteerten und gefiederten Etwas. Arya lässt sich in diesem Moment Wein nachschenken und Niall hofft, dass sie diesmal mit mehr Genuss trinkt. Mehrere Herzschläge lang sieht er in ihre fragenden Augen. Das Licht der zahlreichen Leuchter und Kandelaber spiegelt sich in ihnen wider und purpurnes Feuer scheint tief darin zu lodern. Der Wein würde darauf wirken, wie Öl, das auf ein Feuer gegossen wird. Mit einem breiten Lächeln wägt er seine Antwort genau ab. Ach Herzchen. Er weiß es nicht! Und ich bin sicher, wenn er es wüsste wäre mein Kopf so schnell auf den Zinnen des Anwesens... so schnell könnte ich mich nicht umschauen. Aber diese Hexe hält eine Seite der Leine zu meinem Halsband in ihren vogelähnlichen Klauen... Er war seinem Herren schon immer eng verbunden gewesen und mehr als treu und dankbar... vor allem nach seinem allzu gütigen „Geschenk“. Er war dafür durch die Hölle gegangen, doch nun war er mehr, als er jemals zu träumen gewagt hatte. Natürlich hatte dieses Privileg Nachteile, doch Niall zog es vor nicht oft über die unangenehmen Seiten seines Daseins nachzudenken. Er sah sich mehr wie ein verlorener und wiedergefundener Sohn, dessen Vater ihn mit Geschenken überhäufte und mit einer recht großen Freiheit über die Dinge, die er tat, gewähren ließ. Dieser privilegierte Status brachte ihm die Missgunst und den Hass der anderen Bediensteten ein, die ihn nur als weiteren Untergebenen ansahen und als Spielzeug seines Herren. Doch was kümmerte ihn das alles? Es war nur der Neid, der aus ihnen sprach. Und schließlich hatte auch er eine Art „Lohn“ zu entrichten, von dem sein Herr jedoch nichts wusste, dafür seine Gattin umso besser. Manche Dinge müssen einfach getan werden. Wenn auch mit geschlossenen Augen und zusamengebissenen Zähnen.


Gerade öffnet er seinen Mund und möchte zu einer Antwort ansetzen, als ihm jemand recht kräftig auf die Schulter klopft. Er will schon herumfahren und diesem Wicht eine verpassen, doch dann erkennt er einen der Diener seines Herren. Lachlan der Kutscher und Stallmeister ist es, der sich nun verschwörerisch zu ihm beugt und ihm ein „Es ist an der Zeit...“ zuflüstert. Verstehend aber nicht glücklich über diese Unterbrechung nickt der Werwolf und seufzt innerlich. Konnte er auf diesem verdammten Fest nicht einmal seine Ruhe haben? Erst diese Wechselbälger, die ihn beim Essen störten und immer wieder dieses verdammte Vogelweib! Nun auch noch der Ruf seines Herren, dem er Folge zu leiste hatte. Konnte er nicht ein paar Minuten mit dieser Frau alleine sein? Wie sollte er sie denn von sich überzeugen? Sie verführen? Und warum kam ihm gerade jetzt ein altes Sprichwort in den Kopf: Ge milis amfion, tha e searbh ri dhiol.*?
Nun... er würde wohl eine neue Gespielin für die Nacht finden müssen. Abgesehen von der Krähe. Aber er wollte sie. Dieses kratzbürstige hübsche Ding, was ihn nun so unschuldig aus beschwippsten Äuglein ansah. Er hätte Fluchen können. Endlich fand er eine Frau, die sich ihm entgegenstellte und sich nicht gleich in seine Arme warf... eine echte Herausforderung! Und nun musste er einfach so abziehen...
„Es tut mir leid Arya. Meine...Dienste...werden anderweitig erwartet. Und nein, die Krähe hat nichts damit zu tun.“ Er ringt sich ein Lächeln ab und greift nach ihrer milchweißen Hand. Ihrer Haut haftet ein sauberer Duft nach Seife und Blumen an, sowie ein unwiderstehlicher Hauch nach Weiblichkeit. Fest presst er seine Kiefer aufeinander und trauert still, um diese verpasste Gelegenheit. Zart haucht er einen Kuss auf ihre weiche Haut und zu seinem Erstaunen zieht sie ihre Hand diesmal nicht sofort weg.
„Es war mir eine Ehre schöne Arya, Tochter des MacSkene. Vielleicht sehen wir uns am morgigen Tag wieder. Ich habe eure Gesellschaft mehr als genossen und ich hoffe ihr die meine. Verzeiht mir meine schnelle und unbeholfene Verabschiedung. Hätte ich eine Wahl, würde ich bleiben. Aber die habe ich nicht.“, beendet er seinen Satz rätselhaft und klingt dabei sogar etwas wehmütig. Dann dreht er sich auf dem Absatz um und verlässt den Saal und seine ausgelassene Stimmung mit weit ausgreifenden Schritten.



*Der Wein ist süß, das Zahlen bitter.






It is said there is no sin in killing a beast, only in killing a man. But where does one begin and the other end? ~Wolfman~


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Niall

Stadtbewohner

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Occupation: Gladiator/Ringkämpfer

Location: Herrensitz der MacFóghnan

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7

Sunday, July 29th 2012, 9:50pm

~ 21. Langschnee, Aryas Geburtstag und Wintersonnenwende – Lair Draconis ~



Gähnend beobachtet Niall, wie sich der kleine Hinterhof immer mehr füllt, während Lachlan das dicke Lederband um seinen Hals mit einer Schnalle verschließt. Prüfend zieht der hochgewachsene blonde Mann an dem zähen Leder, welches sich an manchen Stellen durch Nialls Schweiß schwarz verfärbt hatte. „Sitzt es zu locker? Oder ist es in Ordnung?“ Mehrere Male zieht er mit kräftigen Rucken an der Leine, die an einer Öse am Halsband befestigt ist. „Nett, dass du es jedes Mal aufs Neue fragst, obwohl du genauso gut wie ich weißt, dass dieses Halsband nur ein Loch für die Schnalle hat.“ Beide Männer grinsen sich an und schauen dann kurz hinaus zu den sich versammelnden Lords. Viele kleinere und größere Gruppen haben sich gebildet und diskutieren untereinander lautstark, sodass der Hof erfüllt ist von Stimmengewirr und manch einem lauten Lacher. Manche der Herren haben ihre Söhne oder auch Diener mitgebracht, jedoch ist keine einzige Frau anwesend. Diese Art des „Sports“ blieb allein der Männerwelt vorbehalten. Und Frauen, besonders die feinen Ladys, hätten sicherlich keinen Spaß daran stundenlang verschwitzten und blutenden Männern beim Faustkampf zuzusehen. An einem provisorisch errichteten Tisch -der aus einem breiten Brett auf zwei Hackklötzen besteht und bedrohlich wackelt- werden Wetten angenommen und manch einer dreht sich hierhin und dorthin, um die Kontrahenten in Augenschein zu nehmen und die Chancen des eigenen Favoriten abzuschätzen.
Niall lässt seinen Blick über die vielen Personen schweifen, doch er erkennt keinen von ihnen wieder, bis auf den dicken Jungen und seine strohköpfigen Begleiter, die sich durch die Menge zwängen.
Der Kampf findet unter freiem Himmel statt und der Ort wurde so gewählt, um möglichst wenig Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Der mit hohen Mauern umzogene Hof befindet sich auf der fensterlosen Hinterseite des Gesindehauses und hatte früher einmal als Auslauf für Tiere gedient. In der Mitte befindet sich ein Anbindepfahl, der vom Mondlicht beschienen mannshoch aufragt. Kleine verfallene Verschläge und Käfige drängen sich an die Steinmauer, manchmal zu hohen Türmen aufgestapelt. Er selbst befindet sich gerade in einem alten Stall, der jedoch dick mit frischem Stroh ausgestreut wurde und ein noch recht solides Dach aufweist. Auch ein kleiner runder Tisch, sowie ein Stuhl stehen für eine spätere Benutzung bereit. Eine einzelne Kerze spendet etwas Licht, doch für Niall ist wichtiger, dass ein guter Whisky nach den Kämpfen auf ihn wartet. Das goldene Getränk steht in einer verkorkten Karaffe in der Nähe der Kerze und das Licht bricht sich golden funkelnd in dem geschliffenen Gefäß. Neben ein paar Leinenbandagen und einer Tinktur zum Einreiben von schmerzenden Muskeln, findet sich auch noch Nadel und Faden auf dem Tischchen.
Eine Mücke will sich forsch auf Nialls Oberarm niederlassen, doch mit einer fahrigen Handbewegung wischt er sie beiseite. Kaum hat man kein Hemd mehr an, kommen auch schon die echten Blutsauger und wollen sich an einem laben. Der Oberkörper des Werwolfes ist für den Kampf bar jeglicher Bekleidung. Er trägt nur eine alte Lederhose, deren knöchelhohe Schnürung lose gebunden ist. Diese Hose hatte ihm sein Herr zugesteckt und allein der Dunkle wusste, wo er dieses viel zu enge juckende Ding gefunden hatte.
„Weißt du, wie viele gekommen sind? Es wurde nur... bestimmten Leuten Bescheid gesagt.“ Kopfschüttelnd und schulterzuckend verneint Niall die Frage. Nicht das es ihn auch nur im Entferntesten interessierte. Faustkämpfe waren wirklich eine recht öde Sache. Gerade gegen Sesselfurzer und andere Aristokratentypen zu kämpfen langweilte ihn zu Tode. Selbst die stämmigsten Knechte waren kein großes Problem. Nur weil jemand ein Pferd oder Ochsen unter Kontrolle halten konnte hieß dies nicht, dass man -trotz ausreichender Muskelmasse- auch ein guter und flinker Kämpfer war. Niall hingegen lebte für nichts anderes als den Kampf.
„Gut, dann werde ich unserem Herren Bescheid sagen, dass du soweit fertig bist.“ Mit ausholenden Schritten verschwindet Lachlan in der Menschenmenge, während sich diese -wie auf ein geheimes Zeichen hin- um den Kampfplatz gruppiert und fast so etwas wie Ruhe einkehrt. Ein kleiner Mann mit Halbglatze tritt auf den kreisförmigen Kampfplatz, um die Regeln des Kampfes zu erklären. Lange würde er dafür nicht brauchen. Die Regeln besagten nur, dass keine Waffen benutzt werden durften, man automatisch aufgab, wenn man den Ring verließ und -für Niall die wichtigste Regel- der Gegner durfte nicht getötet werden. Zumindest diesmal nicht. Welch ein Jammer...doch die hohen Herren hängen doch zu sehr an ihrem Leben. Andere in den Tod zu schicken, macht ihnen da bedeutend mehr Spaß... Zudem wurde solange Mann gegen Mann gekämpft, bis die zwei Sieger aus der letzten Runde gegeneinander antraten. Wer am Ende stehen blieb, hatte gewonnen. Simpel, aber ein Publikums- und Wettmagnet.
Ungeduldig lässt Niall seine Fingerknöchel knacken. Immerhin hielt diese Art Spektakel die Krähe fern, da sein Herr diese Hinterhofkämpfe niemals gegenüber seiner Frau erwähnte. Doch gleichzeitig hatte er auch diese kleine Wildkatze zurücklassen müssen und dies ärgerte ihn doch sehr. Möglicherweise hätte er geschafft ihr den Kopf zu verdrehen, auch wenn sie sich so unnahbar gab. Und wenn er ehrlich war: er hatte sich die kurze Zeit mit ihr wirklich amüsiert. Das erste Mal, seit der kleine Tross das Herrenhaus der MacFóghnan verlassen hatte. Wenn er sich diese Milchgesichter hier so ansah, konnte auch dieses Kampfgeschehen ihn sicher eine Zeit lang amüsieren.

Mit einem knappen Nicken begrüßt er seinen Herren und Lachlan, als diese sich aus der Menge lösen und zu ihm unter den Unterstand gesellen. „Du bist als Drittes dran. Du wirst als erstes gegen Lord Foster dort drüben kämpfen.“, sagt sein Herr ruhig und deutet mit einer Kopfbewegung auf einen hochgewachsenen Mann mittleren Alters. „Ein Amtsstubenhocker, der keine Probleme bereiten dürfte. Im Allgemeinen sind nur wenige... sagen wir... Kämpfernaturen anwesend. Ein paar der Lords lassen auch ihre Knechte kämpfen. Aber ich bin sicher du schaffst das spielend.“ Freundlich klopft ihm sein Herr auf die Schulter. Diese Geste konnte für Außenstehende freundlich und unterstützend gedeutet werden, doch für Niall besagte sie nur eines: Es gibt keine andere Möglichkeit, als das er als Sieger aus der ganzen Geschichte hervorging. Aber der Gewinn sollte sich auch für ihn lohnen, schließlich bekam auch der Werwolf immer etwas von seinem erkämpften Geld. Vielleicht würde er dieses diesmal nicht verprassen, verzocken oder versaufen... Oder möglicherweise doch.


Am Himmel zeichnete sich das erste Blaugrau des Morgens ab, als Lachlan zum wiederholten Mal Nialls Leine an dem Pfahl in der Mitte des staubigen Hofes verankerte. Das verschwitzte Leder des Halsbandes knarrt protestierend und Niall beißt die Zähne zusammen, als die Ränder des Bandes in seine wundgescheuerte Haut schneiden.
Aus den verbliebenen Reihen der Zuschauer sind Rufe zu hören, die den einen oder den anderen Kämpfer anfeuern, aber auch das Ächzen und Stöhnen der Verlierer der vorherigen Runden ist aus den hinteren Reihen zu vernehmen. Nachdem Lachlan mit schnellen Schritten den Ring verlassen hatte, bleibt der Drachenländer allein mit seinem letzten Gegner zurück. Beide hatten es, mit mehr oder weniger Blessuren, bis in die Endrunde geschafft.
Vor ihm steht ein Bulle von einem Mann, großgewachsen mit breiten Schultern und einem stammdicken Stiernacken. Seine Haare hängen in ungewaschenen Rattenschwänzen auf seine Schultern und ein zahnloses aber sehr selbstsicheres Lächeln überzieht das vernarbte Gesicht fast von Ohr zu Ohr. Auf seinem nackten Oberkörper kräuseln sich eine Menge Brusthaare, als hätte er ein Tier abgezogen und das Fell auf seine Brust genäht. Kratzer und Blutergüsse zierten seine Brust und an seinem Hals kann Niall den halbmondförmigen Zahnreihenabdruck einer Bissspur erkennen. Er ist der Fuhrknecht eines kleinen Lords aus der Gegend und hört wohl auf den Namen Guthrie. So genau und aufmerksam hat Niall die Ansage des Kampfrichters nicht verfolgt. „Du wirst im Dreck liegen und um Gnade winseln, bevor der Tag angebrochen ist!“, schallt es spuckespritzend zum Wolf herüber. Tzz... ich mache mir in die Hosen vor Angst., denkt er lächelnd und verbeugt sich spöttisch vor seinem Gegner.
Mit verschränken Armen wartet er auf den Angriff seines Gegenübers, der auch prompt Anlauf nimmt und Niall attackiert. Seine dicken Arme schließen sich um Nialls unbekleideten Brustkorb und die Wucht lässt beide Männer mit einem dumpfen Aufprall zu Boden gehen. Fest drückt sein Kontrahent zu und die Wirbelsäule des Werwolfes knackt bedenklich, doch der Wolf kennt diese Art des Griffes bereits, windet sich geschickt aus diesem heraus und fängt an Guthrie zu würgen. Beide Daumen drücken sich in das Fleisch neben dem zitternden Adamsapfel. Eine zeitlang sieht es so aus, als würde dies den Knecht nicht interessieren, doch dann endlich lässt er etwas von Niall ab. Diese Gelegenheit lässt dieser sich nicht entgehen, schlingt geschickt sein Bein um den Hals des Hühnen und wuchtet sich auf dessen Brustkorb. Nun liegt Guthrie unter ihm auf dem Boden und Nialls Bein blockiert die Kehle des Mannes. Der Kopf des Knechtes wird immer röter und Niall überlegt, ob sein Gegner endlich vorhat auszugeben, da treffen ihn zwei kräftige Schläge in die Nieren und fegen ihn von Guthries Brustkorb. Knurrend und den Schmerz ignorierend steht Niall wieder auf und auch der Knecht rappelt sich wieder hoch. Strauchelnd ringt Guthrie um sein Gleichgewicht, doch als er es wiedererlangt hat greift er den Werwolf sofort wieder an. Viel Spielraum hat Niall dabei nicht dem benommenen aber nicht minder kräftigen Angriffsversuchen auszuweichen, da seine Leine seine Bewegungsfreiheit stark einschränkt. Möglicherweise würde die Ermüdungstaktik bei diesem Burschen hilfreich sein, da dieser wieder Erwarten schnell zu sich kommt. Eine Zeit lang tänzelte Niall nur um seinen Gegner herum, versetzt ihm ein paar Schläge sowie Tritte und muss selbst ein Paar schmerzende Treffer einstecken. Doch anscheinend wurde diese Art des Kampfes den Zuschauern langweilig und die Menge begann, mangels besserer Unterhaltung, Stöcke, Steine und sonstige Dinge nach Niall zu werfen. Ein Blick auf seinen Herren verrät, dass er das Spielchen nicht zu weit treiben und dem ganzen bald ein Ende bereiten sollte.
Guthries verärgerte Miene und die seilartig hervortretenden Adern an seinem Hals lassen ebenfalls erkennen, dass auch er genug von Nialls Tänzeleien und Ausweichmanövern hat. Flink überbrückt der Werwolf die kurze Distanz zwischen sich und seinem Gegner, holt aus und landet einen Treffer in der Magengrube, sowie einen weiteren in der Nierengegend. Grollend dreht sich Guthrie zu ihm um, landet einen Streiftreffer an Nialls Kinn, doch unter dem zweiten Hieb taucht Niall hindurch und ein krachender Schlag trifft den Nacken seines Gegners. Leichtfüßig bringt Niall wieder etwas Abstand zwischen sich und dem Bullen. Die Leine schleift dabei locker über den Boden und wirbelt Staubwölkchen auf.
Die Menge beginnt wieder zu johlen und der Wolf will noch ein paar Schläge landen, doch dann wird seine Aufmerksamkeit auf eine Bewegung in den hinteren Reihen gelenkt. Fast war es ihm, als hätte er ein weibliches Gesicht zwischen all den Männern gesehen. Das Gesicht von Arya. Doch so schnell es gekommen war, so schnell ist dieses Trugbild auch wieder verschwunden. Der kleine Moment der Unaufmerksamkeit reicht Guthrie jedoch, um sich aufzurappeln und Niall einen derben Hieb gegen die Nase zu schmettern, sodass seine Zähne schmerzhaft aufeinander schlagen und das darauf folgende knackende Geräusch nur einen Nasenbeinbruch bedeuten konnte. Blut füllt seinen Mund und tropft am Kinn des Wolfes herab. Wie kleine Rubine glänzen die Blutstropfen im Staub des Kampfplatzes. Mit einer Dampfhammerfaust setzt der Mann sofort einen Schlag in Nialls Magengrube nach, der Sternchen und weiße Punkte vor Nialls Augen tanzen lässt. Die Stimmen der Menge werdem undeutlich und der Boden verschwimmt bedrohlich vor seinen Augen. Taumelnd versucht er sich an dem Pfahl festzuklammern, doch ein weiterer Schlag trifft ihn, der ihm die Luft aus den Lungen treibt. Nach Luft japsend und rasselnd atmend, entfernt er sich stolpernd so weit vonGuthrie, bis die Leine straff gespannt ist und der Zug an dem Halsband spürbar wird. Der Knecht beginnt ihn zu umkreisen und Niall lässt diesmal nicht aus den Augen -auch wenn ihm dies schwerfällt, da die Umgebung nicht aufgehört hat sich zu drehen-, während er versucht mit dem Handrücken das Blut aus dem Gesicht zu wischen. Quälend langsam werden seine Gedanken wieder klarer. Hatte er Arya wirklich gesehen? Oder wollte er sie nur gesehen haben? Ein kurzer Blick auf die vermeintliche Stelle lässt Arya nicht wieder auftauchen, jedoch das düstere Gesicht seines Herren. Ärger erfüllt Niall plötzlich. Verdammte Weiber... verdammtes Leben. Verdammter.... Goldener Käfig! Hass brennt in seinen Augen, als er sich ohne Vorwarnung auf Guthrie stürzt und ihn durch sein eigenes Gewicht zu Boden reißt. In einem schnellen Stakkato bearbeitet er den Mann mit Hieben und Tritten, lässt seine ganze Wut an ihm aus. Wimmernd versucht sich dieser zu schützen und jammert ein undeutliches: „Ich... ergebe mich..!“ Doch Nialls Rage kennt kein Halten mehr... er ergreift die Leine an die er gebunden ist, wickelt sie zwei Mal um den Hals des Gegners und zieht die Leine fest zu. Guthries hervorquellende Augen und das Schreien seines Herren hallen noch in seinen Gedanken nach, als er von mehreren Männern von seinem Feind heruntergezogen, vom Pfahl befreit und in den Verschlag gebracht wird.
Nur langsam kühlt sich sein in Wallung gebrachtes Blut ab und er realisiert, dass er gewonnen hatte. Lachlan steht neben ihm und schien ihn schon eine Weile beobachtet zu haben. „Dem hast du es aber gegeben. Fast hättest du ihn umgebracht! Vielleicht wird dich das deine Prämie kosten...“ Schulterzuckend wendet Niall sich ab. Soll doch der ganze Trupp zum Dunklen fahren. Ihm war nach Whisky und einer Frau. Nicht nach stinkenden verschwitzten Ochsenknechten. Wütend richtet er mit einem unappetitlichem Knacken seine Nase und wischt sich das aufs Neue hervorquellende Blut an der Lederhose ab.
„Unser Herr wird nicht erfreut sein... ich denke, ich werde ihn etwas ablenken. Deine Wunden versorgst du ja sicher wie immer selbst.“ Einen geronnenen Blutklumpen ausspuckend antwortet Niall: „Ja natürlich. Alles wie immer. Und nun scher dich weg. Ich möchte allein sein.“ Ein Hund in seinem Verschlag... und nach dem Kampf ist wie immer vor dem Kampf...
Langsam leert sich der Hof und Stille senkt sich über das Gemäuer, während Niall über düsteren Gedanken brütend an seinem Whisky nippt und in die Flamme der Kerze starrt. Der alte Stuhl knarrt bedrohlich, als der schwarzhaarige Mann seine Hände hinter dem Kopf verschränkt und sich streckt. Was blieb ihm schon für eine Wahl, als sich an das Zusammenflicken seines Körpers zu machen und später die Standpauke seines Herren über sich ergehen zu lassen?

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Aradia

Unregistered

8

Wednesday, March 5th 2014, 2:35pm

Aufbruch

Lesmaha 514 Anfang Taumond

Als die ersten Sonnenstrahlen durch die Fenster eines kleinen Holzhäuschen strahlen , unter der Bettdecke sich etwas regt, erwacht eine junge Frau.
Aradia schlägt mit Schwung die Bettdecke auf und springt aus ihrem Bett. Sie war die ganzen letzten Tage dabei , einiges an Vorbereitungen zu treffen.
Ihr Traum an eine eigene Schneiderei rückte immer näher und heute war der Tag an dem sie ihren Traum ein Stück näher kommen würde.
Sie geht mit einem lächeln auf den Lippen zu Fenster und öffnet es, atmet die kalte Morgenluft tief ein und streckte sich nach allen Seiten.
Ein frischer Wind wehte ihr entgegen und sie wuschelt sich durch ihr kurzes Haar. Kurz darauf geht sie hinüber zu ihrer Waschschüssel, nimmt den Wasserkrug
mit frischem Wasser, welchen sie in die Waschschüssel kippt. Aradia tauchte ihre Hände, die sie zu einer kleinen Schale formt, ins Wasser.
Das kühle Nass empfindet sie als erfrischend auf ihrem Gesicht. Schnell dennoch gründlich beendet sie ihre Morgentoilette bevor sie sich zu ihrer
Kleiderkiste umwendet. Langsamen Schrittes lief sie darauf hinzu, doch plötzlich kommt Unmut ihn ihr auf *Sollte sie es wirklich wagen?* schießt es ihr durch
den Kopf.
Selbst zu sich redend schüttelt sie ihren Kopf „Mach dich doch nicht so verrückt , Aradia! Es wird schon alles gut gehen.“ spricht sie sich ein wenig Mut zu.
Nun steht sie vor ihrer Kleiderkiste und öffnet den Deckel, sie schaut hinein. Entschlossen greift sie zu einem weißen Unterkleid aus Baumwolle und einem
hellblauen Überkleid aus Leinen. Der Farbton des Kleides ließ ihre blaue Augen zur Geltung kommen und selbst ihre Figur brachte es auf Grund des
Taillienschnittes gut zur Geltung.
Als sie sich ordentlich angekleidet hat, sucht sie noch zwei weiter Überkleider aus ihrer Kiste. Sie entscheidet sich für ein einfaches graues Kleid ,
welches unter der Brust mit einen rotem Band verziert war und ein sonnengelbes edleres Kleid. Beide Kleider wickelt sie in ein großes Tuch.
Noch einmal sah sie auf die Kleider und schmunzelte ein wenig bevor sie sich der Zimmertür zuwendet. Mit einen knarzen öffnet sie die Tür und trat aus dem Raum.

SalarSar und ihre Eltern sitzen schon am Tisch , doch war die Stimmung leicht getrübt. Mit einem sanften lächeln trat sie näher und setzte sich zu SalaSar
auf die Bank, schenkt sich ein Krug frische Milch ein und schaute einen nach den andere an. Die Stille war grässlich und so unterbrach sie das schweigen
„Warum zieht ihr so lange Gesichter? SalaSar und ich sind ja nicht aus der Welt, wir folgen nur unseren Traum.“
sie klopfte SalaSars Vater auf die Schulter und schmunzelt ihm entgegen „Ich bin euch dankbar für die Jahre nach dem Tod meiner Eltern, doch nun lasst mich
ziehen. Ich gebe euch mein Wort das ich auf SalaSar achte und wir uns immer wieder mal melden.“ Mit diesen Worten steht Aradia auf und geht hinüber zu der
Mutter SalaSars . Sie legt eine Arm um sie und drückt sie an ihren Oberkörper dabei flüstert auch sie ihr Worte der Dankbarkeit ins Ohr.
Aradia lässt nach wenigen Sekunden wieder von ihr ab und schaut ihr über die Schulter. Was sie sah lässt ihre Augen erstrahlen.
War sie doch tatsächlich dabei Proviant zusammen zu stellen. Brot, Trockenfleisch und für jeden ein Trinkbeutel mit säuerlichen Wein.
Dankbar nimmt sie das Kehrpaket entgegen und verschwindet damit wieder in ihr Zimmer. Das ausgebreitete Tuch mit den Kleidern lag immer noch auf den Bett.
So legt sie den Proviant mit hinein, doch zuvor wickelte sie das Paket vorsichtshalber nochmals in Leinen, sie befürchtet das es Flecken auf den Kleidern geben
wird wenn sie es nur mit eine Lage umwickelten Stoff bedeckt.
Als sie alles wirklich alles beisammen hatte , schnürte sie das Tuch zusammen , befestigt es an einer Rute und ging damit zurück in den Vorraum
wo auch die Küche zu finden war. Nun verzeichnete sich selbst auf Aradias Gesicht ein hauch von Traurigkeit. So machte sie es kurz und verabschiedete sich von
SalaSars Eltern, den Menschen den sie ein Leben lang dankbar sein wird. Sie lässt Salasar noch ein wenig Zeit sich von ihren geliebten Eltern zu verabschieden
bevor sie Salasar am Ärmel ihres Kleides zieht.
Mittlerweile war die Stunde des Herdfeuers angebrochen „ Wir sollten uns auf den Weg machen Sal“ sprach sie zu ihrer besten Freundin.

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SalaSar

Unregistered

9

Thursday, March 6th 2014, 2:13pm

Aufbruch

Aufbruch

Lesmaha 514 Anfang Taumond

Nun war er da der große Tag . Die ganze Nacht hat sie schlecht geschlafen.Immer wieder geht
es ihr durch den Kopf, ob das auch die richtige Entscheidung ist .
Langsam erhebt sie sich, zieht die Vorhänge auf und blickt einem strahlenden Himmel entgegen,
der beinahe wolkenlos ist. Dennoch geht sie mit gemischten Gefühlen ins Badezimmer wäscht sich kämmt ihre Haare und bindet sie zusammen dann zieht sie ein Kleid an, das eine weite Reise gut überstehen könnte .
Danach sucht sie das Zimmer von Aradia auf, die allerdings schon fertig zu sein scheint denn sie ist nirgends zu sehen. Sicher, so denkt sie, ist es auch für Aradia nicht leicht die gewohnte Umgebung zu verlassen.
Auf dem Weg in die Küche,in der es bereits nach fertigem Frühstück duftet, versucht sie auf andere Gedanken zu kommen. Sie malt sich ihre Zukunft aus, wie es sein würde in der großen Stadt wenn Aradia und sie ein eigenes Geschäft eröffnen. So ist ihre Stimmung schon etwas besser beim gemeinsamen Frühstück mit ihren Eltern und der Freundin.
Erst als sie danach wieder im Zimmer ist wehmütig auf all die dinge schaut , die sie zurücklassen musste kommt wieder dieser Klos im Hals den sie schon seit Tagen hat und der immer schwerer einfach runter zu schlucken ist , je näher der Zeitpunkt der Abreise kommt.
Schweren Herzens breitet sie ein großes Laken auf dem Bett aus, nimmt aus dem Schrank zwei Kleider , legt sie zusammen dann auf das Laken, Unterwäsche etwas Waschzeug, das muss auch schon genügen, denn der Weg ist weit den sie vor sich haben und zu Fuß doch sehr beschwerlich, da sollte das Gepäck nicht allzu schwer sein. Nun bindet sie das Laken mit einem Knoten zusammen , nimmt einen Stock und befestigt den nun entstandenen Beutel dran alles auf dem Rücken tragen zu können. So gerüstet begibt sie sich nach draußen wo bereits ihre Eltern und Aradia warten.
Ihre Mutter kann die Tränen nicht zurückhalten. Nicht nur ihrer Tochter wegen, auch Aradia ist ihr im laufe der Jahre ans Herz gewachsen. Der Vater ist sehr still, Emotionen zu zeigen gehören nicht zu seinen Charaktereigenschaften, aber auch ihm ist anzusehen wie sehr ihn der Abschied der geliebten Mädchen belastet.

Noch eine ganze Weile dauert es, bis eine von ihnen, sie weiss nicht mehr ob sie oder Aradia, sich endlich losreißen können um die lange aufregende Reise zu beginnen.
Salasar wird immer ruhiger , mit jedem schritt der sie weiter von zu hause wegführt ist es als würde jemand einem Dolch in ihr Herz stossen. Auf einmal sagt sie leise, aber immernoch so, dass Aradia es hören kann, "ich kanns nicht , ich kann sie nicht im Stich lassen , bitte verstehe mich. Immer schon habe ich davon geträumt , von hier wegzugehen, aber nun , da der Tag gekommen ist , bringe ich es nicht fertig ." Sie blickt traurig auf die Freundin, die dies aber versteht .Salasar verabschiedet sich schweren Herzens von Aradia , geht aber dann dennoch glücklich zu ihren Eltern zurück. Vielleicht wird sie eines Tages erneut die Reise auf sich nehmen, wenn sie den Mut dazu aufbringen wird.......

This post has been edited 1 times, last edit by "SalaSar" (Mar 6th 2014, 3:07pm)